Sigmaringen

Aktuelle Ausgabe 14.05.2020

Breitensport ohne Kontakt

Wir sagen Ihnen, welche Corona-Regeln aktuell gelten

Die Corona-Lockerungen erfolgen schrittweise und in jedem Bundesland anders. Was ist seit Montag in Baden-Württemberg wieder erlaubt?

Von Christian Schwarz

Region – Die Zwei-Personen-Regel für den öffentlichen Raum wurde gelockert. Nun dürfen sich die Mitglieder einer Familie mit denen einer anderen oder verschiedenen Personen, die unter einem Dach leben, öffentlich treffen – ohne den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten zu müssen.

In Privaträumen dürfen sich neben den so genannten direkten Verwandten (Großeltern, Eltern, Kinder, Enkel) nun auch Geschwister und deren Nachkommen in beliebiger Zahl treffen. Außerhalb von Familienangehörigen gilt die Fünf-Personen-Obergrenze weiterhin.

Breiten- und Leistungssport im Freien mit Mindestabstand ist wieder möglich. Sportvereine dürfen Interessenten entsprechende Angebote machen. Reiten ist in Gruppen von maximal fünf Personen im Freien wieder erlaubt, nicht aber in rundum geschlossenen Reithallen.

Musik- und Jugendkunstschulen dürfen eingeschränkt betrieben werden, Fahr- und Flugschulen wieder in Theorie und Praxis.

Kosmetik-, Massagestudios und vergleichbare Betriebe dürfen wieder öffnen. Bei den Friseuren sind auch wieder „gesichtsnahe Dienstleistungen“ wie Bartpflege, Wimpernfärben und Augenbrauenzupfen gestattet.

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Im größten Sturm …

Anita und Alexandra binden Fans in ihren Corona-Song ein

Corona-Songs kursieren bereits eine ganze Menge im Internet. Nun ist ein neuer dazugekommen – der professionellste und schönste von allen. „Im größten Sturm sind wir das Licht“, singen die Meßkircher Schlagerstars Anita und Alexandra Hofmann. Mit der sanften Ballade, die in Zusammenarbeit mit Fans entstand,

und dem dazugehörigen Youtube-Video werben die Schwestern für Mitgefühl und gesellschaftlichen Zusammenhalt in einer schwierigen Zeit.

Von Christian Schwarz

Meßkirch – Die Coronakrise verursacht Schmerz, Trauer und Angst bei vielen Menschen. „Dagegen wollen wir mit diesem Lied ansingen“, sagen Anita und Alexandra Hofmann. „Soziale Kontakte sind im Moment nur eingeschränkt oder gar nicht möglich. Das ist vor allem für viele alte Menschen ein großes Problem. Aber wir können auch aus der Ferne füreinander da sein und uns vereint fühlen.“

Dieses Motto des Füreinanderdaseins haben Anita und Alexandra Hofmann in ihrer Corona-Ballade beherzigt – indem sie die zahlreichen Anita- und Alexandra-Fans in den sozialen Medien dazu aufriefen, Ideen, Textzeilen und Melodien zum Thema einzureichen. „Denn wir wollten nicht nur unsere Gefühle in dem Lied verarbeiten, sondern auch betroffenen Menschen eine Stimme geben, die sonst nicht so in der Öffentlichkeit stehen. Es sollte ein gemeinsames Werk werden.“

Viele Fans meldeten sich. Nach und nach entstanden Strophen und Refrain. Anita textete sie zusammen mit Thomas Köhn und Ernst J. Schmidlechner. Die Melodie steuerten die Komponistinnen Natascha Arnold und Edith Wohllaib bei.

„Den Song haben wir in unserem Kleiderschrank aufgenommen und den Videoclip haben wir hinter unserem Haus gedreht“, verrät Anita den Südfinder-Lesern. Das sind die weiten Felder direkt beim Meßkircher Teilort Igelswies. Anita, Alexandra und ihr weißer Synthesizer bringen die momentane Einsamkeit vieler Menschen, um die es im Song auch geht, auch optisch perfekt rüber.

Das gemeinschaftliche Miteinander, das im Moment weitgehend auf der Strecke bleiben muss, berührt die beiden Schlagerstars durchaus auch auf sehr persönliche Art und Weise. Denn Anita und Alexandra Hofmann engagieren sich schon seit vielen Jahren sozial in der Region, beispielsweise bei dem von ihnen initiierten Projekt „Begegnung von Jung und Alt“ oder der Unterstützung des krebskranken Jungen Arda aus Sigmaringendorf.

Gleichzeitig soll das Lied ein Zeichen für eine (hoffentlich) bessere Zukunft sein. „Denn der größte Sturm kann für die Zukunft auch Positives, sowohl im Umgang miteinander als auch im Umgang mit der Natur, deren Erhalt für unser Überleben so existentiell ist, bewirken. Es gibt gerade genug Anzeichen dafür, dass das passiert.“

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Ausgabe 06.05.2020

Kinder- und Händleraugen leuchten

„Jetzt doppelt Gutes tun!“: Corona-Aktion des Round Table 162 Sigmaringen

Im Rahmen des vom Round Table 162 Sigmaringen initiierten Corona-Serviceprojektes „Jetzt doppelt Gutes tun!“ konnten bereits die ersten Einzelhändler im Landkreis Sigmaringen finanziell unterstützt werden.

Kreis Sigmaringen – Mitte April hat der Serviceclub mit den eingegangenen Geldspenden bei „Michaela’s Spielzeug-Lädele“ in Mengen (Inhaberin Michaela Tritschler) sowie bei „Papier- und Spielwaren Ziegler“ in Sigmaringen (Inhaberin Judith Bräsicke) und „Sport-Dietsche“ in Mengen (Geschäftsführer Marcel und Roman Dietsche) jeweils einen Warengutschein im Wert von 250 Euro erstanden.

Die Gutscheine werden von den Round-Table-Mitgliedern gegen Waren eingelöst, die im Rahmen der Hilfsaktion

„Weihnachtspäckchenkonvoi“ an bedürftige Kinder in Rumänien, Bulgarien, Moldawien und der Ukraine persönlich ausgeliefert werden.

Im Zuge des Serviceprojektes sind bereits über 900 Euro gespendet worden. Die Unterstützung weiterer lokaler Händler, die von der Corona-Krise betroffen sind und deren Warensortiment für die Weihnachtspäckchen in Frage kommt, ist geplant. „Die Geldspende hilft somit nicht nur dem lokalen Einzelhandel, sondern zaubert auch leuchtende Kinderaugen an Weihnachten“, sagt Fabian Lohner, Öffentlichkeitsarbeiter des Serviceclubs. „Der Round Table 162 Sigmaringen bedankt sich bereits jetzt bei allen Unterstützern und freut sich auf den Eingang weiterer Geldspenden“, so Lohner weiter.

Wer mitmachen möchte, spendet einfach einen Geldbetrag seiner Wahl an „Bürger Helfen Bürger e.V.“ per Paypal oder Überweisung. „Bereits ein Euro Spende hilft den Händlern und den Kindern“, erläutert Lohner. „Und schon für 20 Euro Spende schaffen wir es, direkt ein komplettes Päckchen zu packen.“

Vorschläge für Geschäfte, die die Kriterien für eine finanzielle Unterstützung erfüllen, nimmt der Serviceclub per E-Mail an praesident@162-de.roundtable.world entgegen.

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Ausgabe 29.04.2020

Im Krankenhaus infiziert?

Corona: Landrätin beantwortete Fragen der Südfinder-Leser

Landrätin Stefanie Bürkle war eine Stunde beim Südfinder in Sigmaringen, um Fragen der Leser zum Thema Corona zu beantworten. Hier lesen Sie die wichtigsten Fragen/Antworten

Von Christian Schwarz

Meine 88-jährige Mutter ist jetzt im Sigmaringer Krankenhaus an Corona verstorben. Allerdings: Als sie mit zwei Brüchen in die Klinik eingeliefert wurde, war sie nicht infiziert. Nachdem wir sie abgeholt hatten, zeigte sie aber Symptome. Als wir sie erneut einlieferten, wurde sie positiv auf Corona getestet. Sie hat sich also höchstwahrscheinlich im Krankenhaus infiziert. Dann haben wir einen Tod erlebt, den wünsche ich meinem Feind nicht. Ist das Sigmaringer Krankenhaus überhaupt in der Lage, eingelieferte Patienten vor einer Coronainfektion zu schützen? Und muss man es nun schließen, weil meine Mutter möglicherweise noch andere Patienten infiziert hat?

Stefanie Bürkle: Puh, das sind schwierige Fragen. Zunächst möchte ich Ihnen mein Beileid zum Tod Ihrer Mutter aussprechen. Nach allem, was ich heute weiß, kann ich sagen, dass die Hygiene- und Sicherheitsvorgaben, die das Robert-Koch-Institut für Kliniken vorsieht, im Sigmaringer Krankenhaus bekannt sind. Das Tückische an Corona ist, dass Patienten auf Normalstationen kommen können, selbst noch keine Symptome zeigen aber dennoch bereits infiziert sind, und damit auch andere anstecken können. Aus meiner Sicht kann diesen Fall kein Krankenhaus ausschließen. Ob Ihre Mutter aber in eine derartige Situation kam, weiß ich nicht. Ich würde gerne morgen mit der Klinik über das sprechen, was Sie mir gesagt haben und verspreche Ihnen, dass ich mich dann wieder bei Ihnen melde. Die komplette Schließung einer Klinik kann ich mir nicht vorstellen (siehe nebenstehende Stellungnahme). Frau Bürkle, ich möchte mich mit Ihnen über die „Corona-Komede“ unterhalten. Ich finde, dass man beim Mund-Nasen-Schutz abgezockt wird. Jetzt musste ich bei einer Firma im Kreis für zwei Masken 19.50 Euro bezahlen. Dabei hat Montgomery (Weltärztepräsident, Anm. d. Red.) gesagt, dass die Maskenpflicht Schwachsinn ist. Warum müssen wir also die Masken aufsetzen? Das habe ich auch gelesen. Nun bin ich keine Virologin. Aber was ich weiß ist, dass wir alle darauf achten sollten, den Mindestabstand von eineinhalb bis zwei Metern einzuhalten. Dort wo dies nicht geht, können Alltagsmasken einen gewissen zusätzlichen Schutz bieten. Sie ersetzen aber nicht die Beachtung der allgemeinen Hygieneregeln. Die Beatmungsgeräte scheinen ja auch nicht das Gelbe vom Ei zu sein. Das kann man so nicht pauschal sagen. Sie bieten Unterstützung in bestimmten Behandlungssituationen. Der Eine verträgt sie gut, der Andere weniger. Solange wir keinen Impfstoff haben, gibt es leider kein Standardrezept bei der Behandlung von Coronapatienten. In meiner Nachbarschaft sehe ich, dass sich Leute nicht an die Kontaktbeschränkungen halten. Bringen die überhaupt was? Ganz klar ja. Wenn ich mir die täglichen Meldungen vom Gesundheitsamt anschaue, dann sehe ich, dass ein festgestellter Infizierter Anfang März noch 40 bis 50 Kontakte hatte. Jetzt sind es nur noch sieben bis acht. Die Infektionsketten sind also erheblich zurück gegangen, es infizieren sich immer weniger Bürger. Ich möchte, dass das weiterhin so bleibt. Deswegen ist weiter Vorsicht geboten. Dort wo möglich, zu Hause bleiben und immer: Abstand halten. Warum ist die Ursache von Corona in den Medien kein Thema? Ein Virologe hat gesagt, dass das Coronavirus von den Stresshormonen kommt, wenn Tiere geschlachtet werden, zum Beispiel bei den Hundeschlachtungen in China. Bei unserer Massentierhaltung entstehen doch auch Stresshormone bei den Tieren. Müsste man die Massentierhaltung deswegen nicht verbieten? Einige Forscher auf der Welt tragen vor, dass Tiere das Virus auf den Menschen übertragen können. Im Landkreis Sigmaringen ist mir ein solcher Fall aber nicht bekannt. Was ich aber sagen kann, ist, dass das Virus von Mensch zu Mensch springt. Im Moment gibt es die größte Ansteckungsgefahr innerhalb von Familien und in Gemeinschaftseinrichtungen. Allerdings sollten wir als Gesellschaft nach der Krise schon auch schauen, wie wir mit der Schöpfung insgesamt umgehen, dass wir künftig Maß und Mitte halten. In der Politik wird viel über Lohnerhöhungen und Zuschüsse für Pflegekräfte, die in der Coronakrise ihren Arsch für uns hinhalten, gesprochen. Bekommen die Mitarbeiter des Sigmaringer Krankenhauses dieses Geld schon? Meinem Kenntnisstand nach noch nicht. Soweit ich weiß, spricht die Geschäftsführung gerade mit dem Betriebsrat darüber. Das Thema ist deswegen nicht ganz einfach, weil die Mitarbeiter durch Corona unterschiedlich belastet sind. Beatmungs- und Intensivkapazitäten wurden erhöht, insgesamt ist die Belegung jedoch unter 50 Prozent der Auslastung heruntergefahren, weil derzeit keine elektiven Eingriffe mehr gemacht werden. Deswegen ist es richtig und wichtig, hier genau hinzusehen und das gelingt am besten im Gespräch von Betriebsrat und Geschäftsführung.

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Ausgabe 15.04.2020

Weniger Neugründungen

Coronakrise: Professor Rossmanith exklusiv im Südfinder

Die Coronakrise wird wirtschaftlich „verbrannte Erde“ hinterlassen. Vieles ist dann anders als zuvor. „In ganz besonderem Maß wird es die Unternehmensgründer- und Entrepreneurship-Szene treffen, ebenso die Übernahme von Kleinbetrieben, ist sich Wirtschaftsprofessor und Steuerberater Dr. Jonas Rossmanith von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen sicher. Der Trend zur Selbstverwirklichung und Selbstständigkeit wird sich stark verändern.

Von Christian Schwarz

Region – Die eigene Barista-Bar oder Modeboutique als „Lebenstraum“, das Frisörgeschäft, der Foodtruck, aber auch das Bäcker- und Metzgergeschäft um die Ecke – allein im ersten Halbjahr 2019 wurden deutschlandweit 64500 Neugründungen von Unternehmen registriert. „Der Trend zur Selbstverwirklichung im kleinen aber feinen, vor allem aber eigenen Geschäft hat in den letzten Jahren beständig zugenommen“, erläutert Professor Dr. Jonas Rossmanith. Sicher auch deswegen, weil Politik, Wirtschaft und Hochschulen junge Leute ermuntern, „etwas Eigenes“ zu machen.

Das zielt zwar eher auf Start-Ups (auch Entrepreneurship genannt) mit innovativen Ideen und Wachstumspotenzial, die die deutsche Wirtschaft voranbringen können (zu denen man die Neugründung eines Frisörgeschäfts oder einer Modeboutique kaum zählen würde). So hat beispielsweise auch die Hochschule Albstadt-Sigmaringen die Stelle eines Start-Up-Managers geschaffen. Von dieser Idee im Umfeld einer seit Jahren wachsenden Wirtschaft fühlten sich allerdings auch viele „Selbstverwirklicher“ angesprochen, die keine Innovation zu bieten haben, deren Geschäftsidee nicht auf Wachstum ausgelegt ist und denen es reicht, von dem zu leben, was das Geschäft monatlich abwirft, reine Existenzgründer also.

Bis Corona kam, florierten viele dieser Kleinunternehmen mit eher schmaler Finanzierung auch prächtig, machten gute Umsätze und Gewinne. Nun aber legt die Krise gnadenlos die Achillesferse bloß: „Zahlreiche dieser Geschäfte sind auf Kante genäht, das heißt, sie haben fast kein Eigenkapital“, sagt Rossmanith. „Wenn die drei Monate dicht machen müssen und keinen Umsatz haben, verkraften die das nicht und gehen insolvent.“

Das werde nach Corona auf sehr viele dieser „Lebenstraum“-Unternehmen zutreffen, durchaus aber auch auf eigentlich innovative Start-Ups, die aber keine ausreichende Finanzierungsgrundlage haben. „Deshalb unterstürzt der Staat auch Unternehmen finanziell“, sagt Rossmanith.

Dieser Crash zahlreicher Kleinunternehmen wird vor allem bei vielen potenziellen Existenzgründern zu einem radikalen Umdenken führen, ist sich Rossmanith sicher. „Jeder Mensch hat eine Risikostruktur. Aber wenn’s nicht läuft, neigt er dazu, den sicheren Hafen aufzusuchen.“ Was eine ernsthafte Krise mit Geschäften, die kaum Eigenkapital haben, tatsächlich anrichtet, dafür ist die momentane Situation der beste Anschauungsunterricht. Das Szenario ist plötzlich nicht mehr abstrakt. „Deswegen wird sich künftig so mancher, der die Wahl zwischen Selbstständigkeit und einem guten Job im Angestelltenverhältnis hat, sicher für Letzteres entscheiden.“ Folge: Die Zahl der Geschäftsgründungen wird in den nächsten Jahren unweigerlich noch weiter zurückgehen (siehe Info). „Und diesen Effekt werden wir auch in Familienunternehmen sehen, wenn die Unternehmensnachfolge ansteht. Auch da wird sich nun mancher zweimal überlegen, ob er das Geschäft übernimmt oder nicht.“ Zumal es nun sicher nicht leichter wird, eine Finanzierung für eine Existenzgründung zu bekommen.

Für Entrepreneurship mit wirklich innovativen Ideen sieht Professor Rossmanith aber auch weiterhin einen Markt. „Dafür wird es immer ‚Private Activity Fonds’ geben, wie beispielsweise ‚Die Höhle der Löwen’.“

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Polizei: Mit dem Zeppelin auf Coronapatrouille

Polizeipräsident Stürmer: Leisten sichtbaren „Erinnerungsbeitrag“ – Privatsphäre wird respektiert – Unbelehrbare in Langenargen

Die Allermeisten halten sich dran

Beamte der Polizeidirektion Ravensburg gehen jetzt mit dem Zeppelin auf Coronapatrouille. Von Karfreitag bis Ostersonntag waren sie jeden Tag rund vier Stunden in der Luft, am Ostermontag zwei. Bilanz: Die allermeisten Bürger in den Landkreisen Sigmaringen, Ravensburg und Bodenseekreis halten sich vorbildlich an die Coronaverordnungen. Im Südfinder- Interview spricht Polizeipräsident Uwe Stürmer über die Zeppelinflüge und die Verhältnismäßigkeit der Mittel.

Von Robin Halle/Christian Schwarz

Wie kam die Polizei Ravensburg auf die Idee, einen Zeppelin einzusetzen?

Uwe Stürmer: Der Zeppelin ist am Flughafen Friedrichshafen stationiert. Normalerweise fliegt er Touristen. Wegen der Coronakrise ist das nicht möglich. Deshalb hat die Stadt Friedrichshafen eine Kampagne #alle für alle, bitte googln, gestartet und lässt den Zeppelin diese positive Botschaft transportieren. Da er sonst leer fliegt, hat man uns angeboten, dass die Polizei mitfliegen und die Einhaltung der Regeln aus der Luft überwachen kann. Dieses Angebot haben wir gerne angenommen. Wir als Polizei Ravensburg sind der Stadt Friedrichshafen und der Zeppelin-Reederei für diesen innovativen Ansatz dankbar und nutzen die Plattform des ohnehin über der Bodenseeregion kreisenden Luftschiffs deshalb gerne.

Was ist besser an der Überwachungsmethode?

Mit dieser unkonventionellen Zusammenarbeit leisten wir gemeinsam mit Stadt und Reederei einen sichtbaren „Erinnerungsbeitrag“: Bleibt auseinander! Die Botschaft ist klar: Mit „alle für alle“ setzen wir ein positives Signal für Gemeinsinn und Solidarität, nehmen aber auch jene in den Blick, die sich nicht an die Regeln halten. Der Zeppelin fliegt vier Stunden, ist vergleichsweise leise und umweltschonender als ein Polizeihubschrauber. Wir nutzen ihn, weil er verfügbar ist. Und: Mit dem Zeppelin müssen wir nicht mehr nur stichprobenartig arbeiten, wir haben jetzt den genauen Überblick, wie die Lage auf den 3500 überwachten Quadratkilometern ist, immerhin ein Zehntel der Fläche des Landes Baden-Württemberg.

Wie geht die Polizei dabei vor?

Es sind zwei Trupps à drei Beamte an Bord. Ein Beamter macht aus 300 Metern Höhe Übersichtsaufnahmen, wenn Menschengruppen festgestellt werden. Ein Beamter protokolliert Verstöße und ein Beamter funkt die Zentrale an, die dann Streifenwagen zur Überprüfung hinschickt. Ein Trupp ist vorne im Zeppelin, ein Trupp hinten, also insgesamt sechs Beamte. So halten wir selbst auch die Abstände ein.

Abseits von Corona: Müssen sich die Menschen Sorgen machen, dass aus dem Zeppelin heraus auch noch andere Dinge aufgeklärt werden?

An die Bedenkenträger und Kritiker ein klares Wort: Wir überwachen als Polizei mit „Ansage“, das heißt offen, angekündigt und sind damit transparent, statt etwa heimlich und in geringer Höhe mit Drohnen zu fliegen oder mit Hubschraubern über den Köpfen der Ruhe und Erholung suchenden Menschen zu rotieren. Dabei respektieren wir selbstverständlich die Privatsphäre der Menschen, wir fliegen zumeist in etwa 300 Metern Höhe und fertigen keine Detailaufnahmen in private Bereiche hinein, sondern fokussieren uns auf das Erkennen von Menschengruppierungen. Niemand muss sich sorgen, dass wir den Leuten „auf den Teller schauen“.

Stichwort „Verhältnismäßigkeit der Mittel“: Sind Zeppelinflüge zum Feststellen von Ordnungswidrigkeiten nicht total übertrieben?

Eine Verordnung zu erlassen, sie dann aber nicht zu überwachen, macht mit Einschränkung wenig Sinn. Und Verstöße gegen die Corona-Verordnung sind kein Kavaliersdelikt, sondern das genaue Gegenteil! Um am Ende Leben zu retten, gilt es jetzt, alle Register zu ziehen. Es wäre blauäugig und eine vertane Chance, es alleine bei Appellen und Aufrufen mit positiven Botschaften wie „alle für alle“ zu belassen, aber auf diese pfiffige Form der offenen Überwachung zu verzichten. Diese Einsätze gelten jenen, die sich, aus welchen Gründen auch immer, das Recht herausnehmen, gegen die Leben schützenden Regeln zu verstoßen. Die sollen wissen, dass es schwieriger geworden ist, uns auszutricksen.

Wie fällt die Corona-Osterbilanz aus?

Die allermeisten Menschen haben sich vorbildlich an die Coronaverordnung gehalten. Trotzdem mussten wir etwa 170 Sachverhalte feststellen. Zumeist handelte es sich bei den festgestellten Verstößen um Zusammenkünfte von mehr als zwei Personen außerhalb der eigenen Familie, die teilweise miteinander feierten. In Einzelfällen wurde durch Eisdielen Eis an Laufkundschaft veräußert, obwohl Eisdielen explizit nicht unter die Regelungen der Gastronomie zum erlaubten Verkauf außer Haus fallen.

Gab es besonders krasse Fälle?

Tatsächlich. Eine Fünfergruppe junger Männer in Langenargen, die im öffentlichen Raum Musik hörte, Bier konsumierte und außerdem den Mindestabstand nicht einhielt, zeigte sich unbelehrbar. Trotz Einleitung von Bußgeldverfahren wurden sie zwei Stunden später an anderer Stelle erneut erwischt. Dabei beleidigte ein 25-Jähriger die Beamten fortgesetzt und deutete sogar einen Flaschenwurf an. Die Männer wurden alle bei der zuständigen Staatsanwaltschaft angezeigt.

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08.04.2020

Echt haarige Sache, diese „Leos“

Friseur-Chefin Leonore Geuder malt kleine Comic-Kunstwerke auf ihre Gutscheine

Hat die Sigmaringerin Leonore Geuder da etwa ein verborgenes Talent bei sich entdeckt? Nein, wohl eher ein verschüttetes freigelegt. Die 64-jährige Chefin des „Friseur Geuder Teams“ hat in der Corona-Zwangspause auf Künstlerin umgesattelt – und produziert derzeit kleine handgemalte Kunstwerke, die als Friseurgutscheine für die Zeit nach dem Virus zum Einsatz kommen. Malen gegen die Sorgen und den Frust.

Von Christian Schwarz

Sigmaringen – Die Zeichnungen im Comicstil zeigen hauptsächlich Szenen aus dem Friseuralltag, mal Friseuraction, mal Köpfe mit herausragend schönen Frisuren oder solchen, die’s noch werden wollen, sprich: beispielsweise mit Lockenwicklern auf dem Haupt.

„Ich habe gerade keine andere Beschäftigung, da komme ich auf solche Ideen“, verrät Leonore Geuder dem Südfinder. Von Beruf sei sie eigentlich Modedesignerin. „Unsere drei Geuder-Geschäfte leite ich nur.“ Nicht im Moment allerdings. Und so hat die Langeweile sie dazu getrieben, „alte Vorlieben wieder rauszukramen“.

Pin-Up-Motive, die an die Rock’n’Roll-Zeit erinnern, hat Leonore Geuder schon immer gemocht und gerne gezeichnet. Noch nie dienten sie aber in diesem Ausmaß dazu, sie von ihren Sorgen, von den ständig präsenten „Um-Gotteswillen-überleben-wir-das“-Gedanken, abzulenken. „Das Zeichnen hilft mir tatsächlich total, gibt mir Spaß und macht mir Mut.“

Rund 20 Gutscheine hat sie bereits gezeichnet, rund eine Stunde sitzt sie an einem Motiv. „Sollten sich die Bestellungen nach der Südfinder-Veröffentlichung vervielfachen, dann gebe ich alles und zeichne Tag und Nacht, um alle Nachfragen zu befriedigen“, verspricht sie lachend. Auf Kosten der Qualität wird dieser Einsatz aber nicht gehen. „Ich schludere die Bilder dann nicht einfach so hin, denn in erster Linie müssen sie für mich perfekt aussehen, bevor ich sie rausgebe.“

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Im künstlichen Koma

Coronakrise: Professor Funk spricht exklusiv im Südfinder

Wie wird die Zeit nach Corona? Stürzen wir tatsächlich in einen wirtschaftlichen Abgrund? Der Südfinder sprach exklusiv mit Wirtschaftsprofessor Wilfried Funk von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Professor Funk: Gerade unsere Unternehmen brauchen dringend Hilfe.

Von Christian Schwarz

Wie erleben Sie aktuell die Coronakrise?

Professor Wilfried Funk: Ich bin erfreulicherweise noch verschont von den Coronaviren und arbeite von zu Hause aus quasi in der „Büro-Quarantäne“. Aber es ist sicherlich für uns alle eine absolut neue, manchmal skurril anmutende Situation, wie ein so winziger Virus unsere gesamte Welt innerhalb von Tagen total verändert. Zum Teil leere Regale in den Läden, Hamsterkäufe, Kontaktsperren, keinerlei öffentliche Veranstaltungen, Krisen-stäbe sind Situationen, die wir von den Schilderungen unserer Großeltern kennen, aber nun zu unserer eigenen Realität gehören. Verhaltensweisen und Prioritäten verschieben sich radikal: Was noch vor wenigen Wochen für uns wichtig und selbstverständlich war, ist nun „auf einmal“ sekundär oder gar irrelevant angesichts der gesundheitlichen Herausforderungen.

Wie bewerten Sie als BWL-Professor die ökonomischen Wirkungen der Krise?

Es ist schon jetzt erkennbar, dass die Corona-Krise gravierende ökonomische Wirkungen hat. Produktionsstopps, geschlossene Hotels und Restaurants, geschlossene Einzelhandelsgeschäfte und Dienstleistungsbetriebe lassen erkennen, dass es nicht die Frage ist ob, sondern um wieviel die Wirtschaftsleistung sinken wird. Insofern gilt leider die Aussage, dass nun nicht nur Menschen sondern auch Unternehmen krank werden. Viele Unternehmen sind, um im Bild zu bleiben, in ein künstliches Koma versetzt. Da kleine Unternehmen aufgrund der Unternehmens- und Kapitalstruktur oft nur geringe finanzielle Rücklagen haben, kommen diese dabei sehr schnell an existentielle Probleme. Hier können oft nur direkte Zahlungen und nicht nur Kredite helfen, da etwa der Dienstleistungsbereich absolute Umsatzverluste und nicht nur Umsatzverschiebungen erleidet: Man wird nach Ende der Krise nicht an einem Abend zweimal essen gehen oder für sich allein dann zwei Hotelzimmer belegen.

Wie sehen Sie die ökonomische Situation hier in der Region?

Da unsere Region geprägt ist von kleinen und mittelständischen Unternehmen, sind entsprechende Hilfen umso dringender. Modifizierte Kurzarbeiterregelungen, Steuerstundungen, direkte finanzielle Hilfen, Hilfen aus Krisenfonds etc. können hier Instrumente sein, um die Wirkungen der Corona-Krise für Unternehmen und Beschäftigte zumindest abzufedern. Eine wirkliche Hilfe ist es jedoch nur dann, wenn sie schnell, unbürokratisch und transparent ist. Hier gilt die Weisheit: Worte sind gut, Taten sind jedoch viel besser!

Sie befassen sich als Experte schon seit vielen Jahren mit der Automobilindustrie. Wie sehen Sie die aktuelle Situation in dieser Branche?

Die Automobilbranche stand schon vor der Coronakrise vor gewaltigen Herausforderungen. Reduzierung der Abgasemissionen, Realisierung alternativer Antriebs- und Mobilitätskonzepte, Digitalisierung und Vernetzung sind Stichworte für den Transformationsprozess der Branche. Die Coronakrise mit Produktionsstopps, Absatzeinbrüchen und der Unterbrechung von Lieferketten begründet nun ein weiteres Problemfeld. Dies belastet wiederum in besonderer Weise die mittelständischen Zulieferbetriebe aufgrund der oft geringen finanziellen Ressourcen. Solidarität und umfassende Unterstützung, aber auch Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen, werden nach der Krise mehr denn je erforderlich sein.

Der Spruch „Die Krise ist auch eine Chance“ wird oft und manchmal auch unbekümmert benutzt. Sehen Sie positive Elemente in der aktuellen Situation?

Die aktuelle Situation ist für uns alle in diesem Ausmaß noch nie da gewesen und kommt einem beim Anblick menschenleerer Orte, geschlossener Geschäfte und Unternehmen fast surreal vor. Es ist jedoch beeindruckend, mit wieviel Engagement, Kreativität und Flexibilität die Menschen und Unternehmen sich helfen und versuchen, die Krise gemeinsam zu meistern. Solidarität und Hilfe sind dabei keine Worthülse, sondern Triebkraft für das Handeln. In dieser Krise wird auch schmerzlich bewusst, dass Güter und Dienstleistungen, die wir bisher als selbstverständlich erachteten, innerhalb von Tagen als wertvolle Gaben geschätzt werden. Es ist zu hoffen, dass diese Wertschätzung zum Beispiel auch für die Gesundheitsbereiche, kommunale Betriebe und Bildungseinrichtungen nach der Krise nicht auf Worte reduziert wird, sondern Leitlinie für unser aller Handeln bildet.

Wie reagiert die Hochschule auf die Corona-Krise?

Maßstab und Leitlinie ist uneingeschränkt der Schutz der Gesundheit von Studierenden und allen Hochschulangehörigen. Aktuell ist in Baden-Württemberg geplant, am 20. April das Sommersemester zu starten. Die besondere Krise erfordert jedoch auch besondere Konzepte. Wir versuchen sehr intensiv, den direkten Kontakt zu reduzieren und in besonderer Weise Online-Vorlesungen, Chatrooms, virtuelle Vorlesungsräume, videobasierte Veranstaltungen etc. zu realisieren. Für Studierende wie auch für Lehrende ist dies sicherlich eine große Herausforderung, diese Lehrformate für die unterschiedlichen Veranstaltungen zielorientiert einzusetzen. Bei all den Veränderungen und der Suche nach pragmatischen Lösungen ist jedoch der Schutz der Gesundheit aller das oberste Ziel.

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01.04.2020

Mundschutz gegen Bier

Pfiffige Idee der Brauerei Zoller-Hof geht durch die Decke

Die Landkreisverwaltung ruft alle Firmen auf, dem Krankenhaus, Ärzten und Rettungsdiensten dringend benötigte Schutzausrüstung anzubieten, wenn diese vorhanden ist oder produziert wird. Die Sigmaringer Brauerei Zoller-Hof lässt indes produzieren. Die „Mundschutz-Aktion“ ist eine äußerst pfiffige Idee. Und sie geht förmlich durch die Decke.

Von Christian Schwarz

Sigmaringen – Die Idee: Zoller-Hof kauft Stoffballen aus 100 Prozent Baumwolle und stellt Nähpakete zusammen, aus denen jeweils 100 Schutzmasken genäht werden können. Diese Nähpakete können im Tip-Getränkefachmarkt in Sigmaringen abgeholt werden.

Wer dann die mit der eigenen Nähmaschine geschneiderten 100 Mehrweg-Schutzmasken (bis 90 Grad waschbar) wieder im Tip-Getränkefachmarkt abliefert, erhält kostenlos zwei Kästen Bier oder wahlweise andere Getränke aus dem Zoller-Hof-Sortiment sowie einen Tankgutschein für 40 Euro.

Die Aktion geht durch die Decke, die Nachfrage nach den Nähpaketen kann kaum befriedigt werden. „Die erste Tranche für 10000 Mundschutzmasken ist bereits weg, wir haben eine lange Warteliste an Interessentinnen“, erzählt Zoller-Hof-Sprecher Frank Lemke. „Jetzt haben wir die zweite Tranche geordert.“ Damit wird aber erstmal die Warteliste versorgt, deswegen können im Moment keine weiteren Stoffpakete an Neuinteressentinnen abgegeben werden.

Und Lemke erzählt von den fünf sechzehnjährigen Mädchen, die sich Nähpakete besorgt und übers Wochenende bis zur Erschöpfung 500 Masken genäht hätten. Insgesamt verteilt Zoller-Hof dann rund 15000 Masken an die Feuerwehr, Betreuungseinrichtungen und in Handelsgeschäften – bevor die Aktion hoffentlich in die nächste Runde geht.

Bitte helft!

Das Landratsamt bittet alle Firmen, die FFP-2- oder FFP-3-Schutzmasken und -Anzüge (DIN EN 14126) sowie Mund- und Nasenschutz vorrätig haben, diese dem Landkreis unter Tel. 07571/102-5114 oder E- Mail: schutzausruestung@lrasig.de aktiv anzubieten.

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Brennpunkt Sigmaringen

Landkreis unter den Corona-Top-Ten – Fieberambulanz

Wer hätte das gedacht? Der Kreis Sigmaringen ist einer der Top-Ten-Corona-Brennpunkte deutschlandweit. Stand gestern Abend gibt es 346 bestätigte Infektionen, auch einen dritten Corona-Toten müssen wir vermelden. Im Kreis werden eine Fieberambulanz und Praxen mit Corona-Schwerpunkt eingerichtet. Auf der Homepage des Landratsamts Sigmaringen wird dargestellt, in welchem Maß das Virus in den einzelnen Kreisgemeinden wütet. Hier ist ein klares „Nord-Süd-Gefälle“ festzustellen.

Von Christian Schwarz

Kreis Sigmaringen – Mit 237,6 Corona-Infizierten auf 100000 Einwohner steht der Kreis Sigmaringen bundesweit auf Platz 7, in Baden-Württemberg auf Platz 3. Stand gestern Abend gibt es 346 bestätigte Corona-Fälle im Kreis. Vier davon werden im Sigmaringer Krankenhaus intensivmedizinisch behandelt. Zudem liegen 28 Infizierte auf den Corona-Stationen des Krankenhauses, sowie elf mit Verdacht auf Covid-19. Beim dritten Corona-Todesfall handelt es sich um eine über 90-Jährige mit mehreren Vorerkrankungen, die zu Hause starb. Aber: 41 Personen sind auch geheilt wieder aus der Quaratäne entlassen worden.

Auf seiner Homepage (www.landkreis-sigmaringen.de) zeigt die Kreisverwaltung tagesaktualisiert, welche Kreisgemeinden wie vom Coronavirus betroffen sind. Spitzenreiter sind hier die „Nordgemeinden“ Gammertingen, Stetten a.k.M. und Sigmaringen (31 bis 38 Infizierte), knapp dahinter Veringenstadt und Bad Saulgau (16 bis 23). Die restlichen Gemeinden bewegen sich im Bereich von null bis 15 Infizierten.

Weil die Zahlen der Corona-Infizierten rapide ansteigen, rüstet sich der Kreis weiter mit einer Reihe von neuen Maßnahmen.

Am Freitag geht auf dem Gelände der ehemaligen Sigmaringer Kaserne eine sogenannte Fieberambulanz in Betrieb. Dr. Stefanie Ullrich-Colaiacomo, Leiterin der Notfallpraxis Sigmaringen berichtet, dass die Praxen der niedergelassenen Ärzte im Augenblick noch gut alle Bürger untersuchen und beraten können. Weil es aber jeden Tag mehr werden, sollen die Praxen mit der Fieberambulanz entlastet werden.

Fünf Ärzte werden dort Bürger gezielt auf Covid-19-Symptome untersuchen. „Bei den Untersuchungen ist Fieber als Symptom von hoher Bedeutung, weitere Symptome sind Husten, Gliederschmerzen, Halsschmerzen und eventuell Durchfall“, erläutert die Ärztin.

Stellt der Arzt fest, dass eine stationäre Behandlung im Krankenhaus sinnvoll erscheint, wird der Patient in die SRH-Klinik nach Sigmaringen gebracht und dort weiter untersucht. Wenn eine stationäre Behandlung aber nicht sofort zwingend notwendig ist, schlägt der Arzt dem Gesundheitsamt einen Test in der Corona-Teststelle in Hohentengen vor. Vom Gesundheitsamt wird der Bürger dann informiert, ob und wann er sich testen lassen kann.

Weitere Anlaufstellen für Bürger, die glauben, sich mit Coronaviren angesteckt zu haben, sind auch die nun eingerichteten Corona-Schwerpunkt-Praxen, die auf Zuweisung von Hausärzten spezielle Infektsprechstunden anbieten. Es sind bis jetzt eine Praxis in Ostrach und eine in Bad Saulgau geplant.

Um darüber hinaus auch für weiter steigende Coronaerkrankungen gerüstet zu sein, hat das Landratsamt 188 Betten in der Kreissporthalle in Sigmaringen aufgestellt. „Ob wir diese einmal brauchen, wissen wir heute noch nicht. Wir alle hoffen, dass sie auch in Zukunft leer bleiben. Aber wir wollen Vorsorge für alle Eventualitäten treffen. Daher nutzen wir die Zeit jetzt, um uns so gut wie möglich vorzubereiten“, so Landrätin Stefanie Bürkle.

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25.03.2020

Einkaufen in Zeiten von Corona

Erfahrungsbericht: Es gibt nach wie vor (fast) alles – Klopapier-Hamster?

Mission Impossible? Mein Einkaufsauftrag vergangenen Donnerstag lautet: Flüssigseife und Einmalhandschuhe aus Gummi. Zugleich will ich sehen, was am Klopapierregal abgeht, denn Edeka in Mengen hat für heute Abend neue Ware angekündigt. Nachdem ich drei Tage durch Mengener und Sigmaringer Supermärkte getigert bin, kann ich sagen: Trotz anscheinend dauerleerer Regale bei Hygieneartikeln bekommt man mit Ausdauer, Geduld und ein bisschen Glück (fast) alles, was man braucht. Sogar Klopapier! Was der Eine nicht hat, hat der Andere. Allerdings muss ich nun mit dem schweren Makel des Klopapier-Hamsters leben.

Von Christian Schwarz

Mengen/Sigmaringen – Vergangener Donnerstag: Meine erste Station ist Edeka in Mengen. Am Vorabend hat die freundliche Verkäuferin angekündigt, dass heute Abend Ware, darunter auch Klopapier, ankommt. Nein, leider nicht, heißt es jetzt. Die Lieferung wurde auf Freitag, möglicherweise Montag verschoben. Wie schade. Dann wird es also nichts mit der heißen Schlacht am Klopapierregal, wo sich die Leute ja um die Rollen kloppen sollen. Ich gehe trotzdem zum Klopapierregal. Und siehe da: Wo gestern noch durchgehend gähnende Leere herrschte, liegt jetzt wenigstens Feucht-Klopapier aus. Obwohl ich’s nicht brauche, nehme ich zwei Packungen. Flüssigseife bekomme ich aber nicht. Einmalhandschuhe aus Gummi auch nicht.

Also gut, weiter geht’s. Ich schaue bei Lidl in Mengen vorbei. Auch hier sind die Regale mit bestimmten Hygieneartikeln leerer als leer. Oder? Im untersten Regal, im toten Winkel, steht eine einsame Nachfüllflasche Flüssigseife! Holunderduft. Die haben alle übersehen. Ist jetzt meine! Was für ein Stück Glück. Aber Einmal-Gummihandschuhe gibt’s auch hier nicht.

Vielleicht bei Penny in Mengen? Nein, auch keine Flüssigseife. Und kein Klopapier, logo. Dann schaue ich mal bei Norma in Mengen rein. Das übliche Bild, Hygieneregale weitgehend ausgeräumt. Ich frage die freundliche Verkäuferin nach Einmalhandschuhen. Keine da. „Nach Klopapier muss ich ja wohl erst gar nicht fragen“, sage ich. „Doch, wir haben gerade eine Lieferung reinbekommen. Ist noch hinten im Lager.“ Aber hallo! Die Verkäuferin holt die ersten Packungen. Ich nehme die erlaubten zwei, obwohl ich sie eigentlich nicht brauche. Aber die Dinger sind ja auch eher fürs Gemüt. Wie eine Jagdtrophäe. Sehen das vielleicht auch andere Klopapierkäufer so? Ist das des Rätsels Lösung?

Die Verkäuferin erzählt, dass es immer noch Leute gibt, die versuchen, zehn Packs auf einmal mitzunehmen. Dabei seien die Zentrallager bestens gefüllt, es gebe nur zeitweilige Engpässe. Auch Flüssigseife ist mitgekommen. Die müsste sie aber erst von den Paletten kramen, das will ich ihr nicht antun. Ich habe ja welche. „Kommen Sie morgen früh vorbei, da haben wir sie eingeräumt.“ Danke – aber nein.

Am Ende gehe ich zurück zu Edeka und hole mir die Mehrweghandschuhe, die es da gibt. Ein Kompromiss, aber ein guter.

Freitags schaue ich mich dann noch in Sigmaringen um. Im Edeka bekomme ich weder Klopapier noch Flüssigseife noch Einmalhandschuhe. Alles weg. Dann mal in den Müller Markt, der auf meinem Weg liegt. Wow. In den Regalen stehen einige Klopapierpackungen! Ich kann nicht widerstehen und nehme eine einer bestimmten Sorte mit. Die letzte. Eine junge Frau kommt und stellt einen identischen Pack zurück. „Ich darf nur zwei“, sagt sie. Als ich mir diesen Pack auch noch unter den Nagel reiße, greift sie in ihre Handtasche, holt eine Flasche mit Desinfektionsmittel raus und bietet mir einen Sprüher auf die Hand an. Dankend nehme ich an. Auch ein Dutzend Nachfüllpackungen Flüssigseife finde ich und nehme eine mit. Einweghandschuhe gibt’s aber auch hier nicht.

Als ich meinen Kollegen von meiner Einkaufstour erzähle, werde ich sofort als Klopapier-Hamster beschimpft. Ich bin unglücklich. Und weil wir den zweiten Klopapiereinkauf akut tatsächlich nicht brauchen, verschenke ich die Packungen. Das beruhigt mein schlechtes Gewissen ein wenig. Und ein Held bin ich auch noch.

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60 Leute am Abend

Corona-Testcenter gut angelaufen

Das Corona-Testcenter in Hohentengen, das vor einer Woche eröffnet wurde, ist gut angelaufen. Jeden Werktag werden innerhalb von drei Stunden 60 Personen getestet.

Von Christian Schwarz

Hohentengen – Am ersten Abend waren es noch 18 getestete Personen, am zweiten dann schon 40, sagt Landratsamtssprecher Tobias Kolbeck. Bereits am dritten Tag war die nötige Routine da, um 60 Tests durchzuführen. Mehr gehe nicht, weil die Laborkapazitäten begrenzt seien.

Von montags bis freitags (18 bis 21 Uhr) werdem im Testcenter auf dem ehemaligen Hohentenger Flugplatz, das zur Entlastung von Hausärzten und Kliniken eingerichtet wurde, Menschen auf Corona getestet, die von ihrem Hausarzt und dem Gesundheitsamt einen Termin bekommen haben. Und nur die dürfen rein, die Security führt eine Liste.

Wer nur einfach so kommt, wird abgewiesen. Vorfahren, Scheibe runter, die Abstriche werden direkt im Auto genommen, fertig.

Dann heißt es warten aufs Ergebnis. Laut Dr. Susanne Haag-Milz, Leiterin des Sigmaringer Gesundheitsamts, kann das im Moment drei bis vier Tage dauern.

Gerüstet gegen Corona

Mehr Betten und Beatmungsgeräte – Polizei greift durch

Im Kreis Sigmaringen gibt es momentan 128 bestätigte Corona-Fälle und einen zweiten Corona-Todesfall. Aber: Der Kreis scheint im weiteren Kampf gegen das Virus gut gerüstet zu sein. Noch eine gute Nachricht: Die meisten Kreisbewohner halten sich an die momentan geltenden Corona-Regeln – auch wenn die Polizei bei zahlreichen Corona-Kontrollen am Wochenende noch immer auf Unvernünftige traf. Die haben jetzt zum Teil Straf- und Bußgeldverfahren am Hals.

Von Christian Schwarz


Kreis Sigmaringen – Der Kreis Sigmaringen hat seinen zweiten Corona-Todesfall. Eine über 80-Jährige verstarb im Sigmaringer Krankenhaus, wo die Sigmaringer SRH-Kliniken ihre medizinischen und pflegerischen Kapazitäten für die Corona-Behandlung bündeln. Aber: Von den 128 Infizierten müssen im Moment nur fünf behandelt werden, zwei davon intensivmedizinisch. Zudem wurden drei Infizierte als gesund aus der Corona-Quarantäne entlassen. Trotzdem sieht der ärztliche Direktor des Sigmaringer Krankenhauses, Professor Dr. Georg von Boyen, die aktuelle Situation als „Ruhe vor dem Sturm“ an. Deswegen haben die Sigmaringer SRH-Kliniken ihre Kapazitäten für kommende Corona-Zeiten stark ausgebaut: Insgesamt 56 Betten stehen für Corona-Patienten und Verdachtsfälle zur Verfügung, ebenso zehn Beatmungsgeräte. Deren Zahl kann im Notfall mit weiteren Geräten aus dem OP-Bereich aufgestockt werden. Und falls ein Notfallkrankenhaus eröffnet werden müsste, hat sich der Kreis ein ehemaliges Pflegeheim in Meßkirch gesichert. Auch das leerstehende zweite Stockwerk des Pfullendorfer Krankenhauses dient als mögliche Reserve.

Die Unvernünftigen, die noch immer meinen, die Regeln gelten nicht für sie, werden von der Polizei zur Rechenschaft gezogen. Am Wochenende leiteten die Beamten bei rund 200 Corona-Kontrollfahrten im Bereich des Polizeipräsidiums Ravensburg, zu dem auch der Kreis Sigmaringen gehört, gegen insgesamt 23 Personen Straf- und Bußgeldverfahren nach dem Infektionsschutzgesetz ein. Saftige Strafen (bis 25000 Euro) inklusive. Zudem gab es 33 Platzverweise. Zumeist erwischten die Einsatzkräfte Leute, die in Gastronomiebetrieben sowohl im Innen- als auch im Außenbereich an Tischen bewirtet wurden oder in Gruppen bis zu zehn Personen am Tresen standen, ohne den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand einzuhalten.

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18.03.2020

Erster Corona-Toter im Landkreis

Knallhart-Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Pandemie – nicht alles zu

Rapide steigende Zahlen erwartet

Die Zahl der mit dem Corona-Virus Infizierten wächst auch im Kreis Sigmaringen sehr rasch an. Nach dem Bekanntwerden des ersten Falls am 4. März stehen nun (Stand Dienstagabend) 37 positiv getestete Fälle zu Buche. Am Montag starb ein mit Corona infizierter Mann im Krankenhaus. Nach Knallhart-Maßnahmen der Landesregierung fährt das öffentliche Leben in den kommenden Wochen auch im Landkreis bis fast auf null runter. Schulen und Kindertagesstätten richten Notfallbetreuungen für Kinder von Eltern, die in systemrelevanten Berufen“ arbeiten, ein. Landrätin Stefanie Bürkle bittet alle Einwohner, ihre sozialen Kontakte auf ein Minimum zu begrenzen. Und appelliert trotzdem, älteren und erkrankten Mitbürgern zu helfen.

Von Christian Schwarz

Kreis Sigmaringen – Nach dem knallharten Corona-Notfallplan, den Bund und Länder beschlossen haben und den natürlich auch der Landkreis Sigmaringen umsetzt, kommt das öffentliche Leben nun weitgehend zum Erliegen.

Erster Corona-Toter im Landkreis

Ein über 80-jähriger Patient, der an einer schweren Lungenentzündung litt, wurde gestern ins SRH-Krankenhaus Sigmaringen eingeliefert. Er verstarb dort wenig später. Bei ihm wurde auch das Coronavirus festgestellt. Aktuell sind noch 219 Tests offen, das Gesundheitsamt rechnet mit weiter rapide steigenden Fallzahlen in den nächsten Tagen.

Auch angesichts dieser Nachricht erneuert Landrätin Stefanie Bürkle ihren eindringlichen Appell an die Bürger, zu Hause zu bleiben. „Wer sich trotz Quarantäne unter anderen Menschen aufhält, riskiert, dass das Virus an ältere und erkrankte Mitbürger weitergegeben wird. Und für diese kann es mitunter tödlich enden.“ Auch all diejenigen, die keine Quarantäne haben, bittet die Landrätin, soziale Kontakte zu meiden. „Sport in Gruppen, Treffen mit Freunden im Bauwagen, der Eisdiele oder dem Restaurant müssen nun nicht mehr zwingend sein.“

Notfallbetreuung für Schulen und Kindertagesstätten

Schulen und Kindertagesstätten sind bis 19. April geschlossen. Einige Städte und Gemeinden mit Schulbetrieb wie Sigmaringen und Bad Saulgau richten Notfallbetreuungen ein. Diese können aber nur Eltern aus sogenannten „systemrelevanten Berufen“ in Anspruch nehmen (und auch nur, wenn beide Elternteile in diesen Berufen arbeiten oder alleinerziehend sind). Dazu gehören medizinisches und pflegerisches Personal, Hersteller von Medizinprodukten, die für Versorgung notwendig sind, Feuerwehr, Rettungsdienste und Katastrophenschutz, Telekommunikation, Energie, Wasser, öffentlicher Personennahverkehr, Entsorgung sowie die Lebensmittelbranche. Eltern, die diese Notfallbetreuung in Anspruch nehmen wollen, erfahren Details direkt bei den jeweiligen Schulen.

Gaststätten geschlossen – mit strengen Ausnahmen

Welche Einrichtungen bis auf Weiteres geschlossen bleiben, steht im Ticker auf unserer Titelseite. Der Betrieb von Gaststätten ist nun zwar grundsätzlich untersagt. Ausgenommen sind allerdings Speisegaststätten, die einen Abstand von mindestens eineinhalb Metern zwischen den Tischen sowie Stehplätze mit mindestens eineinhalb Metern Abstand zwischen den Personen gewährleisten können. Zudem müssen Anwesenheitslisten geführt werden, damit im Fall von Infektionen mögliche Kontaktpersonen für einen Zeitraum von einem Monat nachverfolgt werden können.

Corona-Hotline nur im Notfall anrufen

Bisher waren 120 Anrufe am Tag normal. Am Montag war die Corona-Hotline des Landratsamtes mit 1500 Anrufen erstmals total überlastet. Deswegen bittet das Gesundheitsamt, sich erst online auf der Landratsamts-Homepage zu informieren (oder anderweitig) und wirklich nur im äußersten Notfall anzurufen.

Dann aber gibt das Gesundheitsamt unter Tel. 07571/102-6466 täglich von 9 bis 12 und von 13 bis 16 Uhr gerne Auskunft. Aber: Fragen wie „Mein Hals kratzt, habe ich Corona?“, können natürgemäß nicht beantwortet werden und sind daher sinnlos.

Rapide steigende Zahlen erwartet

Die Zahl der mit dem Corona-Virus Infizierten wächst auch im Kreis Sigmaringen sehr rasch an. Nach dem Bekanntwerden des ersten Falls am 4. März stehen nun (Stand Dienstagabend) 37 positiv getestete Fälle zu Buche. Am Montag starb ein mit Corona infizierter Mann im Krankenhaus. Nach Knallhart-Maßnahmen der Landesregierung fährt das öffentliche Leben in den kommenden Wochen auch im Landkreis bis fast auf null runter. Schulen und Kindertagesstätten richten Notfallbetreuungen für Kinder von Eltern, die in systemrelevanten Berufen“ arbeiten, ein. Landrätin Stefanie Bürkle bittet alle Einwohner, ihre sozialen Kontakte auf ein Minimum zu begrenzen. Und appelliert trotzdem, älteren und erkrankten Mitbürgern zu helfen.

Von Christian Schwarz

Kreis Sigmaringen – Nach dem knallharten Corona-Notfallplan, den Bund und Länder beschlossen haben und den natürlich auch der Landkreis Sigmaringen umsetzt, kommt das öffentliche Leben nun weitgehend zum Erliegen.

Erster Corona-Toter im Landkreis

Ein über 80-jähriger Patient, der an einer schweren Lungenentzündung litt, wurde gestern ins SRH-Krankenhaus Sigmaringen eingeliefert. Er verstarb dort wenig später. Bei ihm wurde auch das Coronavirus festgestellt. Aktuell sind noch 219 Tests offen, das Gesundheitsamt rechnet mit weiter rapide steigenden Fallzahlen in den nächsten Tagen.

Auch angesichts dieser Nachricht erneuert Landrätin Stefanie Bürkle ihren eindringlichen Appell an die Bürger, zu Hause zu bleiben. „Wer sich trotz Quarantäne unter anderen Menschen aufhält, riskiert, dass das Virus an ältere und erkrankte Mitbürger weitergegeben wird. Und für diese kann es mitunter tödlich enden.“ Auch all diejenigen, die keine Quarantäne haben, bittet die Landrätin, soziale Kontakte zu meiden. „Sport in Gruppen, Treffen mit Freunden im Bauwagen, der Eisdiele oder dem Restaurant müssen nun nicht mehr zwingend sein.“

Notfallbetreuung für Schulen und Kindertagesstätten

Schulen und Kindertagesstätten sind bis 19. April geschlossen. Einige Städte und Gemeinden mit Schulbetrieb wie Sigmaringen und Bad Saulgau richten Notfallbetreuungen ein. Diese können aber nur Eltern aus sogenannten „systemrelevanten Berufen“ in Anspruch nehmen (und auch nur, wenn beide Elternteile in diesen Berufen arbeiten oder alleinerziehend sind). Dazu gehören medizinisches und pflegerisches Personal, Hersteller von Medizinprodukten, die für Versorgung notwendig sind, Feuerwehr, Rettungsdienste und Katastrophenschutz, Telekommunikation, Energie, Wasser, öffentlicher Personennahverkehr, Entsorgung sowie die Lebensmittelbranche. Eltern, die diese Notfallbetreuung in Anspruch nehmen wollen, erfahren Details direkt bei den jeweiligen Schulen.

Gaststätten geschlossen – mit strengen Ausnahmen

Welche Einrichtungen bis auf Weiteres geschlossen bleiben, steht im Ticker auf unserer Titelseite. Der Betrieb von Gaststätten ist nun zwar grundsätzlich untersagt. Ausgenommen sind allerdings Speisegaststätten, die einen Abstand von mindestens eineinhalb Metern zwischen den Tischen sowie Stehplätze mit mindestens eineinhalb Metern Abstand zwischen den Personen gewährleisten können. Zudem müssen Anwesenheitslisten geführt werden, damit im Fall von Infektionen mögliche Kontaktpersonen für einen Zeitraum von einem Monat nachverfolgt werden können.

Corona-Hotline nur im Notfall anrufen

Bisher waren 120 Anrufe am Tag normal. Am Montag war die Corona-Hotline des Landratsamtes mit 1500 Anrufen erstmals total überlastet. Deswegen bittet das Gesundheitsamt, sich erst online auf der Landratsamts-Homepage zu informieren (oder anderweitig) und wirklich nur im äußersten Notfall anzurufen.

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Rufbus kann nicht gerufen werden

Die Stadtwerke Sigmaringen stellen ab sofort den Rufbusverkehr ein. Der SIG BUS wurde 2018 eingeführt, um insbesondere die Abendstunden von 19 bis 21.30 Uhr abzudecken. „Da der Rufbusverkehr mit Kleinbussen durchgeführt wird, sehen wir uns gezwungen, zum Schutz der Fahrer und Fahrgäste das Angebot vorerst einzustellen“, erklärt Manfred Henselmann, Vertriebsleiter der Stadtwerke Sigmaringen.

Der reguläre Stadtbusverkehr ist davon nicht betroffen. Hier gilt weiterhin die Regelung, dass der Zustieg über die hinteren Türen erfolgen kann, um die Fahrer vor engen Kontakten zu schützen. Die geben im Moment auch keine Tickets mehr aus.

Mediziner und Biologen aus dem Hygienebereich dringend gesucht

Kreis Sigmaringen – Zur Unterstützung des Gesundheitsamts Sigmaringen sucht der Kreis dringend für zunächst drei Monate in Vollzeit oder Teilzeit Mediziner oder Biologen, der über Erfahrungen im Bereich der Hygiene und Mikrobiologie verfügt. Interessierte sollen sich an Personalleiterin Renate Brunke unter renate.brunke@lrasig.de oder 07571 102 2100 wenden.