Biberach

Aktuelle Ausgabe 27.05.2020

Was beim Kundenkontakt auch in Corona-Zeiten wichtig ist

Vertriebsexpertin Birgit Schulze-Berktold gibt Praxistipps

Birgit Schulze-Berktold hat sich auf die Schulung von Mitarbeitern im Vertrieb spezialisiert. In ihren Beratungen, Trainings und Coachings unterstützt sie Menschen und Organisationen, ihre Potenziale auszuschöpfen. Warum das vor allem in Corona-Zeiten wichtig ist, verrät sie im Interview mit dem Südfinder.

Von Markus Falk

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Menschen im Vertrieb zu schulen?

Als ausgebildete Vertriebsberaterin und Trainerin helfe ich dabei, den Kontakt zum Kunden einfacher und erfolgversprechend zu gestalten und damit auch Spitzenergebnisse zu erzielen.

Ich habe meine berufliche Laufbahn im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Marketing gestartet und bald gemerkt, dass es der Vertrieb ist, der mich wirklich begeistert. Mit über 20 Jahren Praxiserfahrung, davon mehr als zehn Jahre als Vertriebsleiterin, habe ich große Freude daran, mein Wissen und meine Erfahrung an andere Menschen weiterzugeben.

Wo liegen im Vertrieb oft die größten Potenziale, wo gibt es Schwächen?

Um die größten Potenziale für das Unternehmen festzustellen, mache ich gemeinsam mit meinen Kunden eine sogenannte „Vertriebspotenzial Analyse“. Häufig geht es dabei um Themen wie die Freude am positiven und erfolgreichen Umgang mit den Kunden, oft auch ganz einfach darum, erst einmal zuzuhören und zu verstehen, was genau der Kunde eigentlich will und was ihm wichtig ist, bevor ein Angebot gemacht wird.

Welche Herausforderungen bringt die Corona-Krise für den Vertrieb mit sich?

In einigen Branchen ist durch die Corona-Krise der Verkauf praktisch eingestellt worden. Ein gutes Beispiel dafür sind Gaststätten oder der Tourismus. In fast allen Bereichen haben die Vertriebsergebnisse durch die Corona-Krise stark gelitten. Und es gilt in den nächsten Wochen und Monaten, dies möglichst schnell und mit kreativen Möglichkeiten wieder aufzuholen. Ein wichtiges Thema ist dabei die zunehmende Digitalisierung im Vertrieb, mit der beispielsweise persönliche Kundengespräche auch online geführt werden können. Wir sehen, dass Digitalkompetenz durch Corona kurzfristig und sehr schnell angestiegen ist. Wer gerade im Vertrieb und im Kundenkontakt hier nicht mithält, fällt schnell hinter anderen zurück.

Jetzt mehr lesen

Ausgabe 20.05.2020

Mehr Fälle von häuslicher und sexualisierte Gewalt

Corona-Krise: Besonders Frauen und Mädchen sind gefährdet

In der Corona-Krise kommt es laut Experten und Hilfseinrichtungen vermehrt zu häuslicher und sexualisierter Gewalt – insbesondere gegenüber Mädchen und Frauen. Ein neuer Flyer des Landesfrauenrats und der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten und Frauenbeauftragten in Baden-Württemberg gibt Informationen zu Beratungs- und Hilfsangeboten. Es gibt sogar einen gesonderten Flyer für Betroffene im Landkreis Biberach.

Kreis Biberach – Die coronabedingten Kontaktbeschränkungen führen dazu, dass sich die Bürger vermehrt in der häuslichen Gemeinschaft aufhalten. Experten und Hilfseinrichtungen berichten, dass es dadurch vermehrt zu Konfliktsituationen zwischen Ehe- oder Lebenspartnern sowie in Eltern-Kind-Beziehungen und zu häuslichen Gewalthandlungen kommt. Frauen und Mädchen sind dabei stärker betroffen. Beim deutschlandweiten Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ hat die Nachfrage nach Beratungen zur häuslichen Gewalt um 17,5 Prozent gegenüber den vorherigen drei Wochen zugenommen, heißt es in einer Pressemitteilung des Biberacher Landratsamts.

Dieser wachsenden Gefährdung von Frauen und Mädchen haben sich auch der Landesfrauenrat und die Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten und Frauenbeauftragten in Baden-Württemberg angenommen und einen Informationsflyer über Beratungs- und Hilfsangebote bei häuslicher und sexualisierter Gewalt zusammengestellt.

Dr. Anja Reinalter vom Landesfrauenrat hat mit der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Biberach, Sigrid Arnold, einen Infoflyer für den Landkreis Biberach auf den Weg gebracht.

„Gerade in der Coronazeit müssen wir sensibel für Konflikt- und Gewaltsituationen sein. Dabei gilt es besonders Frauen und Mädchen vor Gewalt in jeglicher Form zu schützen und ihnen im Bedarfsfall die bestmögliche Unterstützung zu geben“, sagt Dr. Anja Reinalter. „Neben dem Hinweis auf bundesweite Beratungsangebote wie dem anonymen, kostenlosen und rund um die Uhr erreichbaren Hilfetelefon ,Gewalt gegen Frauen’ mit der Telefonnummer 0800/116016 wollen wir zusätzlich Informationen zu regionalen Hilfs- und Beratungsangeboten geben“, erläutert Sigrid Arnold.

Betroffene Frauen und Mädchen sollen wissen, wohin sie sich wenden können, um sich aus einer Gewaltsituation befreien zu können, und wer konkret sie vor Ort in ihrer Stadt oder in ihrem Landkreis wie unterstützt. „Schnelle, regional verfügbare Hilfen bei häuslicher und sexualisierter Gewalt sind das Wichtigste für betroffene Frauen“, betont Dr. Anja Reinalter.

Der Infoflyer wird in den nächsten Tagen regional verteilt und ist auch im Landratsamt Biberach und bei den Bürgermeisterämtern im Landkreis Biberach kostenlos erhältlich.

Jetzt mehr lesen

Wenn ein weiterer Hauch Normalität zurückkehrt

Wie Biberacher Wirte die Corona-Verordnung umsetzen

Nach wochenlanger Zwangspause dürfen seit Montag auch Biberacher Gaststättenbetreiber mit Einschränkungen wieder öffnen. Dabei müssen die Gastronomen zahlreiche Sicherheitsvorschriften beachten, die mit der Coronaverordnung des baden-württembergischen Wirtschafts- und Sozialministeriums in Kraft getreten sind. Der Südfinder hat bei Wirten nachgefragt, wie sie die Regeln umsetzen. Dabei sind auch einige kreative Ideen entstanden.

Von Markus Falk

und Linda Leinecker

Biberach – Andreas Höschele vom Grünen Baum zeigt wenig Verständnis für den bisherigen Umgang mit dem Coronavirus. Er sagt: „Die Schließung war überzogen. Die Angst, die in der Bevölkerung geschürt wurde, war unnötig und wird anhalten. Restaurants, Wirtschaften und Kneipen sind Orte des sozialen Zusammentreffens, dies wird mit den neuen Regeln nicht mehr so sein. Mein Lokal ist seit dem 18. Mai geöffnet und ich halte mich an die Hygieneregeln, wie ich dies schon seit Jahren mache. Für uns sind diese Vorschriften nichts Neues, Sauberkeit, Desinfektion und Reinigung stehen bei uns schon immer auf dem Programm. Die Abstandsregeln und weitere Vorschriften werde ich einhalten, um mich nicht strafbar zu machen.“

Mecky Marxen vom Café Weichhardt möchte es langsam angehen lassen. Er sagt: „Wir haben jetzt auch ab Montag wieder zu den gewohnten Zeiten geöffnet. Weil unsere Köchin noch nicht vor Ort ist, bieten wir aber erstmal nur eine kleine Küche an. Obwohl auch wir durch die zweimonatige Zwangspause einen Umsatzverlust hatten, werden wir die Preise nicht erhöhen.

Marxen erklärt: „Schließlich sind noch viele Menschen in Kurzarbeit, da wollen wir ihr Portemonnaie nicht noch zusätzlich belasten in diesen irren Zeiten.“ Er halte die Hygieneregeln ein wie alle anderen auch, indem er Absperrbänder über jeden zweiten Tisch gespannt und Hinweisschilder angebracht habe, sowie Desinfektionsmittel zur Verfügung stelle. Dass die Gäste ihre Kontaktdaten angeben müssen, bevor sie überhaupt bedient werden, kann er nur teilweise nachvollziehen: „Ich kann ja gar nicht kontrollieren, ob jemand seinen richtigen Namen überhaupt angibt. Und die Absperrbänder interessieren auch niemanden. Trotz aller Einschränkungen ist das wichtigste, dass die Leute einfach mal wieder einen Kaffee oder ein Bier in begrenzter Gemeinschaft genießen können. Und wir freuen uns für alle Kollegen aus der Gastrobranche, dass es nun nach langer Zwangspause weitergeht. “

Alexander Ristic, Betreiber des Poco Loco, erklärt seine Corona-Regeln: „Wir haben entschieden, ab dem 18. Mai zu den gewohnten Uhrzeiten aufzumachen, um den Menschen ein bisschen Normalität zu schenken. Die Corona-Regeln sind, Erstens: Der Gast sollte per Telefon oder Mail reservieren, damit wir seinen Namen, die Telefonnummer und die Uhrzeit haben, um die Erfassung der Gäste umzusetzen. Zweitens: Der Gast kann ohne Mundschutz kommen. Wir empfehlen aber, mit Mundschutz unseren Laden zu betreten, auch um uns zu schützen. Falls jemand den Mundschutz vergessen haben sollte, haben wir 2000 Stück für uns und unsere Gäste vorrätig. Drittens: Nachdem wir die Gäste mit unserem Gast-Service empfangen haben, desinfizieren wir die Hände und begleiten den Gast zu seinem zugewiesenen Tisch. Am Tisch kann der Gast seinen Mundschutz abnehmen, da wir überall 1,5 Meter Abstand zwischen den Sitzplätzen haben. Das Servicepersonal trägt ständig Mundschutz, sofern es mit Gästen in Kontakt ist. Viertens: Bei Aufsuchen der Toiletten und Verlassen des Lokals empfehlen wir, den Mundschutz wieder aufzusetzen. Wir als Gastronomen tragen eine große soziale Verantwortung, unseren Teil dazu beizutragen, den Menschen schnellstmöglich die Angst zu nehmen, um der Innenstadt Leben einzuflößen. Wirtschaftlichkeit sollte die ersten vier bis acht Wochen nicht im Vordergrund stehen, sondern die Erfahrung, im Geschäftsleben mit der Pandemie zu leben. Je früher wir aufmachen, desto mehr Erfahrungen sammeln wir.“ Ristic betont, er sei sehr zuversichtlich, dass es wieder bergauf gehe.

Seit Montagabend hat auch das Restaurant im Parkhotel Jordanbad wieder geöffnet. Geschäftsführer Thomas Lerch hält die aktuellen Regelungen grundsätzlich für praktikabel und erklärt: „Wir gehen sogar über die gesetzlichen Vorgaben hinaus und haben den Mindestabstand von 1,5 Meter zwischen den Tischkanten sogar noch vergrößert. Damit können wir etwa 50 Prozent unserer Kapazitäten anbieten. Darüber hinaus haben wir mit unseren Mitarbeitern ein Hygienekonzept erarbeitet.“ Eine Reservierung sei nicht nötig, die Gäste müssten aber Kontaktdaten zur eventuellen Nachverfolgung bei Corona-Fällen hinterlassen, sagt Lerch. Das Badrestaurant und die Sauna bleiben bis auf Weiteres geschlossen.

Weil im La Bodega momentan kein Tanzbetrieb möglich ist, geht Inhaber Daniel Grillo am kommenden Freitag vorläufig mit einem neuen Konzept an den Start. Er sagt: „Das La Bodega wird abends zur Cocktailbar, in der es auch kalte und warme Snacks gibt. Alle Getränke und Cocktails kann man auch mitnehmen. Um die Hygienebestimmungen einzuhalten, können im Gewölbekeller am Weberberg an sieben Tischen jeweils zwei Haushalte Platz nehmen. Und wir haben wie gewohnt bis um vier Uhr geöffnet.“ Reservierungen sind nicht nötig, man solle einfach vorbeischauen. Grillo verrät, trotz der Umfunktionierung komme im La Bodega wie immer auch die Musik nicht zu kurz: „Allerdings wird sie momentan nur im Hintergrund laufen.“

Oliver Hörnle betreibt gemeinsam mit Daniel Grillo das Su Casa. Er sieht bisher keine Probleme beim Einhalten der Hygienebestimmungen: „Seit dem Lockdown sind unsere Gäste viel sensibilisierter, wenn es darum geht, uns bei der Umsetzung der Hygieneregeln zu unterstützen. Sie akzeptieren den Abstand zwischen den Tischen und verhalten sich vernünftig. Das war nicht immer so. Ich denke, diese Krise schweißt uns alle zusammen.“

Jetzt mehr lesen

Ausgabe 14.05.2020

Sana Klinikum Biberach konzentriert sich weiter auf Notfälle

Noch sind zu viele Covid-19-Patienten in Behandlung – Planbare Operationen werden nicht vor Ende Mai durchgeführt

Im Biberacher Sana Klinikum gelten in der derzeitigen Coronakrise besonders hohe Sicherheits- und Hygienestandards. Dennoch sind die Fallzahlen im Klinikum insgesamt hoch, weshalb das Sana Klinikum Biberach auch weiterhin – zunächst bis

Ende Mai 2020 – nur Notfälle behandelt. Das Haus reagiert mit dieser Maßnahme auf die dynamischen Entwicklungen rund um die Corona-Pandemie und steht dabei im engen Austausch mit dem Gesundheitsamt Biberach.

Biberach (red) – „Bereits zu Beginn der Pandemie gab es einen sehr raschen Anstieg an teils schwer erkrankten, intensivpflichtigen COVID-19-Fällen, die wir im Biberacher Klinikum über die Notaufnahme stationär aufgenommen haben. Zwar nehmen die Fallzahlen auch in unserem Klinikum seit mehreren Tagen glücklicherweise ab und es konnten zwischenzeitlich 62 Patienten als genesen entlassen werden, dennoch haben wir Stand heute immer noch 20 Patienten in der stationären, davon vier in der intensivmedizinischen Versorgung. Seit Ausbruch der weltweiten Corona-Pandemie wurden im Landkreis Biberach über 557 COVID-19-Fälle verzeichnet, von denen 112 in unserem Klinikum versorgt wurden. Die Situation bleibt also dynamisch“, sagte Dr. Ulrich Mohl, Ärztlicher Direktor der Sana Kliniken des Landkreises Biberach.

Um die Versorgung dieser großen Anzahl von COVID-19-Patienten sicherstellen zu können, hat der Krisenstab der Sana Kliniken Landkreis Biberach bereits sehr frühzeitig die erforderlichen organisatorischen, infrastrukturellen und personellen Vorkehrungen gemäß den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) in die Wege geleitet. Dazu gehörten unter anderem die konsequente Verschiebung von geplanten Eingriffen, die laufende Organisation und Nachbestellung der notwendigen Schutzausrüstung für die Mitarbeiter sowie die gezielte und strikte Steuerung der Patientenaufnahme im Klinikum. Darüber hinaus wurden die Stationen für die Behandlung von Corona-Patienten umstrukturiert und die Kapazität an Beatmungsbetten um das Dreieinhalbfache erhöht. „Damit folgen wir einem Maßnahmenkatalog, der die dynamische Überprüfung und Adaptation der Pandemieplanung vorsieht, und der beispielsweise COVID-19-Stationen zur Verdachtsabklärung und Behandlung ausweist“, erklärt Dr. Mohl weiter. Bereits seit Anfang April wurde zum Schutz von Patienten und Mitarbeitern außerdem für alle Angestellten eine Maskentragepflicht eingeführt. Im Hinblick auf die nach wie vor dynamische Lage werden alle Maßnahmen weiterhin täglich durch den Krisenstab der Klinik bewertet und bei Bedarf erforderliche Anpassungen vorgenommen. Alle Entscheidungen werden dabei in enger Abstimmung mit dem Kreisgesundheitsamt getroffen, welches täglich über die Versorgungslage im Klinikum informiert wird. Um alle Maßnahmen und Vorgaben aktiv und transparent innerhalb des Klinikums zu kommunizieren und damit verbunden deren Umsetzung und Einhaltung zu gewährleisten, erhalten alle Mitarbeiter außerdem tagesaktuelle COVID-News, die sie und ihre Arbeit betreffen.

„Trotz der sorgfältigen Umsetzung aller erforderlichen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen – auch im Umgang mit Verdachtspersonen, Erkrankten und Kontaktpersonen – haben sich die Infektionszahlen leider nicht in der Form reduziert, wie wir uns das vorgestellt haben. Dabei haben wir es auch mit COVID-19-positiven Mitarbeitern zu tun“, führt Mohl weiter fort. „Aus diesem Grund haben wir in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt weitere Maßnahmen eingeleitet.“ So werden bis zum Ende des Monats weiterhin ausschließlich Notfallpatienten im Biberacher Klinikum aufgenommen. Darüber hinaus wird im gesamten Klinikum zur Einzelzimmerbelegung übergegangen. „Wir haben dahingehend auch bereits Kontakt zur Rettungsleitstelle des Landkreises Biberach aufgenommen und darum gebeten, dass Notfallpatienten aus den Randgebieten des Landkreises nicht nach Biberach, sondern in andere, von ihnen aus nähergelegene Kliniken transportiert werden. Vorausgesetzt, dass ihnen dadurch kein medizinischer Nachteil entsteht“, so Dr. Mohl.

Ein Wiedereinbestellen von Elektivpatienten, also von solchen Patienten, deren Operationen planbar beziehungsweise aufschiebbar sind, wird in der Folge nicht vor Ende Mai erfolgen. „Wir wissen um die Einschränkungen, die dies für die Menschen im Landkreis Biberach bedeutet, doch die Sicherheit unserer Patienten und unserer Mitarbeiter hat für uns hier oberste Priorität“, erklärt der Ärztliche Direktor. Wichtig sei es jetzt, die Zahl der behandlungspflichtigen COVID-19-Patienten weiter zu reduzieren. „Wir sind zuversichtlich, dass wir dann bald wieder in den Regelbetrieb zurückkehren können“, so Mohl abschließend.

Jetzt mehr lesen

Mit Erfindergeist gegen die Kurzarbeit

Die eigenen Arbeitsplätze sichern und gleichzeitig gegen die Ausbreitung von Corona in der Region kämpfen: Wie das geht, zeigt das Textilunternehmen Gustav Gerster

Durch die Corona-Krise sind die Aufträge innerhalb weniger Tage massiv zurückgegangen. Dann hatten Geschäftsführer Martin Gerster und sein Produktionsleiter die Idee, auf ihren stillstehenden Maschinen Mund-Nasen-Schutzmasken herzustellen. Seit dem 5. Mai verkauft das Unternehmen nun zwei verschiedene Maskentypen in sechs Farben.

Von Markus Falk

Biberach – Beim Gang durch die Werkshallen erklärt Geschäftsführer Martin Gerster, wie alles angefangen hat: „Offenbar verbinden einen Textilbetrieb viele automatisch mit Nähen und Näherinnen. Die Leute sind davon ausgegangen, wir hätten Nähkapazitäten für Masken.“ Er erklärt, Gerster sei zwar ein Textilbetrieb und produziere hochindustriell auf Web-, Bandweb- und Wirkmaschinen Stoffe und Bänder. „Wir konfektionieren aber nicht, haben also keine Näherinnen und somit auch keine Nähkapazitäten.“

Trotzdem hat die Vorstellung, selbst Masken herzustellen, ihn und seinen Produktionsleiter Markus Janßen dann nicht mehr losgelassen. Gerster erläutert: „Wir kamen zu dem Schluss, dass es doch möglich sein müsste, auf unseren Maschinen eine Maske so komplett zu weben oder zu wirken, dass kein Nähen mehr notwendig wäre.“ Innerhalb einer Woche hat ein Entwicklerteam es dann geschafft, einen Maskenrohling zu entwickeln und eine Maske fast zu 100 Prozent im eigenen Betrieb vorzufertigen.

Martin Gerster zeigt auf eine der rund 40 Bandweb-Maschinen: „Mit den Maskenrohlingen können unsere Mitarbeiterinnen eine Maske in fünf bis sechs Minuten herstellen. Danach muss nur noch etwas Stoff umgeschlagen werden und zwei kurze Nähte genäht werden.“ So könne man die im Vergleich zu Billiglohnländern hierzulande hohen Nähkosten pro Maske um bis zu 80 Prozent senken, erklärt er. Seit vergangenen Freitag sind alle Maschinen so umgerüstet, dass sie an bis zu sechs Tagen pro Woche 50 000 Masken-Rohlinge herstellen können. „Wir freuen uns, dass wir durch unsere Idee mit den Masken schon einige Mitarbeiter viel schneller als geplant aus der Kurzarbeit wieder in die normale Arbeitszeitregelung übernehmen konnten.“

Die aktuell gefertigten Masken entsprechen denen, die auch in Geschäften getragen werden müssen. Laut Gerster sind sie aber deutlich dichter als die Vliese eine OP-Maske. Der Unterschied zwischen einer gewebten und einer gewirkten Maske liege im Tragekomfort: „Eine gewebte Maske ist deutlich dichter, sie lässt aber auch weniger Luft durch. Durch eine gewirkte Maske kann man dafür besser atmen.“

Nachdem Gerster zunächst für Großkunden produziert hat, sind die Masken nun auch in Mengen zwischen fünf und 500 Stück erhältlich. Der Fabrikverkauf auf dem Werksgelände läuft seit dem 5. Mai.

Die schwäbischen Tüftler bei Gerster denken bereits einen Schritt weiter. Die Masken und ihre Produktion sind schon als Patent angemeldet und auch der letzte Konfektionsschritt soll noch automatisiert werden. Gerster ergänzt: „Und wenn wir filigranste Fasermaterialien einsetzen, könnten unsere Masken auch die medizinische Zulassung erhalten.“

Jetzt mehr lesen

Ausgabe 06.05.2020

Post aus Übersee: „Von Ihren Freunden in Guernsey, die an Sie denken“

13 Tote, 252 bestätigte Corona-Fälle, Abriegelung: Wie Biberachs Partnerstadt die Pandemie erlebt

Anpassung an eine neue Lebensweise

Als die kleine Kanalinsel Guernsey, zu der Biberach seit 1997 eine Partnerschaft pflegt, aufgrund des Coronavirus am 24. März abgeriegelt wurde, gab es 36 bestätigte Infizierte und keine Toten. Mittlerweile (Stand 3. Mai) ist die Zahl der Infizierten auf 252 gestiegen, 13 Menschen sind gestorben. Chris Betley, deutscher Honorarkonsul und wohnhaft in Guernseys Hauptstadt Saint Peter Port, berichtet nun in einem Brief an die Biberacher über Guernseys Situation in Zeiten der Pandemie.

Von Linda Leinecker

Saint Peter Port – „Liebe Biberacher“, schreibt Betley, „dies ist ein kurzes Update von Euren Freunden auf Guernsey, einer Insel, die durch ihre ganz besondere Beziehung mit Biberach verbunden ist.“

Wie auch Deutschland erlebte die britische Kanalinsel und deren Bevölkerung eine massive Abriegelung des öffentlichen Lebens, nachdem die Gefahr einer potenziellen Verbreitung des Virus erkannt wurde. Um Mitternacht am 24. März wurde daraufhin die Ausgangssperre erhoben. Alle nicht unbedingt notwendigen Geschäfte wurden geschlossen, öffentliche Versammlungen von mehr als zwei Personen waren verboten. Von nun an musste von zu Hause aus gearbeitet werden. Wer nach draußen gehen wollte, durfte dies nur aus einem von vier Gründen tun. „Das Einkaufen für die Grundbedürfnisse, das Ausüben einer Bewegungsform pro Tag für zwei Stunden oder wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht“, zählt Betley auf. Nur wer als systemrelevanter Arbeiter gilt, darf sich außerdem draußen aufhalten, um zu seiner Arbeit zu kommen oder von dieser nach Hause. „Die ursprüngliche Sperrfrist betrug ursprünglich 14 Tage“, erzählt der Honorarkonsul, der sich seit 2008 beim BIberacher Guernsey-Freundeskreis engagiert, „obwohl dies dann, nicht überraschend, verlängert wurde und wir erst jetzt eine Entspannung der Situation in Aussicht haben.“ Ironischerweise rücke bald der wichtigste Feiertag der Insel an, nämlich der „Liberation Day“ am 9. Mai, an dem man den 75. Jahrestag der Befreiung durch die Besatzungstruppen während des Krieges feiert. Ebenjener Krieg, in dessen Zuge rund 1000 britische Gefangene, die hauptsächlich aus Guernsey stammten, im Biberacher Lager Lindele interniert worden sind. Zu deren Befreiung am 23. April 1945 durch die französischen Truppen hätte dieses Jahr in Biberach eine große Gedenkfeier stattfinden sollen. Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Veranstaltung allerdings abgesagt werden.

Und auch in Guernsey erlebten Betley und seine deutsche Frau Gaby nicht nur die kulturellen Auswirkungen von COVID-19 auf die Gesellschaft: „Wir mussten uns, wie alle anderen in unserer veränderten Welt, an eine neue Lebensweise anpassen und hoffen, dass die Situation bald unter Kontrolle ist.“ Er ergänzt: „Währenddessen geht das Leben weiter. Die Gottesdienste werden live in die Hausgemeinden gestreamt. Die Menschen – sicherlich aus meiner Erfahrung – üben sich in angemessener sozialer Distanzierung, wenn sie sich nach draußen wagen, und werden dazu gedrängt, sich mit anderen, insbesondere mit älteren und verletzlichen Menschen, zu solidarisieren.“ Engpässe gebe es derweil in der Lebensmittelversogung bisher nicht. „Sie wird gut aufrechterhalten, da regelmäßig Tag und Nacht Frachtschiffe ankommen“, berichtet Betley. „Reis, Nudeln und Mehl sind gefragt, aber Toilettenpapier ist bisher reichlich vorhanden.“

Dennoch sei man sich auf Guernsey des Leids, das die Pandemie auf dem europäischen Festland und in der Welt verursacht, sehr wohl bewusst. „Wir hoffen und beten, dass es Biberach gelingt, ihre Ausbreitung unter Kontrolle zu bringen, ohne dass es zu viele Opfer gibt“, schreibt Betley in seinem Brief – und richtet das Wort zum Schluss direkt an die Biberacher: „Bleiben Sie also gesund. Und geben Sie auf sich acht.“ Signiert mit: „Von Ihren Freunden in Guernsey, die an Sie denken.“

Jetzt mehr lesen

Corona macht’s möglich: Biberach hat seine erste Late-Night-Show

Die Show, die es nie geben sollte: Am Samstagabend geht ein neues Live-Format an den Start

Schon der Name verrät: Hier ist etwas entstanden, das so nicht geplant war: „Die Show, die es nie geben sollte“ ist eine neue Unterhaltungsshow von Biberacher Künstlern, die eine Antwort auf abgesagte Veranstaltungen und leere Kunst- und Kulturstätten geben wollen. Am Samstagabend wird die erste Folge im Biberacher Komödienhaus aufgenommen und live auf youtube gesendet.

Von Markus Falk

Biberach – Die Not hat Tobias Meinhold und Uli Stöckle erfinderisch gemacht. Denn trotz Ladenöffnungen ist das kulturelle Leben wegen der Corona-Pandemie auch in Biberach weiterhin im Lockdown. Das wollten die beiden Kulturschaffenden nicht länger hinnehmen. Zuerst entstand die Idee, für verschiedene Bereiche von Biberacher Kunst und Kultur, wie Musik, Kabarett und Comedy, Poetry, aber auch für die bildenden Künste eine Plattform zu finden. Meinhold sagt: „Mir schwebte sofort eine Late-Night-Show als Vorbild vor.“ Auch Manfred Buck, Vorsitzender des Dramatischen Vereins, war von der Idee sehr angetan. Sein Verein ist von der Krise stark betroffen, er musste schon viele Projekte absagen, die durch die Idee von Meinhold und Stöckle wieder umsetzbar erschienen: „Das fand ich schon sehr sexy“, erklärt Buck. „Einerseits, weil es für den Dramatischen Verein eine tolle Möglichkeit ist, zu zeigen, dass es uns noch gibt. Auf der anderen Seite wird die Sehnsucht des Publikums nach der guten alten Zeit vor Corona befriedigt, als es noch Theateraufführungen gab.“

Doch zunächst war unklar, ob das Team ihre Idee überhaupt realisieren kann. Meinhold sagt: „Die Sicherheit stand bei allen Überlegungen im Vordergrund, deshalb haben wir uns ein Studio-Raumkonzept überlegt, einen Ablaufplan entworfen, damit sich die Leute während der Aufzeichnung nicht zu nahe kommen, und sogar einen Verantwortlichen für die Einhaltung des Mindestabstands zugelegt.“ Die Stadt hat schließlich zugestimmt. Am kommenden Samstag nimmt dann sogar Oberbürgermeister Norbert Zeidler auf der Talk-Couch Platz und wird unter anderem über die aktuelle Situation in Biberach sprechen.

Das Konzept wird von der Kreissparkasse Biberach und Michael Koch von der Metzgerei Koch unterstützt. Es soll nach Ansicht der Organisatoren einen Biberacher Bezug haben und ist in einzelne Rubriken aufgeteilt. Mit Ausnahme des bekannten Poetry Slammers Marvin Suckut, der sich per Video zu Wort meldet und die Szene am Bodensee beleuchtet, werden Einspieler und Zuschauerbeteiligung eine große Rolle spielen. Es wird auch eine wöchentliche Kolumne mit dem Titel „Josef Häberle deckt auf … ond wieder zua“ geben und das Buch der Woche von der Biberacher Stadtbuchhandlung vorgestellt. Den kabarettistischen Teil und die Comedy übernimmt Kathie Wolf. Sie präsentiert einen Teil ihres Programms „Psychoparty – Physisch korrekt. Politisch defekt.“ Der Dramatische Verein führt am kommenden Samstag einen Ausschnitt aus der szenischen Lesung „1000 Peitschenhiebe“ auf. Meinhold erklärt, auch die Musik werde nicht zu kurz kommen und sogar den musikalischen Auftakt der Show am Samstag bilden: „Das Biberacher Duo Volker Riedel und Stefan Kofler rockt Alternative Grunge Rock mit Blues-Elementen.“

Für die technische Umsetzung der rund einstündigen Premiere ist Uli Stöckle verantwortlich. Er sagt: „Im Aufzeichnungsraum werden maximal sieben Personen sein, davon zwei Kameraleute. Wir setzen zwei feste und zwei flexible Kameras ein, um zwischen den einzelnen Schauplätzen im Studio, zu denen eine große Sitzgruppe und eine Bühne für die Musiker gehören, wechseln zu können.“ Wichtig ist für Stöckle eine gute Durchmischung der einzelnen Rubriken: „Sie dürfen auch nicht zu lange dauern, das wirkt sonst schnell langweilig.“

Meinhold, der schon unzählige Poetry Slams und die Biberacher Filmfestspiele moderiert hat, freut sich auf die Show am Samstag. Er gesteht aber: „Ein bisschen aufgeregt bin ich ja schon. Bei einer Videoübertragung ist vor allem das Timing zwischen den einzelnen Beiträgen wichtig, das wird auch für mich eine neue Erfahrung sein.“

Die Show wird am Samstagabend um 20.15 Uhr auf www.Die-Show.online live übertragen. Weitere Termine sind der 16., 23. und 30. Mai. Wie es danach weitergeht, hängt auch von den Zuschauerzahlen am Samstagabend ab. Meinhold sagt: „Wir können uns vorstellen, dass dieses Format auch in der näheren Zukunft sinnvoll ist. Zumindest, solange öffentliche Veranstaltungen noch nicht möglich sind.

Jetzt mehr lesen

Ausgabe 29.04.2020

„Unserer Verantwortung bewusst“

Schussenrieder Brauerei Ott sagt Oktoberfest und Fuhrmannstag ab

Die Schussenrieder Brauerei Ott ist Veranstalter des Oktoberfestes und des traditionellen Fuhrmannstag in Bad Schussenried. Beide Events werden dieses Jahr allerdings aufgrund der Corona-Krise nicht stattfinden.

Bad Schussenried (red) – „Schweren Herzens haben wir uns wegen den anhaltenden Beschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie dazu entschlossen,

unser Brauereifest vom 1. bis 4. Oktober 2020 abzusagen“, sagt Brauereichef Michael Ott. Das mittlerweile traditionelle Schussenrieder Oktoberfest lockt Tausende Oktoberfest-Fans ins große Festzelt nach Bad Schussenried.

Mit über 30 000 Besuchern aus ganz Oberschwaben gehört das Oktoberfest und der Fuhrmannstag inzwischen zu den meistbesuchten Festen der Region. „Wir hätten Mitte April intensiv mit den Vorbereitungen beginnen müssen, um unseren Zeitplan für die komplette Organisation des Festes noch einhalten zu können“, so Ott. Die aktuelle Lage im Zusammenhang mit den COVID-19-Maßnahmen und den damit verbundenen behördlichen Beschränkungen – sämtliche Großveranstaltungen sind bis zum 31. August untersagt – stellen den Veranstalter im Moment vor Verunsicherungen und neue Herausforderungen. „Als kleine Familienbrauerei und Veranstalter dieses Festes sind wir unserer Verantwortung bewusst, die wir sehr ernst nehmen. Daher hat für uns die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Gäste, Kunden, Mitarbeiter und Partner oberste Priorität“, begründet Michael Ott.

Die Brauerei bittet um Verständnis für diese notwendige Maßnahme. „Blicken wir mit Optimismus und Zuversicht in die Zukunft, geben weiterhin aufeinander Acht und freuen uns darauf, dass hoffentlich bald wieder ein Stück Normalität zurückkehrt“, so der Brauereichef hoffnungsvoll.

Jetzt mehr lesen

Landesregierung weitet Coronatests deutlich aus

Baden-Württemberg beschließt bundesweit einmalige Strategie

„Wir müssen unbedingt verhindern, dass die Fallzahlen von Corona wieder massiv ansteigen. Also heißt es für uns: testen, testen, testen“, hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Sonntag in Stuttgart betont. Deswegen sollen im Ländle nach einer bundesweit einmaligen Strategie fortan weit mehr Bürger auf das Virus getestet werden als bisher.

Von Kristina Schmidl

Region/Kreis Biberach – „Neben der ganz wichtigen Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln, zu der auch die Maskenpflicht beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln gehört, halten wir eine deutliche Ausweitung der Coronatests für eine sehr wirksame Methode, um die Pandemie unter Kontrolle zu halten. Deshalb haben wir uns entschieden, künftig deutlich mehr Bürger auf das neuartige Virus testen zu lassen“, betont Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Die Corona-Lenkungsgruppe der Landesregierung habe eine entsprechende, mit dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg (LGA) abgestimmte Testkonzeption des Ministeriums für Soziales und Integration gebilligt. Gesundheitsminister Manne Lucha ergänzt: „Wir müssen alles dafür tun, um einen erneuten exponentiellen Anstieg der Coronaerkrankungen zu verhindern. Schließlich sei Baden-Württemberg nach Bayern bundesweit am zweitstärksten von dem Virus betroffen.

„Nur durch gemeinsames, zielgerichtetes Handeln haben wir es geschafft, eine Überlastung unserer Krankenhäuser zu verhindern und Menschenleben zu retten“, betont Kretschmann.

Durch die bereits begonnene schrittweise Lockerung der Kontaktbeschränkungen könnte es wieder vermehrt zu Covid-19-Fällen kommen. Um ein erneutes starkes Ansteigen der Infizierten-Zahlen zu vermeiden, müssten Erkrankte so früh wie möglich identifiziert und isoliert werden. „Wir müssen unter Hochdruck die Kontaktpersonen ermitteln, Quarantänemaßnahmen anordnen und auf diese Weise versuchen, die Infektionskette frühzeitig zu unterbrechen“, betont Lucha.

„Neu ist, dass künftig nicht nur Personen mit Coronasymptomen getestet werden sollen, sondern auch Menschen ohne Symptome, die aber in engem Kontakt zu Infizierten stehen oder zuletzt gestanden sind. Einen deutlichen Schwerpunkt der Testungen setzen wir auf Personen, die in Krankenhäusern oder der stationären Pflege arbeiten“, sagt Lucha. „Damit schützten wir die vulnerablen Gruppen.“ Auch bei der Häufung von Erkrankungen im persönlichen und beruflichen Umfeld solle künftig über die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) hinaus breit getestet werden.

Die Laborkosten bei der Testung von asymptomatischen Personen werden nicht von der Gesetzlichen Krankenversicherung getragen. Der Bund hat angekündigt, die Finanzierung ausweiten zu wollen. Die durch die neue Teststrategie entstehenden Kosten wird das Land tragen bis der Bund die Finanzierung geregelt hat.

Die jetzt in Baden-Württemberg beschlossene erweiterte Teststrategie ist bislang bundesweit einmalig. Die Landesregierung unternehme alle Anstrengungen, um die vorhandenen Kapazitäten durch Beschaffung weiterer Testgeräte, die Förderung der Entwicklung schnellerer Testverfahren sowie die Unterstützung von Laboren beim Aufbau von zusätzlichen Laborkapazitäten weiter auszubauen, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Sozialministerium.

Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut ruft bezüglich der seit Montag geltenden Maskenpflicht beim Einkaufen und bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel dazu auf, Alltagsmasken zu benutzen, die in Baden-Württemberg produziert werden. Über 180 Unternehmen aus dem Land hätten Kapazitäten für die Produktion von Alltagsmasken gemeldet, weiß sie. „Mit der Nutzung von Alltagsmasken ‘made in BW‘ kann jeder Einzelne zur Unterstützung unserer heimischen Textil- und Bekleidungsunternehmen beitragen“, sagt die Ministerin.

Jetzt mehr lesen

Aktuelle Ausgabe 22.04.2020

„Schütza“ vor dem Aus?“

So wird es 2020 doch noch gefeiert

Erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges müssen die Biberacher wegen der Corona-Pandemie auf ihre heißgeliebte Schützenwoche verzichten. Wie sie ihre „Schütza“ 2020 dennoch genießen können, hat uns die Pressesprecherin der Stiftung Schützendirektion Biberach, Yvonne von Borstel-Hawor, verraten.

Von Linda Leinecker  

Wie steht die Stiftung Schützendirektion zur Entscheidung der Regierung, Großveranstaltungen bis Ende August nicht stattfinden zu lassen?

Natürlich hatten wir von der Stiftung Schützendirektion Biberach und sicherlich auch viele Biberacher gehofft, dass unser Schützenfest 2020 irgendwie stattfinden kann. Nachdem sich die Ministerpräsidenten am Mittwoch, 15. April, zu Großveranstaltungen, die bis zum 31. August geplant sind, eindeutig positioniert hatten, war die Vorgabe für die Entscheidung der Plenarversammlung der Stiftung Schützendirektion Biberach klar. Die Schützenwoche 2020 kann zur geplanten Zeit in der gewohnten Form nicht durchgeführt werden, so Rainer Fuchs, Vorsitzender der Stiftung Schützendirektion Biberach und Oberbürgermeister Norbert Zeidler. Das ist für alle Beteiligten natürlich eine bittere Entscheidung, aber die Gesundheit der Menschen steht natürlich an allererster Stelle.   Müssen die Biberacher nun wirklich komplett auf die Schützenzeit verzichten oder arbeiten Sie an einem alternativen Programm? Gespannt darf man sein, was von politischer Seite nach dem 31. August passiert. Inwieweit sich bestimmte Formen der Feier im Herbst „nachholen lassen“, bleibt abzuwarten. So wie wir „den Biberacher“ einschätzen, lässt er sich „seine Schütza“ nicht einfach streichen. Auch mit eingeschränkten Distanzregeln lässt sich das Schützenfest „kreativ“ feiern! Nichts spricht gegen eine Schützenrose, Antrommeln und Fahne hissen im heimischen Garten, Schützenfestlied und und und – vielleicht ein bisschen kleiner, stiller, wehmütiger – aber nicht weniger stolz und würdevoll. Alle weiteren und relevanten Informationen werden auf der Homepage www.biberacher-schuetzenfest.com kommuniziert.

Jetzt mehr lesen

„Die Zeiten sind ernst, aber nicht hoffnungslos“

Landrat Dr. Heiko Schmid zu Corona im Kreis Biberach

Großveranstaltungen dürfen bis Ende August wegen Corona nicht stattfinden. Doch die ersten Schritte nach dem Lockdown zurück zur Normalität sind getroffen. Seit Montag dürfen unter anderem kleine Geschäfte wieder offen sein. Anfang Mai soll der Schulbetrieb schrittweise anlaufen. Außerdem gilt ab dem 27. April landesweit eine Maskenpflicht in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr.

Im Landkreis Biberach sind Stand 21. April, 17 Uhr, bislang 470 Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden. 265 davon sind bereits wieder genesen. Allerdings sind kreisweit auch 16 Personen an bzw. mit Covid-19 gestorben. Von Kristina Schmidl Kreis Biberach – Die Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten haben Großveranstaltungen bis zum 31. August zum Schutz vor der Ansteckung mit dem Coronavirus untersagt. Damit werden im Landkreis Biberach Volksfeste wie das Laupheimer Kinder- und Heimatfest und das Biberacher Schützenfest in diesem Jahr nicht stattfinden. Auch die Kreismusikfeste und viele weitere Veranstaltungen fallen laut Landrat Dr. Heiko Schmid heuer aus. „Das ist traurig, aber in der jetzigen Situation die einzig richtige Entscheidung“, betont er. Zu groß wäre die Gefahr, dass sich Menschen massenhaft mit dem Virus infizieren. Die Organisatoren hätten mit Verständnis reagiert und würden für 2021 planen. Auch wenn Großveranstaltungen bis Ende August verboten sind, haben die Ministerpräsidenten der Länder und die Kanzlerin erste Lockerungen beschlossen, die seit Montag gelten, und mit denen der Weg in eine „neue Normalität“ geebnet werde. Die Innenstädte sind auch im Landkreis Biberach seit Montag dank der fünften Änderung der Corona-Verordnung der Landesregierung wieder etwas lebendiger. Kunden können wieder in Geschäften unter 800 Quadratmetern einkaufen. Unabhängig von der Verkaufsfläche dürfen seit Montag auch Kfz-Händler, Fahrradhändler und Buchhandlungen wieder öffnen. Auch Bibliotheken und Archive sind laut Bernd Schwarzendorfer, Pressesprecher am Biberacher Landratsamt, seit Montag wieder geöffnet. Wie bisher bereits sind unter Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen folgende Geschäfte geöffnet: der Einzelhandel für Lebensmittel, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen, Reinigungen, Waschsalons, der Zeitungsverkauf, Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte sowie der Großhandel. Handwerker- und Dienstleistungsbetriebe- (mit Ausnahmen im Bereich der Körperpflege) können ihrer Tätigkeit, wie in den vergangenen Wochen weiter nachgehen. Friseurbetriebe sollen nach Beschluss von Bund und Ländern unter strengen Auflagen zum Infektionsschutz und Hygieneauflagen voraussichtlich ab 4. Mai wieder öffnen können. Dazu müssen in einer späteren Änderung der Verord-nung Regelungen erlassen werden. Der Landrat bittet die Kreisbürger in einem öffentlichen Appell beim Einkaufen die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Das könne dazu führen, schneller aus der Krise zu kommen. In Baden-Württemberg ist am gestrigen Dienstag die Entscheidung gefallen, dass eine Maskenpflicht zur Eindämmung des Coronavirus eingeführt wird. Ab Montag, 27. April, gilt die Pflicht, Mund und Nase beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr zu bedecken. Ministerpräsident Winfried Kretschmann begründete dies am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Stuttgart damit, dass sich bisher zu wenige Menschen an die dringende Empfehlung zum Tragen von Masken hielten. Damit sei aber kein medizinischer Mundschutz gemeint, sagte er. Es gehe nur um eine einfache Mund-Nasen-Bedeckung. „Notfalls tut es auch ein Schal“, betonte Kretschmann. Unverändert geschlossen bleiben müssen laut Schwarzendorfer Gastronomiebetriebe, abgesehen vom Außerhausverkauf, sowie Bars, Clubs, Diskotheken und Kneipen, Theater, Opern, Konzerthäuser, zoologische und botanische Gärten, Messen, Kinos, Freizeitparks und Anbieter von Freizeitaktivitäten, Spielhallen, Spielbanken, Wettannahmestellen, Prostitutionsstätten und Bordelle, der Sportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen, Schwimm- und Spaßbädern, Fitnessstudios, Spielplätze sowie Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege wie Kosmetikstudios, Massagepraxen und Tattoo-Studios. Der Schulbetrieb in Deutschland soll am 4. Mai beginnend mit den Abschlussklassen und den Klassen, die im kommenden Jahr Prüfungen ablegen, und den obersten Grundschulklassen wieder aufgenommen werden. Das Kultusministerium erarbeitet ein Konzept zur stufenweisen weiteren Öffnung. Kindertageseinrichtungen und Kindergärten bleiben vorerst geschlossen. Die Notbetreuung bleibt gewährleistet und wird erweitert. Der Studienbetrieb an den Universitäten, Pädagogischen Hochschulen, Kunst- und Musikhochschulen, Hochschulen für angewandte Wissenschaften, der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und den Akademien des Landes bleibt bis zum 3. Mai ausgesetzt. Er ist am Montag aber in digitalen Formaten wieder aufgenommen worden. Praxisveranstaltungen, die spezielle Labor- oder Arbeitsräume an den Hochschulen erfordern wie etwa Laborpraktika und Präparierkurse, sind nur unter besonderen Schutzmaßnahmen zulässig, wenn zwingend notwendig. Beibehalten werden müssen das Abstandsgebot und die Kontaktbeschränkungen einschließlich des Verzichts auf private Reisen und Verwandtschaftsbesuche. Auch die Einschränkungen hinsichtlich der Religionsausübung bleiben zunächst bestehen. Ebenfalls weiterhin untersagt sind Zusammenkünfte in Vereinen und sonstigen Sport- und Freizeiteinrichtungen sowie die Wahrnehmung von Angeboten in Volkshochschulen, Musikschulen und sonstigen Bildungseinrichtungen im außerschulischen Bereich. Ausnahmen gelten für den Bereich des Spitzensports. Die Besuchsverbote in Krankenhäusern und stationären Pflegeeinrichtungen bleiben ebenfalls bestehen. „Wie unser Weg durch die Pandemie aussehen wird, hängt weiterhin stark von uns allen ab“, stellt Schmid klar. „Bitte bleiben Sie weiterhin so diszipliniert und geduldig. Bleiben Sei dabei kreativ“, bittet er die Leser. Er sei beeindruckt von Beispielen wie dem Kirchenchor der katholischen Kirchengemeinde Sankt Petrus und Paulus in Laupheim, der in der Coronakrise eine Telefonkette aufgebaut hat, mit dem Ziel Einsamkeit, Isolation und Depression unter den 60 Sängern zu vermeiden. Die Krise stelle auch die Verwaltung vor immense Herausforderungen. Oft seien Sachverhalte sehr individuell zu beurteilten. „Nutzen Sie daher unsere Bürgerhotline. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamts helfen montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr und am Wochenende von 9 bis 15 Uhr“, sagt Schmid. „Die Zeiten sind ernst, sie sind aber nicht hoffnungslos. Gemeinsam werden wir diese Krise überwinden und womöglich gestärkt daraus hervorgehen“, betont er. Im Landkreis Biberach seien seit Beginn der Coronakrise insgesamt 470 Personen positiv auf das Virus getestet worden, gibt Schwarzendorfer an. Rund 265 davon seien mittlerweile wieder genesen. Außerdem gibt es kreisweit 16 Todesfälle in Zusammenhang mit Covid-19 zu beklagen. Es handelt sich um sechs Frauen und zehn Männer. Alle starben im Biberacher Krankenhaus, teilweise nach mehrwöchiger intensivmedizinischer Behandlung. Elf Verstorbene waren 75 Jahre alt und älter, fünf zwischen 60 und 74 Jahren. Alle Verstorbenen hatten eine oder mehrere Vorerkrankungen, die teilweise die Immunabwehr einschränkten. In Bad Buchau hätte heuer das 1250-jährige Stadtjubiläum gefeiert werden sollen mit einer bunten Veranstaltungsreihe sowie einem Freilichtspiel namens der „Der Apostel von Buchau“. Das Adelindisfest wird wegen des Verbots von Großveranstaltungen nicht stattfinden können. Das Freilichtspiel könne nach aktuellem Stand wohl auch nicht gezeigt werden, sagt Bürgermeister Peter Diesch. Die Verwaltung, der Gemeinderat und die Organisationsteams müssten sich nun Gedanken machen, ob es vielleicht nicht sinnvoller sei, das gesamte Jubiläumsprogramm auf 2021 zu verschieben. Bezüglich der Aufführung des Stücks „Donaustrand und Meeresrauschen“ im Rahmen des Riedlinger Theatersommers, dessen Premiere für Anfang Juli geplant ist, antwortet Bürgermeister Marcus Schafft auf Südfinder-Nachfrage: Derzeit werde geprüft, ob der Theatersommer eine Großveranstaltung sei. Sollte dies der Fall sein, bedeute dies, dass das Stück bis Ende August nicht aufgeführt werden kann. Gegebenenfalls komme ein späterer Termin in Betracht. „Wir stimmen das zurzeit mit dem Theater Lindenhof und den Ehrenamtlichen ab“, sagt er. Zunächst gelte es, die neue Corona-Verordnung und die weiteren Auslegungsbestimmungen der Fachministerien des Landes abzuwarten. Entscheidend für die Stadtverwaltung sei am Ende die Haltung seitens des Theaters und der Ehrenamtlichen. Das Riedlinger Stadtfest, das der Förderverein der Narrenzunft Gole am 26. und 27. Juni veranstalten wollte, muss abgesagt werden. „Wir freuen uns auf ein tolles, sonniges Stadtfest 2021“, betont der Vorsitzende Klaus Teschner. Die Riedlinger Stadtverwaltung sagt ferner die beiden Krämermärkte ab, die für den 11. Mai und den 8. Juni in der Altstadt geplant waren.  

Jetzt mehr lesen

Corona: Geheilte Patienten gesucht

DRK bittet um Plasmaspenden

Region – Der DRK-Blutspendedienst sucht geheilte Covid-19-Patienten, die mit ihrem Blut zur Entwicklung einer Antikörper-Therapie beitragen. „Die Behandlung ist wie eine passive Impfung“, erklärt Professor Erhard Seifried, Leiter des Frankfurter Instituts für Transfusionsmedizin.

Aus dem Blut geheilter Patienten werden im Labor Antikörper herausgefiltert und den Kranken dann injiziert. Die Wissenschaftler des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg – Hessen arbeiten unter Hochdruck an der Frage, ob Antikörper aus dem Blut genesener Covid-19-Patienten therapeutisch bei akut schwerkranken Patienten erfolgreich eingesetzt werden können. Der DRK-Blutspendedienst sucht daher dringend nach Personen, die nach einer durch einen Test nachgewiesenen Corona-Infektion genesen und bereit sind, Blutplasma zu spenden. Für Plasmaspenden gelten zur normalen Blutspende vergleichbare Voraussetzungen, die im Internet unter www.blutspende.de/spendecheck einsehbar sind. Wer mit einer Plasmaspende zur Entwicklung einer Covid-19-Therapie beitragen will, möge unter unter www.blutspende.de/rkp mit dem DRK Kontakt aufnehmen. Weitere fragen werden unter der gebührenfreien Service-Hotline unter der Nummer 0800/1004066 beamtwortet.

Jetzt mehr lesen

Aktuelle Ausgabe 15.04.2020

Fünf weitere Coronatote im Landkreis Biberach

Zahl der Covid-19-Infektionen steigt / Notparlament tagt

Das Biberacher Kreisgesundheitsamt meldet Stand Dienstag, 17.30 Uhr, 419 positiv auf das Coronavirus getestete Personen im Landkreis. Das teilt Verena Miller, Pressesprecherin des Landratsamts, mit. Außerdem hat es am Osterwochenende fünf weitere Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 gegeben.

Von Kristina Schmidl

Kreis Biberach – Inklusive den fünf Todesfällen am Osterwochenende sind seit Beginn der Coronakrise im Landkreis Biberach laut Verena Miller neun Personen an Covid-19 gestorben. An die 420 Kreisbewohner sind positiv auf Covid 19 getestet worden. In Baden-Württemberg gibt es aktuell 25040 positiv getestete Personen. Die Zahl der Todesfälle beläuft sich zum Redaktionsschluss nach Angaben des Robert-Koch-Instituts landesweit auf 711. Deutschlandweit sind bislang 125098 Menschen nachweislich infiziert worden und 2969 davon gestorben.

Die Coronahotline des Landratsamts sei an den Osterfeiertagen besetzt gewesen, sagt die Pressessrecherin. Allerdings sei die Nachfrage mit durchschnittlich 40 eingehenden Anrufen pro Tag deutlich geringer ausgefallen als vor den Feiertagen.

Für die Sitzungen der Kreisgremien hat die Biberacher Landkreisverwaltung in Abstimmung mit den Fraktionssprechern des Kreistags folgendes Vorgehen für die kommenden Sitzungen der Kreisgremien vereinbart: Alle Ausschusssitzungen im April und Mai 2020 sowie die Kreistagssitzung, die für den 8. Mai geplant war, werden abgesagt. Auch die für den 15. Mai geplante Besichtigungsfahrt der Kreiseinrichtungen findet nicht statt. Landrat Dr. Heiko Schmid erläutert dazu:

Fortsetzung auf Seite 3

Jetzt mehr lesen

Nun sind auch die Soforthilfen für Land- und Forstwirtschaft geöffnet

Welche Unternehmen Bund und Land in der Coronakrise wie unterstützen

Corona-Soforthilfen stehen seit 9. April auch für Unternehmen der Land- und Forstwirtschaft zur Verfügung. Das teilt das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz mit.


Region – „Unsere Bauern und die damit verbundenen Bereiche schaffen die Grundlage für die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln. Sie sind systemrelevant. Mit den Soforthilfen unterstützen wir diejenigen Betriebe, die durch die Corona-Krise in eine wirtschaftliche Schieflage geraten“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, in Stuttgart. Nun könnten auch Anträge von Unternehmen aus dem Bereich der Landwirtschaft sowie den weiteren Sektoren der land- und forstwirtschaftlichen Urproduktion gestellt werden. Für Landwirte gelten dieselben Fördersätze wie für die übrige Wirtschaft.

Wirtschafts- und Arbeitsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut erklärte: „Mit der Soforthilfe unterstützen wir unsere Kleinstbetriebe, Selbstständigen und die kleinen Unternehmen. Die Bearbeitung der Anträge gehe zügig. Ziel sei es, dass die Antragsteller eine Woche nach Beantragung die Zuschüsse auf dem Konto haben.

Betroffene Landwirte können seit 9. April einen Antrag auf Corona-Soforthilfe stellen, nachdem die Richtlinie des Landes mit dem Bundesprogramm für Soforthilfen für durch die Corona-Krise in ihrer Existenz bedrohten kleinen Unternehmen und Soloselbständigen verzahnt wurde. Die Förderung erfolgt im Rahmen eines einmaligen, nicht rückzahlbaren Zuschusses, zunächst für drei Monate, in Höhe von bis zu

• 9000 Euro für Soloselbstständige und Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten,

• 15000 Euro für Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten,

•30000 Euro für Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten.

Anträge können bis zum 31. Mai gestellt werden. Für Antragstellende mit bis zu zehn Beschäftigen steht ein Formular für die Soforthilfe des Bundes und für Antragstellende mit elf bis 50 Beschäftigten ein Formular für die Soforthilfe des Landes bereit. Die Formulare stehen auf der Internetseite des Wirtschaftsministeriums zum Download bereit. Dort werden auch Details zu den Fördervoraussetzungen und zum Verfahren der Antragstellung erläutert. Ausgefüllte, unterzeichnete Anträge bitte auf dem zentralen Portal www.bw-soforthilfe.de hochladen.

Für Rückfragen stellt das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz betroffenen Betrieben aus der Land- und Forstwirtschaft sowie aus der Fischerei und Aquakultur eine Hotline unter der Nummer 0711/1261866 zur Verfügung. Sie ist montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr besetzt.

Die Förderung von betroffener Soloselbstständigen, gewerblichen Unternehmen, Sozialunternehmen, Angehörigen der Freien Berufe und Unternehmen der landwirtschaftlichen Primärproduktion erfolgt unter den gleichen Bedingungen.

Eine Förderung ist möglich, wenn die Antragsteller durch die Corona-Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind, die ihre Existenz bedrohen, weil die fortlaufenden Einnahmen aus dem Geschäftsbetrieb voraussichtlich nicht ausreichen, um die betrieblichen Ausgaben in den auf die Antragstellung folgenden drei Monaten zu bezahlen.

Jetzt mehr lesen

„Trotz aller Sorgen bleibe ich guten Mutes“

Mögliche Aufhebung von Ladenschließungen: Das sagen diese Biberacher Händler zur Debatte

Gibt es bald ein absehbares Ende der Corona-Krise? Sehnsüchtig erwarten Verbraucher wie Händler die Rückkehr zur Normalität. Bund und Länder entscheiden deswegen gemeinsam in einer Schaltkonferenz am 15. April, wann es zu einer Lockerung der Schutz-maßnahmen kommen soll. Der Südfinder hat Biberacher Händler vorab zu ihrer Meinung befragt.

Von Linda Leinecker

Biberach – Die Inhaberin der traditionsreichen Biberacher Firma Gutermann zum Blumenstrauß vertritt in der Debatte einen klaren Standpunkt: „Ich wünsche mir ganz klar, dass die Ladenschließungen gelockert werden.“ Ihr Haushaltswarengeschäft habe geschlossen, lediglich das Untergeschoss mit Baumarktbedarf und Schlüsseldienst habe weiterhin geöffnet. Flavia Gutermann fügt hinzu: „Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass große Bau- und Supermärkte jederzeit alles verkaufen können, und das bei ungehindertem Kundenandrang. Bei kleineren Läden kann der Kundenstrom doch viel besser gelenkt werden, sodass dort die Sicherheit für alle viel größer ist. Außerdem verstehe ich nicht, warum Garten- und Baumarktbedarf systemrelevant ist, Koch- und Küchenutensilien aber nicht. Diese Dinge braucht man doch auch fürs Leben.“

Bei einer noch längeren Ladenschließung wünsche sie sich von der Regierung außerdem weitere Hilfen, wie zum Beispiel Steuererleichterungen und Zuschüsse. Was ihre Zukunftsängste betrifft, steht nicht der Laden im Vordergrund, so Gutermann: „Ich sorge mich vor allem um meine Mitarbeiter, die ich fast alle nach Hause geschickt habe. Trotz aller Sorgen bleibe ich aber guten Mutes, denn ich lebe nicht nur im besten Land, sondern auch in der besten Stadt, um diese Krise zu überstehen. Gerade in diesen Zeiten macht sich der große Zusammenhalt in Biberach bemerkbar und das macht Mut für die Zukunft.“

Auch Hanspeter Huchler, dessen Frau Cristina Inhaberin der seit 1996 existierenden Stadtbuchhandlung Biberach ist, bemerkt die große Solidarität in der Bevölkerung, was sich besonders positiv auf das Auftragsaufkommen ausgewirkt habe. „Stand heute geht es uns gut“, erklärt der 63-Jährige. „So gut es eben gehen kann.“ Zwar mussten sie ebenfalls ihr Geschäft schließen, allerdings würde ihr Alternativ-service als „Örtlicher Lieferant für Geist- und Seelennahrung“ bei der telefonischen Bestellannahme oder der persönlichen Bücherlieferung sehr von den Kunden geschätzt werden. Auf eine Abholstation wie sie die Osiandersche Buchhandlung vor Kurzem eröffnet habe, verzichte man. „Wir halten uns an die Anordnung, den Laden zu schließen. Zum Eigenschutz, aber auch zu dem unserer Kunden und deren Angehörigen“, sagt Huchler. Deswegen stehe er einer vorzeitigen Öffnung der Läden unsicher gegenüber, da er sich gegenüber seinen Mitarbeitern und Mitmenschen verantwortlich fühle.

„Natürlich erzielt man einen höheren Umsatz wenn der Laden offen hat“, stellt Huchler klar. „Aber auf der anderen Seite gibt es genügend Stimmen, die vor einer zweiten Welle warnen.“ Tendenziell wäre es ihm lieber, wenn die Läden noch ein bis zwei Wochen geschlossen blieben, um die Pandemie stärker einzudämmen. Seine Buchhändlerkollegen und er seien mittlerweile so gut eingespielt in der Krise, dass sie mit den getroffenen Maßnahmen noch eine Weile überleben könnten. „Ich habe aber volles Verständnis für die Händler, die eine Öffnung der Läden fordern“, fügt Huchler hinzu. Für ihn wäre ein Lösungsvorschlag, dass nur die Läden geöffnet haben sollten, bei denen die Gefahr besteht, wegen der Krise in baldige existenzielle Not zu geraten. Über die Debatte der Bundesregierung sagt er: „Ich hoffe, dass sie klug und weise entscheiden. Wie auch immer das am Ende aussieht.“

Matthias Walterspiel von der seit über hundert Jahren familiengeführten Firma Bettenhaus Schoop erhofft sich ebenfalls Klarheit in der Diskussion um mögliche Maßnahmen-Lockerungen: „Wir wünschen uns, gerade von unserer Landesregierung, eine klare Kommunikation. Es muss einen konsequenten Fahrplan mit klaren Regeln geben. Lieber noch eine Woche länger geschlossen halten, aber dann zum Beispiel im Mai die volle Öffnung, mit den gegebenen Vorsichtsmaßnahmen.“

Die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Konsequenzen stellen ihn als Biberacher Händler vor nicht unwesentliche Herausforderungen. So erläutert Walterspiel: „Es ist eine schwierige und überraschende Situation, welche uns unsere Lebensgrundlage entzogen hat. Den Laden geschlossen zu halten und nicht für unsere Kunden da zu sein, war schon eine harte Entscheidung in den ersten Tagen. Wenn ich als Kunde weiß, was ich möchte, ist eine Online-Versorgung logisch und einfach. Unsere Sortimente bedürfen allerdings der Fachberatung, das heißt der Kunde weiß vorher nicht konkret, was er möchte beziehungsweise benötigt.“

Er ergänzt: „Die Schwierigkeit in unseren Sortimenten ist das Vermitteln und Beraten. Eine telefonische Beratung oder über einen Onlineshop ist zu eindimensional und kann nicht unsere Beratungsqualität im Ladengeschäft ersetzen. Hier spielen die Haptik, also das Erfahren, Erspüren der jeweiligen Ware eine große Rolle. Diese Fachberatung – das Austesten – deckt ein anonymer Onlineshop nicht ab. Das macht diese Zeiten durchaus schwierig.“ Eines der Geschäfte, das ebenfalls auf vorbeikommende Kundschaft angewiesen ist, ist das Handarbeitslädele, welches sowohl in Biberach als auch in Bad Waldsee ansässig ist. Inhaberin Regina Kreuzer-Krause ergeht es in der Corona-Krise nicht allzu gut: „Mein Umsatz ist eingebrochen und der Kontakt zu meinen Kundinnen fehlt mir sehr.“ Um die schwierige Zeit dennoch zu überbrücken, hat sie sich etwas Besonderes einfallen lassen:

„Seit ein paar Tagen gibt es einen Verkaufsstand mit Vertrauenskasse. Die Kunden können so Wolle und Stoffe auf Tischen vor dem Laden auswählen und den Kauf direkt draußen bezahlen.“ Aber: „Das alles bringt natürlich nur einen minimalen Umsatz.“ Deswegen habe sie den Wunsch, „dass so bald als möglich die kleinen Geschäfte wieder öffnen können.“

Jetzt mehr lesen

Stellen Sie Manuel Hagel Ihre Fragen zu Corona

Der CDU-Landtagsabgeordnete am Südfinder-Telefon

Wer eine wichtige Frage zum Thema Corona hat, sollte sich diesen Termin rot im Kalender anstreichen: Freitag, 17. April 2020, 16 Uhr bis 17 Uhr. Dann wird der Landtagsabgeordnete und CDU-Generalsekretär in die Südfinder-Redaktion kommen, um Ihre Fragen telefonisch zu beantworten. Sie erreichen Manuel Hagel in der genannten Zeit direkt und persönlich unter der Rufnummer 07391/5004 24.

Von Karl-Heinz Burghart

Region – Es sind Fragen wie diese, die uns umtreiben: Müssen wir bald Schutzmasken tragen? Wie lange gelten die Kontaktbeschränkungen? Wann öffnen die Geschäfte wieder? Wem hilft das Land? Welche Steuern werden jetzt gestundet? Wie läuft das mit der Kurzarbeit? Wie beantrage ich Soforthilfe?

Manuel Hagel wird diese und ähnliche Fragen bestmöglich beantworten. Bevor Sie zum Telefon greifen, sollten Sie allerdings prüfen, ob Ihre Frage nicht bereits auf einer offiziellen Website, etwa der des Landratsamts, beantwortet wurde. Unter www.alb-donau-kreis.de sind Antworten auf viele der häufig gestellten Fragen zum Thema Corona, sowie weiterführende Links zu finden.

Ablaufen wird die Telefonaktion mit dem Abgeordneten Manuel Hagel wie folgt: Sie rufen zwischen 16 Uhr und 17 Uhr bei uns in der Redaktion an. Das Telefon von Manuel Hagel ist auf laut gestellt, wir schreiben die wichtigsten Fragen mit. Die Antworten veröffentlichen wir dann am Mittwoch, 22. April 2020 im Südfinder. Selbstverständlich ohne ihren Namen zu nennen. Wir freuen uns auf Ihren Anruf.

Jetzt mehr lesen

08.04.2020

Hass und Hetze in Zeiten von Corona

So leistet das Demokratiezentrum Oberschwaben mit Sitz in Biberach Unterstützung

In der Coronakrise lassen manche Menschen ihrem Hass auf Politiker oder Menschen anderer Nationalität oder Religion ungehemmt freien Lauf. Verschwörungstheorien mit rassistischem, (rechts-)populistischem Hintergrund kursieren und grassieren in den Sozialen Medien. Es wird auf gefährliche Art und Weise radikalisiert und gehetzt. Das Demokratiezentrum Oberschwaben mit Sitz in Biberach möchte Abhilfe schaffen und Opfer unterstützen.

Von Kristina Schmidl

Kreis Biberach – Cem Özdemir von den Grünen wird in Zeiten von Corona der Tod gewünscht, ebenso der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Für die Pandemie würden „die Chinesen“ und „die Juden“ verantwortlich gemacht, oder es heißt, der Virus sei die „Strafe Gottes für Homosexualität“, schreibt Friederike Höhndorf vom Demokratiezentrum Oberschwaben in Biberach in einer Pressemitteilung. Menschen mit vermeintlich asiatischem Aussehen würden in der Öffentlichkeit beschimpft und sogar gewalttätig angegangen. All diese Vorkommnisse seien belegt und häufen sich laut einem Rechercheteam des SWR in der Coronakrise.

Das Demokratiezentrum Oberschwaben hat es sich schon lange zur Aufgabe gemacht, aktiv gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit vorzugehen und Präventionsarbeit zu leisten. Einen weiteren Aspekt des Angebots macht die Beratungsarbeit aus: Im Rahmen des Beratungsnetzwerks „Kompetent vor Ort“ werden Institutionen, Gemeinden und Einzelpersonen unterstützt, die Übergriffe beobachtet haben oder selbst betroffen sind. Wer sich also nicht direkt an die Polizei wenden möchte oder mit einer solchen Erfahrung nicht allein sein will, kann sich an die regionale Beratungsstelle in Biberach wenden. Hier werden die Fälle vertraulich behandelt. Bei Bedarf wird ein gemeinsames Vorgehen entwickelt. „Wer menschenfeindliche Kommentare im Internet liest, wird ebenfalls nicht allein gelassen“, betont Friederike Höhndorf. Bei der Meldestelle „respect!“ des Demokratiezentrums können antidemokratische Vorfälle, antisemitische Äußerungen und Online-Hetze gemeldet werden. Bei einem Verstoß gegen deutsches Recht beantragt „respect!“ beim Netzwerkbetreiber die Löschung des Beitrags. Handelt es sich um Volksverhetzung, werden die Verfasser konsequent angezeigt.

In der Meldestelle „respect!“ sind im März insgesamt 358 Meldungen eingegangen, teilt Friederike Höhndorf mit. Im Vormonat waren es 297. Dies entspricht einem Anstieg um 20 Prozent. Außerdem seien in der zweiten Märzhälfte mehr Meldungen eingegangen als in der ersten.

„Mindestens 20 Meldungen stehen dabei im Zusammenhang mit Covid-19“, sagt Friederike Höhndorf. Darunter fallen Äußerungen, wie jemand – beispielsweise Angela Merkel oder andere Personen des politischen Lebens – solle „an Corona sterben“ oder daran erkranken. Die Mehrzahl der Meldungen lassen sich keinem Straftatbestand im Bereich der Offizialdelikte wie Volksverhetzung zuordnen.

Von der Meldestelle erfolgten in diesem Rahmen mindestens drei Anzeigen. Meistens handelt es sich jedoch um Antragsdelikte in Form von Beleidigung, wenn durch das Absprechen des Lebensrechts eine grobe Missachtung einer Person stattfindet. Unter diese Kategorie fallen im März 31 Meldungen. Zehn davon lassen sich thematisch der Coronakrise zuordnen.

Friedrike Höhndorf fordert die Bürger auf, Anzeige zu erstatten, wenn einem etwas auffällt – etwa rechtsextreme Aufkleber oder Flyer im Briefkasten. Das komme in in Biberach öfters vor, zum Beispiel von der Identitären Bewegung. Sie sieht eine echte Gefahr darin darin, „dass ständig „Grenzen des Sagbaren überschritten werden“. Bis hin zu Auswüchsen wie in Hanau und Halle sei es dann nicht mehr weit.

Jetzt mehr lesen

Coronakrise im Landkreis Biberach

Landrat Dr. Heiko Schmid spricht über Ostern und die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus

Ostern steht in diesem Jahr in Zeichen von Corona. Landrat Dr. Heiko Schmid spricht im Interview über den Stand der Dinge im Kreis Biberach.

Von Kristina Schmidl

Herr Schmid, seit Montag sind Sie aus der Quarantäne zurück. Wie haben Sie die häusliche Quarantäne erlebt? Und wie die Rückkehr in Ihr Büro im Landratsamt?

Ich hatte beruflich Kontakt mit einer positiv getesteten leitenden Mitarbeiterin, musste deshalb in Quarantäne. Ich hatte keinen Virus, mir gings gesundheitlich immer gut. Von daheim aus nahm ich meine Dienstgeschäfte übers Telefon, E-Mail und Videokonferenzen wahr. Eine andere Art des Arbeitens. Ich will diese interessante Erfahrung nicht missen und kann jetzt ein Stück weit mitreden, wenn Menschen in diesen Tagen von ihren Erfahrungen in der Quarantäne berichten. Denn Quarantäne ist noch mal etwas Anderes als soziale Distanzierung. Man fühlt sich schon etwas eingesperrt in den eigenen vier Wänden.

Was sind die neuesten Entwicklungen in Sachen Corona im Landkreis Biberach?

Am Dienstag um 17.30 Uhr Uhr, waren 361 Menschen positiv getestet. Etwas mehr als 1000 Menschen sind in häuslicher Quarantäne. Wir gehen auch davon aus, dass mittlerweile über 100 Menschen bereits geheilt sind. Wir haben leider auch vier Todesfälle zu verzeichnen. Alle waren vorerkrankt. Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen.

Wie ordnen Sie diese Entwicklung ein?

Wenn man

den Verlauf der positiv getesteten Personen anschaut, so kann man einen unterschiedlich starken Anstieg während der letzten beiden Wochen im Landkreis Biberach erkennen. Bis jetzt blieben wir vom starken, exponentiellen Anstieg der Zahlen – Gott sei Dank – verschont. Wir stellen aber auch fest, dass das Virus sich bereits in einigen Altenpflegeheimen und Kliniken ausgebreitet hat. Das macht mir schon ein Stück weit Sorge.

Ist der Kreis gut gerüstet für den zu erwartenden Anstieg der Zahl an Coronapatienten?

Wir arbeiten nunmehr seit fast sechs Wochen sehr intensiv daran, die Ausbreitung des Virus einzuschränken und zu verlangsamen. Wenn ich wir sage, dann meine ich den Koordinierungsstab im Landratsamt und die Stäbe in den Städten und Gemeinden. Wir werden unterstützt von vielen Hilfsorganisationen wie DRK, Feuerwehren und Polizei. Unglaubliches leisten die niedergelassenen Ärzte, die Ärzte und Pfleger in den Sana-Kliniken und in den Alten- und Pflegeeinrichtungen. Es gibt ein gutes und konstruktives Miteinander. Keineswegs möchte ich die vergessen, die uns tagtäglich mit Lebensmitteln versorgen und sie auch produzieren. Das gilt natürlich auch für alle anderen, die in diesen Tagen ihren leidenschaftlichen Dienst für die Gemeinschaft erbringen.

Welche Maßnahmen wurden getroffen?

In der Biberacher Klinik wurden die Intensivbetten um das 3,5-fache ausgeweitet auf 21 Betten. Normalerweise gibt es fünf Isolierbetten,nun sind es fast 100. Weitere 150 Betten sowie 28 Überwachungsbetten stehen für die Behandlung aller anderen Patienten, die nicht an Covid-19 leiden, zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es bei Bedarf rund 300 weitere Pflegebetten an verschiedenen Standorten im Kreis, wo vor allem Patienten behandelt werden können, die nur leicht erkrankt sind, sich aber bereits dadurch nicht mehr selbst versorgen können und deshalb eine stationäre, in erster Linie pflegerische, Betreuung benötigen. Über 500000 Euro hat der Kreis in die Hand genommen, um Schutzausrüstung wie Masken, Handschuhe und Overalls zu kaufen.

Die erste Lieferung erwarten wir noch in diesen Tagen.

Lässt es sich berechnen, wann mit einem Höchstmaß bzw. mit einem Rückgang der Zahl der Infizierten zu rechen ist?

Wir sind alle keine Propheten. Ursprünglich waren wir auf einen stark exponentiellen Anstieg vor Ostern eingestellt. Nun spüren wir den „Shutdown“, das heißt, die Kurve ist abgeflacht. Das kann sich aber sehr schnell ändern, wenn es zum Beispiel weitere Ausbruchsgeschehen in Altenpflegeheimen oder anderen Gemeinschaftseinrichtungen gibt. Und auch wenn die Maßnahmen nach Ostern gelockert würden, Schulen und Kitas beispielsweise wieder öffnen sollten, nähme auch der Anstieg an Infizierten bald wieder zu.

Wagen Sie eine Prognose, wann die Maßnahmen zum Schutz vor Ansteckung mit Corona aufgeweicht werden?

Jetzt warten wir alle das Osterfest ab und danach ziehen wir Bilanz. Die Kanzlerin wird sich in der Woche nach Ostern mit den Ministerpräsidenten abstimmen, infolge erwarten wir neue Entscheidungen. Die Einschränkungen mit dem Kontakt- und Abstandsgebot, die wir alle in Kauf nehmen müssen, sind gravierend. Maßnahmen wie die genannten Schul- und Kindergartenschließungen, oder auch die der Gaststätten, oder des Einzelhandels sind einschneidend. Die wirtschaftlichen Auswirkungen können wir noch nicht abschließend bewerten.

Das Osterfest steht in diesem Jahr im Zeichen von Corona. Was wünschen Sie den Bürgern zu Ostern in dieser speziellen Situation?

Es wird ein besonderes Osterfest werden. Es muss aber nicht bedeuten, dass dieses Osterfest 2020 traurig wird. Wir haben alle etwas mehr Zeit für Haus oder Garten. Man kann an einem Online-Gottesdienst teilnehmen, Ostergrüße schreiben oder mit einer netten Geste Menschen in der Nähe eine Freude zu machen. So können die Osterfeiertage auch frohe, hoffnungsvolle Tage werden. Das wünsche ich allen verbunden mit der Bitte: Feiern Sie Ostern und Auferstehung im allerengsten Familienkreis, in Ihrer häuslichen Gemeinschaft. Und: Verzichten Sie auf Besuche bei Freunden und Verwandten und Ausflüge zu beliebten Zielen. Seien Sie zuversichtlich, bleiben Sie bitte aber auch weiterhin verständnisvoll und diszipliniert.

Jetzt mehr lesen

01.04.2020

Corona im Kreis Biberach

Biberacher Krankenhaus wird Coronaklinik / Genesungskliniken in Riedlingen und Bad Buchau

Die Zahl der Coronainfizierten im Landkreis Biberach steigt. Stand Dienstag, 31. März, 17.30 Uhr ,sind 243 Personen mit dem Virus infiziert. Mittlerweile hat es sogar drei Todesfälle mit Corona gegeben. Die Biberacher Krankenhaus wird zur Coronaklinik. In Bad Buchau und in Riedlingen werden im Bedarfsfall Genesungskliniken eingerichtet. Um den hausärztlichen Notdienst zu entlasten, sind Fieberambulanzen installiert worden. Landrat Dr. Heko Schmid befindet sich als Kontaktperson bis Montag in häuslicher Quarantäne. Er ist symptomfrei und führt seine Dienstgeschäfte vom Homeoffice aus weiter.

Von Kristina Schmidl

Kreis Biberach/Riedlingen – „Mit den Fieberambulanzen soll die Infektionsgefahr in den Hausarztpraxen auf ein Minimum reduziert werden“, erläutert Bernd Schwarzendorfer, Pressesprecher am Biberacher Landratsamt. Auch gehe es um den schonenden Einsatz von Schutzausrüstung. In Biberach wurde von betreuenden Hausärzten mit Unterstützung der Sana eine Fieberambulanz eingerichtet. Derzeit ist sie noch an der Sana-Klinik angesiedelt. Sie soll aber auf dem Parkplatz der Sana in einem Container, den der Landkreis aufstellt, etabliert werden. Das hat der Koordinierungsstab im Landratsamt entschieden, den Landrat Dr. Heiko Schmid und Erster Landesbeamter Walter Holderried leiten. Untersucht werden nur Menschen, die eine mögliche Coronasymptomatik wie Fieber und Atemwegsbeschwerden zeigen. Der Arzt entscheidet, ob ein Abstrich gemacht wird, ob der Patient weiter zuhause bleiben kann oder ob ein stationärer Aufenthalt in der Biberacher Klinik nötig ist.

Eine weitere Fieberambulanz ist am Montag in Laupheim in Betrieb genommen worden. 

Die allgemeinärztliche Praxis Dr. Gauß und Dr. Weber übernimmt die Aufgabe koordinierend mit den örtlichen Hilfsorganisationen wie DRK und Feuerwehr. Der Landkreis hat dafür auf dem Parkplatz vor der Klinik zwei Container aufgestellt. Die Termine für die Fieberambulanzen werden ausschließlich über die Hausarztpraxen vergeben, sofern die Praxis diese Leistung nicht selbst erbringen kann. Die Hausarztpraxis vereinbart für den Patienten einen Termin bei der Fieberambulanz.

„Mit den Fieberambulanzen wollen wir die Hausärzte unterstützen und Schutzausrüstung gezielt und gebündelt einsetzen. Wir tun alles, um die stationären Strukturen zu entlasten. Die dortigen Kapazitäten brauchen wir für die Behandlung der Patienten, ob mit oder ohne Corona“, sagt Dr. Monika Spannenkrebs, Leiterin des Kreisgesundheitsamtes. Im Moment werde geprüft, wie weitere Fieberambulanzen im Osten und im Westen des Landkreises eingerichtet werden können, lässt Schwarzendorfer wissen.

Der Landrat bedankt sich bei den Bürgern für die Einhaltung der strengen Ausgangs-, Kontakt- und Abstandsgebote. „Das öffentliche Leben steht fast still. Manchmal ist es gespenstisch durch leere Innenstädte, Dörfer und Ortschaften zu fahren. Uns wird in diesen Zeiten viel zugemutet. Wir tun alles, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und bereiten uns auf steigende Patientenzahlen vor. Das wird leider unvermeidbar sein, wie uns die Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen“, sagt er.

Die meisten Coronapatienten verspüren leichte Symptome, bleiben daheim und kurieren sich aus. Es gibt aber auch Patienten, die auf eine stationäre Betreuung angewiesen sind. Darauf bereiten sich Sana, Landkreis und DRK im Koordinierungsstab intensiv vor. „Wir machen die Biberacher Klinik zur Coronaklinik. Wir haben alle planbaren Operationen abgesagt“, erläutert Dr. Ulrich Mohl, Ärztlicher Direktor der Sana Kliniken Landkreis Biberach GmbH. Normalerweise gebe es dort sechs Beatmungsplätze. Mittlerweile seien aber 21 intensivmedizinische Beatmungsplätze geschaffen worden. Die medizinische Betreuung dieser Plätze erfordere ein Höchstmaß an Wissen und Können von den Ärzten und Pflegern. Dasselbe gelte für die Behandlung von bis zu 100 Patienten in Isolierzimmern. „Im Regelfall haben wir im Klinikum Biberach lediglich fünf Isolierzimmer“, erläutert Mohl.

Weitere 150 Betten sowie 28 Überwachungsbetten stehen in Biberach uneingeschränkt für die Behandlung aller anderen Patienten, die nicht an Covid-19 leiden, zur Verfügung. Auch in der Sanaklinik Laupheim werden die Abteilungen für Innere Medizin und Chirurgie weiter betrieben. In der Klinik Laupheim sollen keine isolationspflichtigen Covid-19 Fälle behandelt werden. „Für alle anderen Patienten sind wir genauso verantwortlich. Wegen Covid-19 dürfen sie keinen Schaden erleiden“, sagt Mohl.

Für den Fall, dass die Betten in Biberach nicht ausreichen, sollen laut Schwarzendorfer die Rehakliniken in Bad Buchau und das Krankenhaus in Riedlingen in Anspruch genommen werden. Dieses Vorgehen entspricht der Empfehlung des Sozialministeriums Baden-Württemberg. Gespräche zwischen Verantwortlichen der Sana, der Federseeklinik, des DRK und dem Landkreis haben dazu bereits stattgefunden. Dadurch können weitere 320 Betten für behandlungsbedürftige Menschen geschaffen werden: 200 in der Federseeklink in Bad Buchau, 70 in der Bad Buchauer Schlossklinik und mindestens 50 in der Riedlinger Klinik. In Bad Buchau und Riedlingen sollen vor allem Patienten behandelt werden, die nur leicht erkrankt sind, sich aber nicht mehr selbst versorgen können und deshalb eine stationäre, in erster Linie pflegerische Betreuung benötigen. „Wir sprechen in diesem Zusammenhang von Genesungskliniken und nicht von akutstationärer Behandlung“, stellt Schmid klar.

„Die Federseeklinik und die Schlossklinik haben den Vorteil, dass es dort Personal mit pflegerischem Hintergrund gibt. Davon unabhängig sind wir auf viele helfende Hände von Ärzten, Pflegern und ehrenamtlichen Kräften angewiesen“, sagt Schmid. Die dazu notwendigen Strukturen würden gerade mit Hochdruck aufgebaut. „Wir sind dankbar, dass wir dabei mit dem DRK, Dr. Frank Nebbe als Vertreter der Spezialisierten Ambulanten Palliativen Versorgung Biberach (SAPV) und Dr. Christopher Maier, DRK-Kreisverbandsarzt und Vertreter der Hausärzte, starke Partner an unserer Seite haben. Alleine können wir das nicht schaffen.“

Das Klinikgebäude in Riedlingen habe den Vorteil, dass hier eine räumliche Krankenhausinfrastruktur besteht mit Sauerstoff-Wandanschlüssen. Die Entscheidung, in welcher Struktur der einzelne an Covid-19 erkrankte Patient versorgt wird – Biberach, Bad Buchau oder Riedlingen – werde jeweils individuell festgelegt.“

Pflegekräfte, Fachkräfte mit Erfahrungen in der Intensivmedizin, sonstiges medizinisches Fachpersonal und Ärzte, die nicht praktizieren, sind aufgerufen, mitzuhelfen. Mit diesen zusätzlichen Kräften soll im Bedarfsfall sichergestellt werden, dass die Kliniken und Einrichtungen alle Menschen versorgen können, die an COVID-19 erkrankt sind und eine stationäre Behandlung brauchen oder zuhause nicht mehr alleine zurechtkommen. Deshalb bitten die Kliniken, die Rettungsdienste und der Landkreis Biberach alle, die in dieser Ausnahmesituation helfen können, sich bei der Personalabteilung der Sana Kliniken Landkreis Biberach zu melden. Sie ist telefonisch unter den Nummern 07351/553036 oder 07351/553068 von montags bis freitags zwischen 7.30 und 17 Uhr zu erreichen sowie per E-Mail an martin.eberle@sana.de. Die Personalabteilung der Sana Kliniken hat ein Koordinierungsteam eingerichtet, das die Angebote entgegennimmt und die Vermittlung steuert.

Acht Studenten der Medizin, Biologie oder Gesundheitswissenschaften, die überwiegend im Landkreis Biberach groß geworden sind, sind derzeit unterstützend im Landrats- oder Gesundheitsamt tätig zur Bewältigung der Coronakrise. Sie sind im Kontaktpersonenmanagement eingesetzt.

Wie sich am Sonntag herausgestellt hat, hatte der Landrat am vergangenen Montag mit einer mittlerweile positiv getesteten Person beruflichen Kontakt. Als Kontaktperson muss er daher bis Montag vorsorglich in häuslicher Quarantäne bleiben. Er ist symptomfrei und führt von zuhause seine Dienstgeschäfte weiter.

Jetzt mehr lesen

18.03.2020
So wirkt sich die Coronakrise im Kreis Biberach aus

Biberacher Landratsamt verbietet per Alleinverfügung sämtliche Versammlungen und Veranstaltungen / 37 Coronafälle kreisweit

Am Wochenende ist der Coronavirus in allen 44 Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg angekommen. 744 Menschen sind landesweit mit Covid-19 infiziert. Im Landkreis Biberach gibt es 37 bestätigte Coronafälle. Insgesamt befinden sich kreisweit mehr als 150 Kontaktpersonen in häuslicher Quarantäne. Um die Verbreitung des Virus auszubremsen, werden zahlreiche Maßnahmen getroffen. Schulen und Kindertagesstätten sind bis zum Ende der Osterferien geschlossen, Veranstaltungen und Versammlungen verboten und zahlreiche Mitarbeiter im Homeoffice tätig. Das öffentliche Leben wird bewusst verlangsamt.

Von Kristina Schmidl und Markus Falk

Kreis Biberach – Wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus hat die Landesregierung am Montag eine Rechtsverordnung nach dem Infektionsschutzgesetz beschlossen. Sie wird das öffentliche Leben für die Menschen in Baden-Württemberg in vielen Bereichen stark einschränken.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann betonte am Montag in einer Pressekonferenz in Stuttgart: „Die Zahl der infizierten Menschen im Land steigt weiter stark. Gleichzeitig gelingt es uns aktuell sehr gut, alle erkrankten Menschen medizinisch bestmöglich zu versorgen. Um dies auch in den kommenden Wochen sicherzustellen, müssen wir die Ausbreitung des Virus noch stärker verlangsamen.“ Die Verlangsamung sei oberstes Ziel.

Das Biberacher Landratsamt geht mit seiner Alleinverfügung über die vom Land Baden-Württemberg erlassene Verordnung hinaus. Das hat der Koordinierungsstab des Landratsamtes unter der Leitung von Landrat Dr. Heiko Schmid und dem Ersten Landesbeamten Walter Holderried beschlossen.

Im Kreis Biberach ist am Freitagabend der zwölfte Coronafall bestätigt worden, am Dienstag war bereits von 37 Fällen die Rede. Bei den fünf neuen Fällen handle es sich um drei Männer im Alter von 55, 56 und 60 Jahren, die zusammen in Ischgl waren, einen weiteren 56-jährigen Kreisbewohner und eine 46-jährige Frau. Alle fünf Personen sind in häuslicher Isolation. Das Kreisgesundheitsamt ermittelt die Kontaktpersonen.

„Drei junge Frauen zwischen 28 und 35 Jahren wurden nach ihrer Rückkehr aus Ischgl am 8. März positiv auf das Coronavirus getestet. Sie weisen leichte Symptome auf und leben in häuslicher Isolation, sagt Schwarzendorfer. Das Gesundheitsamt ermittelte die Kontaktpersonen. 17 Personen, davon vier Betreuer, die in einem Bildungsinstitut im Landkreis Biberach leben, wurden ebenfalls positiv getestet und häuslich isoliert. Das Bildungsinstitut steht unter Quarantäne. Die Zahl der bestätigten Fälle im Landkreis Biberach beläuft sich damit auf 37.

Soziale Kontakte, persönliche Treffen untereinander sind weitestgehend einzuschränken und auf das zwingend notwendige Maß zu reduzieren. Deshalb umfassen die derzeit bestehenden Regelungen, wonach Veranstaltungen und Ver-sammlungen im Landkreis nicht mehr stattfinden dürfen, auch Jugendbuden und Buden im Landkreis. Darauf weist das Landratsamt hin. Entsprechend den bestehenden Regelungen sind Buden und Jugendbuden ausnahmslos zu schließen und deren Betrieb ist sofort einzustellen. Der Kreisjugendring weist in einer Pressemitteilung ebenfalls darauf hin. Er ppelliert an Schüler, denen langweilig ist, weil der Unterricht und Versammlungen ausfallen, auf Cor ona-Partys zu verzichten.

„Bereits am Wochenende haben vereinzelt Corona-Partys im Landkreis stattgefunden, zu denen Jugendliche spontan eingeladen haben“, teilt der Kreisjugendring mit. Das Robert Koch-Institut warne aber ausdrücklich davor, dass Kinder, die oft kaum Symptome zeigten, trotzdem den Erreger übertragen könnten. Dadurch würden sie zur Gefahr für Kranke und ältere Menschen. Der Kreisjugendring Biberach bittet deshalb um Solidarität mit diesen Personengruppen und appelliert an alle Kinder, Jugendlichen und Eltern die eingeleiteten Maßnahmen zu unterstützen und sich ab nicht mehr auf Spielplätzen, in Buden, Gruppenräumen oder privat in Gruppen zu treffen.

Landrat Schmid hat sich am Wochenende in einem umfangreichen Schreiben an die Gemeinden seines Landkreises gewandt. Er dankte darin den Gemeindeoberhäuptern und ihren Mitarbeitern für ihren Einsatz im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. „In diesen Dank schließe ich ausdrücklich die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes mit Dr. Monika Spannenkrebs an der Spitze ein. Sie leisten in der Zeit der Coronakrise Außergewöhnliches“, betont er. Das ganz Wochenende über hätten Mitarbeiter der Kreisverwaltung eine telefonische Beratung für besorgte Bürger gewährleistet. Am Samstag seien 250 Anrufe eingegangen, am Sonntag 150. Unter der Woche sei das Bürgertelefon von 8 bis 16 Uhr unter der Nummer 07351/527070 erreichbar.

Aufgrund eines begründeten Verdachtsfalls hat die Leitung des Riedlinger Kreisgymnasiums in Abstimmung mit dem Kultusministerium und dem Kreisgesundheitsamt das Kreisgymnasium bereits am Montag geschlossen. Die anderen Schulen und Kindertagesstätten in Baden-Württemberg sind erst seit Dienstag bis zum Ende der Osterferien zu. Die Gemeinden mussten Maßnahmen treffen , wie die Betreuung für Kinder von Beschäftigten in kritischen Infrastrukturen sichergestellt werden können. Zu den kritischen Infrastrukturen zählen laut Landrat etwa die Polizei, die Feuerwehr, medizinisches und pflegerisches Personal, Hersteller von für die Versorgung notwendigen Medizinprodukten, die Lebensmittelproduktion, der Einzelhandel, die Müllabfuhr sowie die Energie- und Wasserversorgung.

Auch Mitarbeiter des Landratsamts seien von Schul- und Kindergartenschließungen betroffen. Man gehe deshalb von einem deutlich eineschränkten Dienstbetrieb im Landratsamt aus, sagt Schmid . Die Mitarbeiter hätten die Möglichkeit für die Kinderbetreuung Urlaub zu nehmen, Überstunden abzubauen oder im Homeoffice zu arbeiten.

Als Teil der öffentlichen Verwaltung würden das Landratsamt und die Gemeinden alles unternehmen, um die Ausbreitung des Virus zu verzögern. „Die Stärke dieses Landkreises war es immer, zusammenzustehen, wenn es notwendig war. Dieses Zusammenstehen brauchen wir aktuell mehr denn je. Ich appelliere deshalb an jeden Einzelnen, auf sich selbst und andere aufzupassen“, betont Schmid. Dazu zähle insbesondere, persönliche soziale Kontakte weitestgehend zu vermeiden. „Halten Sie Kontakt übers Telefon, Internet und soziale Medien. Wir müssen alles dafür tun, um unser Gesundheits- und Pflegesystem mit Ärzten und Pflegekräften zu schützen, damit sie sich um Patienten und um die Menschen, die Unterstützung brauchen, kümmern können“, betont der Landrat.

„Durch die voranschreitende Ausbreitung des Virus, befinden sich von Tag zu Tag mehr Personen – Infizierte und Kontaktpersonen – in häuslicher Isolation. Bei ansteigenden Fallzahlen wird die Versorgung dieser Menschen immer schwieriger, und die selbstorganisierte Nachbarschaftshilfe wird an ihre Grenzen stoßen“, schrieb der Landrat am Wochenende an die Rathauschefs. Er bittet darum, zeitnah eine Versorgung für diese Menschen in ihrer Gemeinde zu organisieren. Dabei könnten Vereine, die Freiwillige Feuerwehr, organisierte Nachbarschaftshilfen und die DRK-Bereitschaft eingebunden werden. Ein besonderes Augenmerk bei der Durchführung sei dabei auf die Bedürfnisse von älteren und pflegebedürftigen Menschen zu richten.

Er sichert den Gemeinden in seinem Schreben an die Bürgermeister weiter die volle Unterstützung seitens des Landratsamts zu. Außerdem wünscht er „das notwendige Durchhaltevermögen in einer belastenden Zeit.“ Er betont: „Wir wollen ganz bewusst das öffentliche Leben verlangsamen.“

Der Landkreis Sigmaringen hat derweil seinen ersten Todesfall durch das Coronavirus zu beklagen. Nachdem der 80-jährige Patient gestern mit einer schweren Lungenentzündung ins SRH-Krankenhaus in Sigmaringen eingeliefert wurde, verstarb er dort wenig später.

Jetzt mehr lesen

Solidarität angesichts der Corona-Krise

Initiativen engagieren sich

Ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie Menschen mit Vorerkrankungen gelten als Corona-Risikogruppen. Zwei Initiativen in Biberach wollen sich angesichts der Ausbreitung des Virus besonders um die Gefährdeten kümmern und sie nach Kräften unterstützen.

Biberach (red) – Bereits seit vielen Jahren bieten die Ehrenamtlichen von „Bürger für Bürger“ älteren Menschen ohne familiäres Umfeld Hilfe an, übernehmen Einkäufe oder erledigen Besorgungen. Auch in der aktuellen Situation besteht dieses Angebot für alle Menschen, die aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus ihre Außenkontakte reduzieren wollen und daher auf Unterstützung angewiesen sind.

Diese besonders gefährdeten Mitbürgerinnen und Mitbürger möchte auch eine Gruppe Jugendlicher unterstützen, die sich dieser Tage neu gegründet hat. „Wir gehören nicht zur Risikogruppe und haben aufgrund der landesweiten Schulschließungen genügend Zeit, um Ihnen durch Besorgungen, Einkäufe oder auch Betreuung unter die Arme zu greifen“, so die jungen Erwachsenen in einem Informationspapier. Neue Mitstreiter sind unabhängig vom Alter jederzeit willkommen.

Wer Bedarf an Unterstützung hat oder selbst mit anpacken möchte, erreicht die Initiativen unter folgenden Kontaktdaten: Bürger für Bürger: Telefon: 07351- 827127, E- Mail: bfb-biberach@gmx.de, Jugendinitiative „Hilfe für Corona-Risikogruppe“: Telefon: 0170-2408955, E-Mail: lena-feierabend@gmx.de

Auch der Ehrenamtsbeauftragte der Stadt Biberach, Rouven Klook (Tel. 07351-51818, klook@biberach-riss.de) steht für Auskünfte oder Vermittlungen jederzeit bereit.

Jetzt mehr lesen

Infos zum Coronavirus in leichter Sprache

Stadtverwaltung legt Broschüre aus

Einige wichtige Informationen über das neuartige Coronavirus können ab sofort auch in einer Broschüre in leichter Sprache nachgelesen werden. Darin sind wichtige Informationen über die Krankheit, Tipps, um eine Ansteckung zu vermeiden und auch wichtige Rufnummern enthalten.

Biberach (red) – Die Stadt Stuttgart hat über den baden-württembergischen Städtetag allen Kommunen eine Broschüre zum Thema zur Verfügung gestellt und zur Verwendung freigegeben. „Dieses Angebot haben wir gerne angenommen und die lokalen Kontaktdaten eingearbeitet“, teilt die Stadtverwaltung mit.

Die Broschüre liegt ab sofort im Rathaus und in weiteren städtischen Einrichtungen sowie Kindergärten aus. Zudem kann die Information von der städtischen Homepage www.biberach-riss.de heruntergeladen werden. Die Mitglieder des Inklusionsbeirats wurden direkt informiert.

Die leichte Sprache ist eine besondere sprachliche Ausdrucksweise und hat das Ziel einer besonders leichten Verständlichkeit. Insbesondere für Menschen mit Einschränkungen, aber auch für Menschen mit Deutsch als Fremdsprache ist die Broschüre daher besonders hilfreich.

Jetzt mehr lesen

„Menschen könnten sich wieder als Teil eines sozialen Systems empfinden“

Interview mit der Psychologin: Welche Auswirkungen die Coronakrise auf unsere Gesellschaft hat

Die Corona-Pandemie bringt das öffentliche Leben auch in der Region immer mehr zum Erliegen. Neben kaum absehbaren wirtschaftlichen Folgen stellt sich die Frage: Was macht die Coronakrise mit unserer Psyche? Welche Auswirkungen hat sie auf das Zusammenleben in unserer Gesellschaft? Und wie sollten wir uns jetzt verhalten? Der Südfinder hat dazu mit Dr. Petra Arenberg, Professorin und Departmentleiterin Psychologie und Gesundheit an der SRH Fernhochschule in Riedlingen, gesprochen.

Von Markus Falk

Gibt es aus psychologischer Sicht einen vernünftigen Umgang mit dem Coronavirus? Schüttelt ein Psychologe bei manchen Verhaltensweisen wie Hamsterkäufen auch mal den Kopf oder ist jedes Verhalten in dieser Hinsicht nachvollziehbar und verständlich?

Das Virus löst Ängste aus. Angst ist eine sehr machtvolle Emotion. Menschen befürchten wahrscheinlich einen Kontrollverlust, denn die Gesellschaft hat in den letzten Jahren durch die Flüchtlingskrise oder gescheiterte Großprojekte wie den Berliner Großflughafen, Vertrauen in die staatliche Handlungsfähigkeit verloren. Mit Hamsterkäufen versuchen Menschen, ihr Sicherheitsbedürfnis zu befriedigen und damit etwas Kontrolle zu erlangen. Besser wäre es, sich konkret zu informieren, wie beispielsweise über das Robert Koch-Institut, das mildert die oft diffuse Angst.

Die Menschen gehen unterschiedlich mit den Meldungen zum Coronavirus um. Kann man daran auch unterschiedliche Charaktere erkennen?

Emotional instabile Menschen reagieren wahrscheinlich stärker und empfinden mehr Stress.

Wird sich mit der Zeit ein Herdentrieb, ein kollektives Bewusstsein in der Bevölkerung beim Umgang mit dem Coronavirus durchsetzen?

Herdentrieb bedeutet, dass ein Verhalten nachgeahmt wird, das viele Menschen zeigen. Unabhängig, ob positives oder negatives Verhalten, wird das wahrscheinlich weiterhin so bleiben.

Auf den ersten Blick stört das Virus unsere sozialen Kontakte. Könnte es aber auch sein, dass die Angst vor einer Infektion unsere Gesellschaft zusammenschweißt?

Wenn viele Menschen Austauschhandlungen beobachten, zum Beispiel helfen, interagieren, sozial unterstützen, könnte sich eine allgemeine Wechselbeziehung ausbilden. Das heißt, die Menschen helfen, ohne direkt von dieser Person oder sozialen Gruppe einen Gegenwert zurückzuerhalten. Die Individualisierung hat zur Vereinzelung in der Gesellschaft geführt, Menschen könnten sich wieder als Teil eines sozialen Systems empfinden. Die Werte Gemeinschaft und Solidarität würden stärker. Das Bedürfnis nach Nähe, wie direktem Kontakt zu Nachbarn, könnte steigen. Die soziale Funktion der Gesellschaft gewinnt wieder an Bedeutung, auf sich selbst bezogene Interessen, wie Urlaub machen, werden weniger in den Vordergrund gestellt.

Was raten Sie Menschen in Quarantäne, um mental über die Runden zu kommen?

Das Stichwort lautet körperliche und intellektuelle Stimulation. Man sollte soziale Beziehungen täglich über Telefon oder Videochat pflegen. Das Positive sehen in der Situation. Was ist gut daran? Zum Beispiel Zeit für mich. Was wollte ich schon immer machen? Das kann auch einfach nur sein, ein bestimmtes Buch zu lesen.

Wie sollte man mit Kindern über das Virus sprechen?

Auf sachlicher Basis erklären und konkrete Informationen nennen. Wer keine Familie oder Nachbarn hat, die unterstützen, für den organisiert das Gesundheitsamt ehrenamtliche Helfer. Wer sich nach bestimmten Regeln die Hände wäscht, spült das Virus ab. Keine Schlüsselreize als Wörter nutzen. „Bloß keine Panik“ besser weglassen, denn die Kinder hören nur Panik.

Lernt die Gesellschaft aus solchen Krisen oder machen wir als Bürger und auch die Institutionen immer wieder die gleichen Fehler?

Menschen einer Generation teilen Erfahrungen, so bildet sich in der Gesellschaft ein kollektives Gedächtnis. Das kann auch positiv sein, wie etwa der Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 1954. Eine gemeisterte Krise wäre auch eine solche Erinnerung. Menschen sind sehr lernfähig, durch Lernen haben wir uns an die Evolution angepasst. Auch in Institutionen sind die Entscheider Menschen, das lässt hoffen.

Jetzt mehr lesen

Ansturm auf die Lebensmittelgeschäfte

Furcht vor dem Coronavirus sorgt deutschlandweit für Hamsterkäufe – So ist die Lage in der Region

Vom Vorgesetzten per Mail zu Hamsterkäufen animiert

Die Angst vor dem Coronavirus geht um in Deutschland. Bilder von leergeräumten Supermarktregalen, die im Netz die Runde machen, verdeutlichen einen momentanen Höhepunkt in der allgemeinen Panik, welche die Bevölkerung ergriffen hat. Doch wie sieht die Situation bei uns im Ländle aus, was sowohl Lebensmittelmärkte als auch Verbraucher betrifft?

 Von Linda Leinecker

Region – Der Hamster ist ein wahrer Experte im Überleben. Um den Winter zu überstehen, sammelt er rechtzeitig einen großen Nahrungsvorrat an, von dem er dann in harten Zeiten zehrt. Nun wird das putzige Nagertier und vor allem seine Überlebenstaktik erneut verstärkt in den Medien thematisiert – wie so oft in einem unerfreulichen Kontext: Dem Coronavirus. Denn die Angst vor einem diesbezüglichen Engpass in der Lebensmittelversorgung treibt, wenn man den Bildern im Internet Glauben schenkt, viele Konsumenten dazu, Hamsterkäufe auf der fieberhaften Jagd nach Nudeln, Klopapier, Konservendosen und Co. zu tätigen.

Im Supermarkt „nah und gut Walke“ in Biberach ist davon indes wenig zu spüren. So heißt es dort: „Bei uns ist eigentlich alles normal, bis auf die Desinfektionsmittel. Die sind alle ausverkauft.“ Man habe zwar gehört, dass andere Läden mehr von Hamsterkäufen betroffen seien, aber bei ihnen in der Biberacher Innenstadt sei das nicht der Fall. Die Pressestelle der EDEKA Handelsgesellschaft Südwest wiederum antwortet auf Nachfrage des Südfinders bezüglich Hamsterkäufen: „Am vergangenen Wochenende gab es eine erhöhte Nachfrage im Bereich Grundnahrungsmittel. Eine ausreichende Warenversorgung unserer Märkte ist aktuell auch weiterhin sichergestellt. Versorgungsengpässe haben wir im Moment lediglich im Bereich Desinfektionsmittel.“

Für die Sicherstellung der Nahrungsversorgung sorgt im hiesigen ländlichen Raum vor allem das privatwirtschaftliche Großhandelsunternehmen „Utz Lebensmittel“, das unter anderem 450 Lebensmitteleinzelhandelsgeschäfte beliefert. In Ochsenhausen, wo sich der Firmensitz befindet, besitzt der Großhändler zudem einen eigenen Frischemarkt. Matthias Utz, Personalreferent des Unternehmens, erläutert: „Wir bemerken einen leicht höheren Absatz bei Vorratsartikeln wie Nudeln oder Fertiggerichten in Dosen. Insgesamt macht es sich bei uns bisher nur in geringem Außmaß bemerkbar. Eine Ausnahme ist allerdings, dass wir auch im Großhandel kaum mehr Desinfektionsmittel beziehen können, da die Nachfrage in der gesamten Handelskette derzeit so hoch ist.“ Negative Erfahrungen mit panischen Kunden habe man bislang nicht machen können. „Unsere Marktleiterin in unserem Lebensmittelmarkt in Ochsenhausen registrierte zwar, dass sich der Absatz bei den genannten Artikeln erhöhte, aber richtige Hamsterkäufe wurden bei uns nicht getätigt“, ergänzt Utz.

Der Meinung, dass die Lebensmittelgeschäfte – wie in sozialen Medien des Öfteren angeprangert – die großen Gewinner der Coronavirus-Epidemie seien, stimmt Utz nicht zu: „Das sehe ich zumindest mittelfristig nicht so. Sicherlich ist der Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel aufgrund des veränderten Kundenverhaltens deutlich höher, aber die Kunden werden in den nächsten Monaten ja nicht mehr Nudeln essen oder mehr Toilettenpapier benötigen als vorher. Daher sehe ich hier nur eine Verschiebung des Umsatzes, welche den Händlern bei der Kundenzufriedenheit und Personalplanung teilweise Probleme bereitet.“

Gerade das veränderte Kundenverhalten animiert allerdings andere Verbraucher dazu, statt zum Beispiel einmal lieber ein zweites Mal ins Regal oder Tiefkühlfach zu greifen. So sagt die Ochsenhauserin Elisabeth M.: „Ich finde schon, dass man durch die Hamsterkäufe verunsichert wird. Ich habe mich auch selbst dabei ertappt, dass ich statt einem Pack Reis zwei Packen mitgenommen habe.“ Bei ihrem letzten Einkauf habe sie Haushaltstücher erworben und ihre Grundnahrungsmittel wie Mehl aufgestockt. „Mir ist es generell immer wichtig, einen vernünftigen Vorrat daheim anzulegen“, erklärt die Familienmutter. „Aber von Hamsterkäufen und dem Horten halte ich persönlich nichts. Das führt nur dazu, dass man reihenweise Verdorbenes wegwerfen muss. Angst, dass wir nicht ausreichend mit Lebensmitteln versorgt werden wegen dem Virus habe ich nicht.“

Der Biberacher Marcel Grünelt sieht Hamsterkäufe ebenfalls als problematisch an: „Meiner Meinung nach sind die ganzen Hamsterkäufe eine übertriebene Reaktion, die leider in einem Teufelskreis endet. Zum Beispiel: Mehrere Personen machen ihre Hamsterkäufe, Leute sehen dies auf dem Kassenband oder sehen die leeren Regale, und dies löst schon die erste Furcht im Menschen aus: Ich bekomme nicht das, was ich brauche. Daraus resultiert, dass die nächsten Personen auch mehr einkaufen, denn wenn es gerade Nudeln gibt, kaufe ich lieber mehr, bevor andere wieder groß zuschlagen und ich keine Nudeln habe. Das führt sehr schnell zu einer Kettenreaktion, die unsere Regale leert.

Den 34-jährigen, selbstständigen mobilen Holzofenbäcker ließen die Hamsterkäufe dementsprechend kalt: „Ich selbst habe überhaupt nichts an meinem Kaufverhalten geändert. Weder mehr noch weniger und immer noch lege ich Wert auf Frischwaren und lasse die Konserven denen, die es benötigen.“

Julia B., eine Büroangestellte aus Ulm, dagegen berichtet: „Unser Chef fürchtet sich regelrecht vor dem Coronavirus. Er hat uns Mitarbeitern letztens eine Rundmail geschickt und uns darin aufgefordert, dass wir uns wie er rechtzeitig mit ausreichend Nahrungsmitteln eindecken sollen. Ich werde aber trotzdem normal einkaufen.“

Jetzt mehr lesen