Ehingen

Aktuelle Ausgabe 27.05.2020

Pferde als Corona-Helfer

Alexandra Ott bietet auf Pferde gestütztes Coaching

Homeoffice, Kinderbetreuung und knappe Kasse durch Kurzarbeit. „Durch Corona sind viele Menschen echt gestresst“, sagt Alexandra Ott und bietet „Coaching“, das sie auf ihre Pferde stützt, als Hilfe an.

Rettighofen – In der Corona-Krise gehe es oft darum, dass sich die Menschen durch die Vielzahl der Aufgaben, die plötzlich zu bewältigen sind, selbst überfordern, sagt Alexandra Ott und nennt Homeoffice, Kinderbetreuung, Haushalt, Home-Schooling und Kurzarbeit als Beispiele.

„Die Leute nehmen sich oft zu viel vor und setzen sich selber unter Druck, weil alles perfekt erledigt sein muss“, sagt sie.

Alle dabei entstehenden positiven und negativen Emotionen, so die Fachfrau, spiegle das Pferd dem Menschen zurück. „In der Interaktion mit den Pferden erkennen die Menschen, dass Manches nur halb so schlimm ist. Und dass auch mal was liegenbleiben darf, das später erledigt werden kann“, erklärt Alexandra Ott.

Pferdegestütztes Coaching habe nichts mit Reiten zu tun, sagt die Expertin, vielmehr übernehme das Pferd die Rolle eines Co-Coaches. „Das Pferd bringt den Menschen zur Selbstreflektion“, sagt sie und erklärt, dass für das pferdegestützte Coaching eine „Art Parcours“ aufgebaut werde, den ihre Klienten mit den Pferden durchlaufen. „Dabei kommt es zu Emotionen und Verhaltensweisen, die sich auf den Alltag und die Lebenssituation, also auch auf die stressigen Momente, die während der Corona-Krise entstehen können, übertragen lassen“.

Die Ruhe, die Natur und nicht zuletzt ihr Wildgehege in Rettighofen erleichtere das pferdegestützte Coaching für Menschen, die durch Corona in Stress geraten sind.

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Maske bis es Impfstoff gibt

Hilde Mattheis: „Die Krise ist nicht überstanden. Das Virus ist nicht besiegt“

Zunehmend wird in Frage gestellt, ob die Corona-Beschränkungen wirklich nötig sind und notwendig waren. Der Südfinder hat sich darüber mit der Gesundheitspolitikerin,  Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestags und SPD-Bundestagsabgeordneten Hilde Mattheis unterhalten.

Frau Mattheis, war der Lockdown wirklich nötig?

Ja, die schnelle und weitgehende Einstellung des öffentlichen Lebens war wirklich notwendig und sie war erfolgreich. Wir konnten die ungebremste Ausbreitung des Virus stoppen und damit das Gesundheitssystem vor einer Überlastung bewahren.

Die Alternative ist derzeit in Ländern wie Brasilien oder den USA zu sehen. Zum Teil auch in Schweden, das in der Relation zur Bevölkerungszahl eine viel höhere Todesrate als Deutschland aufweist.

Wie gefährlich ist das Coronavirus im Moment noch?

Die Infektionszahlen sind glücklicherweise gesunken, daher waren Lockerungen möglich. Die Gefährlichkeit des Virus hat sich aber dadurch nicht verändert. Es bleibt hochansteckend. Und da bisher keine Medikamente gegen Covid-19 zugelassen sind und am Impfstoff weiter geforscht wird, gibt es auch weiterhin keine Therapie.

Sind Abstand und Mundschutz denn noch nötig?

Das gesamte Maßnahmenpaket, also Abstand halten, Hände waschen, sonstige Hygienevorschriften einhalten, verbunden mit den Testungen und der Kontaktnachverfolgung, ist wichtig.

Der Lockdown hatte gravierende soziale und wirtschaftliche Auswirkungen. Deswegen war es richtig, die Beschränkungen in den vergangenen Wochen zu lockern. Um einen unkontrollierten Ausbruch des Virus aber zu verhindern, müssen jetzt andere Maßnahmen greifen. Dazu gehören nach wie vor Hygiene- und Abstandsregeln, Ausweitung der Tests, Infektionsnachverfolgung und jetzt eben auch die Maskenpflicht in Verkehrsmitteln und im Einzelhandel. Denn in geschlossen Räumen ist nach derzeitigem Wissen die Übertragung des Erregers wahrscheinlicher. Das Virus ist nicht besiegt.

Vor ein paar Wochen haben Virologen und Politiker noch gesagt, dass Schals und Tücher nicht schützen. Warum soll das jetzt anders sein?

Es handelt sich bei Covid-19 um einen zuvor unbekannten Virus. Zu Beginn der Pandemie lagen uns nur wenige wissenschaftliche Studien zu dessen Eigenschaften und Gefährlichkeit vor. Es war deswegen richtig entsprechend neuester Forschungsergebnisse die Maßnahmen regelmäßig anzupassen. Die Entscheidung zugunsten einer Maskenpflicht fiel beispielsweise, nachdem Untersuchungen nachwiesen, dass sehr viele Viren durch bloßes Sprechen in die Luft gelangen und dass diese lange dort bleiben und weitere Menschen infizieren können.

Wie lange müssen wir noch Masken tragen?

Ich wage derzeit keine Prognose zu den Maßnahmen. Wir versuchen eine Balance zu halten zwischen Aufhebung der Einschränkung und Infektionsschutz. Ich denke, wenn wir wieder ins Café gehen können, dafür aber eine Maske tragen müssen, dann ist das eine Verbesserung. Immerhin hat die Gastronomie wieder geöffnet. Ich glaube, dass es eine wirkliche Entspannung erst mit der Einführung eines Impfstoffs oder wirksamen Medikaments gibt.

7.    Wie viele Menschen sind „an Corona“ verstorben und wie viele verstarben „mit Corona“?

In der offiziellen Statistik werden alle Menschen gezählt, bei denen man als Todesursache klar Corona benennen kann sowie jene, die zwar positiv auf Corona getestet wurden, deren genaue Todesursache aber nicht feststellbar ist. Die festzustellen würde beispielsweise eine Autopsie erfordern, die aber Gefahren birgt. Das ist allerdings nicht neu. Die Krankenhäuser verfahren hier genauso wie bei anderen schweren Krankheitsverläufen mit möglichen auftretenden Komplikationen.

Zur Frage der Todesursachen wird weiter intensiv geforscht. Die Datenlage zeigt, dass sehr viele Tote bereits Vorerkrankungen hatten und älter sind. Das ist aber nicht ausschließlich so. Wir wissen auch von jungen und gesunden Menschen, die einen sehr schweren Corona-Verlauf hatten und verstarben. Sowohl Untersuchungen aus Deutschland als auch aus dem Vereinigten Königreich legen übrigens nahe, dass die Verstorbenen statistisch gesehen noch neun Jahre gelebt hätten. Also auch die Meinung, Corona würde nur hoch betagte Menschen treffen, ist wahrscheinlich falsch.

Entgegen aller Befürchtungen ist weder das deutsche Gesundheitssystem zusammengebrochen, noch starben Tausende an Corona. Warum sollen wir jetzt glauben, dass eine zweite Corona-Welle droht?

Eine zweite Ansteckungswelle kann jederzeit passieren, da weiterhin der Großteil der Bevölkerung nicht immun ist und wir auch keinen Impfstoff haben. Wenn die Reproduktionszahl wieder steigt, also ein Kranker mehr als einen anderen ansteckt, breitet sich das Virus aus und dann steigt auch wieder die Zahl der schweren Verläufe und der Toten. Die Spanische Grippe ist da ein trauriges Vorbild. Die verlief in drei Wellen, die erste Welle war im Frühjahr 1918, mit einer Beruhigung im Sommer und dann einem erneuten Ausbruch im Herbst, noch schlimmer als zuvor. Das darf uns nicht auch passieren. Solang wir dieses Virus nicht durch Impfstoff oder Medikamente bekämpfen können, müssen wir wachsam bleiben. Und das bedeutet für uns alle, dass wir die Maßnahmen der Distanzierung und der Hygieneregeln befolgen.

Hat die Bundesregierung die Corona-Krise gut gemeistert oder wurden da Fehler gemacht? Welche?

Wir haben die Krise noch nicht überstanden, aber insgesamt haben Bundesregierung, Bundestag und die Länder bis dato gut gearbeitet. Es ist vergleichsweise schnell gelungen, Hilfspakete zu schnüren, die Testkapazitäten hoch zu fahren und die Bevölkerung für die Gefahren zu sensibilisieren. Natürlich wurden Fehler gemacht. Das ist in einer völlig neuen Situation, auf die sich niemand genau vorbereiten konnte, auch normal. Uns werden dadurch unsere Defizite bewusst, etwa die Unterbesetzung der Gesundheitsämter, die in den vergangenen Jahren kaputtgespart wurden. Deshalb will ich die Daseinsvorsorge wieder stärken und im Grundgesetz verankert sehen.

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Ausgabe 20.05.2020

Urlaub auf den Balearen oder dem Balkon?

Ronja Kemmer: „Mit Abstand aber ohne Maske an den Badestrand“

Balkon statt Balearen? Ganz so schlimm wird es nichtkommen, sagt Ronja Kemmer. Der Südfinder hat die CDU-Bundestagsabgeordnete nach möglichen Urlaubsplänen gefragt.

Von Karl-Heinz Burghart

Region – Die Pfingstferien stehen vor der Tür und der Sommerurlaub ist nicht mehr weit. Auf die Frage welche Reisen möglich sein werden, antwortet Ronja Kemmer, dass

Auslandsreisen momentan noch Reise- und Quarantänebestimmungen der verschiedenen Länder entgegenstehen. Die Aussichten auf Urlaub in Deutschland aber sehr gut seien. „Die deutschen Hotels können spätestens ab Ende Mai wieder öffnen und in Ferienwohnungen und auf Campingplätzen können wieder Gäste empfangen werden“. Die Reisewarnung des Auswärtigen Amts laufe am 15.Juni aus und werde dann wohl nur noch für einige Länder gelten, sagt Kemmer. Die Abgeordnete ist wie Thomas Bareiß, der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, der Meinung, dass von Fernreisen abzuraten sei. Dafür müsse erst der Flugverkehr wieder anlaufen, sag sie und betont: „da muss jeder das Risiko auch selbst abwägen. In manchen Ländern wollte ich im Ernstfall nicht mit Corona im Krankenhaus liegen oder in Quarantäne eingesperrt sein“. Bei Reisen ins europäische Ausland, insbesondere im „Schengenraum“, so Kemmer, werde nach dem 15. Juni „wieder mehr möglich“ sein. Wann stark betroffene Länder wie Spanien und Italien wieder Tourismus zulassen, müsse dort geklärt werden. „Aber gegen einen Wanderurlaub in Österreich nach dem 15. Juni spricht aktuell gar nichts“, sagt sie.

„Aber alle Pläne können Makulatur sein, wenn die Infektionszahlen wieder stärker steigen. Ob wir reisen können, hängt immer davon ab, ob wir uns verantwortungsbewusst weiterhin an Abstandsregelungen, Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen halten“, so die Abgeordnete. Auf die Frage, wie der Urlaub in deutschen Hotels und an deutschen Stränden aussehen wird, antwortet Ronja Kemmer: „Die Bundesländer entscheiden, welche Auflagen Hotels bekommen“. Klassische Selbstbedienungs-Buffets werde es wohl nicht geben und die Abstandsregeln werden sicher auch in der Urlaubszeit gelten. Auch „Badevergnügen Handtuch an Handtuch“ verneint die Abgeordnete. So wie wir den Strandurlaub kannten, halte ich ihn nicht für möglich. Dass am Strand Schutzmasken getragen werden müssen, glaubt Ronja Kemmer nicht. „Aber sicher wäre es vielen von uns lieber, mit Maske am Strand zu liegen, als gar nicht in den Urlaub fahren zu können“, sagt sie.

Balkonien statt Balearen. Ist der Traum vom Sommerurlaub 2020 bereits ausgeträumt? Und was ist mit Reisen während der Pfingstferien?

Aktuell sieht es ja sehr gut aus. Die deutschen Hotels können alle spätestens ab Ende Mai wieder öffnen und in Ferienwohnungen und auf Campingplätzen können schon wieder Gäste empfangen werden. Es gibt aber bei Auslandsreisen noch Aspekte, die jetzt eine Rolle spielen, die uns aber in normalen Zeiten gar nicht so bewusst sind. Es gibt kein Ausreiseverbot, aber die Reiseländer verbieten aktuell die Einreise oder erschweren sie durch eine Quarantänepflicht, die zurzeit auch bei Rückkehr nach Deutschland gilt. Die Frage nach den Ferien im Ausland wird also insbesondere im Ausland getroffen. Wenn man jetzt schaut, dann ist der Pfingsturlaub bei wenigen Ausnahmen nur in Deutschland erlaubt.

Thomas Bareiß sagt, dass Fernreisen erst wieder denkbar seien, wenn ein Medikament gegen Corona existiere. Das verbietet alle Fernreisen in diesem Sommer. Oder?

Bei den Fernreisen kommt es auch auf die jeweiligen Reiseländer an. Zusätzlich muss dafür auch der Flugverkehr wieder anlaufen. Die pauschale Reisewarnung des Auswärtigen Amts läuft am 15.06. aus und wird im Anschluss wohl nur noch für einige Länder gelten. Aber man sollte immer zusätzlich das eigene Risiko abwägen. In manchen Ländern wollte ich im Ernstfall schon gar nicht mit Corona im Krankenhaus liegen oder bei Quarantäne eingesperrt sein.

Was ist mit Urlaub in unseren Nachbarländern oder auf den Balearen und den griechischen Inseln? Noch gibt es aber die allgemeine Reisewarnung und noch sind die Grenzen geschlossen. Wird sich das demnächst/bis zum Sommer ändern?

Mit Blick auf die Reisen im Schengenraum wird nach den aktuellen Plänen ab dem 15. Juni wieder mehr möglich sein. Ob und wann aber die stark betroffenen Länder wie Spanien und Italien ausländische Gäste empfangen, muss vor Ort geklärt werden. Gegen Wanderurlaub in Österreich ab dem 15.06. spricht aktuell nichts.

Wird bis zu den Sommerferien wieder „Schengen-Normalität“ eingekehrt sein?

Nach den aktuellen Planungen und differenziert auf einen Teil des Schengenraums, kann ich darauf ein klares ja geben. Aber alle Pläne können Makulatur sein, wenn die Infektionszahlen wieder stärker steigen. Ob wir reisen können, hängt immer davon ab, ob wir uns verantwortungsbewusst weiterhin an Abstandsregelungen, Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen halten – so schwer es uns manchmal auch fällt.

„Reisen in Deutschland“ stellen Experten bereits in Aussicht. Wenn die deutschen Reiseweltmeister alle in Deutschland Urlaub machen, wird es dann zu überfüllten Hotels kommen, in denen die Abstandregeln nicht mehr einzuhalten sind?

Letztendlich entscheiden die Bundesländer unter welchen Einschränkungen die Hotels und die Gastronomie arbeiten müssen. Klassische Selbstbedienungs-Buffets sind beispielsweise häufig nicht möglich. Das erfordert dann eine ganz andere Organisation durch die Hotels. Weil die Abstandsregeln wichtig sind, werden sie unseren Alltag wohl noch länger begleiten.

Strandbesuche an Nord- und Ostsee oder in Besuche in Freibädern oder an Badeseen. Wird es diesen Sommer „Badevergnügen Handtuch an Handtuch“ geben?

So wie wir das kannten, halte ich das nicht für möglich. Denn wenn eine erkrankte Person direkt alle vier Handtuch-Nachbarn infiziert, dann haben wir wieder eine Infektionswelle, auf der wir leider nicht surfen können. Stattdessen würden dadurch alle Erfolge zunichte gemacht.

Müssen Sonnenanbeter damit rechnen, sich mit Schutzmaske in die Sonne legen zu müssen?

Das glaube ich nicht, sofern die Abstandsregeln eingehalten werden können. Aber sicherlich wäre es uns lieber mit Maske am Strand zu liegen, als gar nicht in den Urlaub zu fahren, oder? Wichtig bleibt, die Abstandsregeln auch am Strand einzuhalten.

Viele tausend Urlaubsreisen wurden bereits storniert. Rückzahlungen bringen die Veranstalter an ihre Grenzen. Was ist der aktuelle Stand. Wie kommen die Verbraucher zu ihrem Recht? Wie wird der Reisebranche geholfen?

In der Reisebranche geht es gerade um Anzahlungen und Rückzahlungsverpflichtungen in Milliardenhöhe. Wenn diese Summen alle sofort ausgezahlt würden, dann könnten die meisten Reiseanbieter das Licht ausmachen. Durch die Stornierungen kommen auch die Reisebüros in große Schwierigkeiten, weil die Provisionen zurückverlangt werden. Ich stelle mir einen Fonds vor, der die Rückzahlungsverpflichtungen abnimmt, sodass davon sowohl Reisebranche und Verbraucher profitieren. Zudem wird es weitere Hilfen geben müssen, wenn die Zeitspanne, in der kein Geld verdient werden kann, länger wird.

Werden Abstandsregeln, Hygieneverordnungen und Maskenpflicht, nach Ihrer Meinung, den Sommer überdauern?

Die konkreten Regelungen werden sich vermutlich immer wieder ändern, weil wir immer noch mitten in der Pandemie sind. Beim Überschreiten der Infektionsobergrenze könnte es auch in bestimmten Landkreisen wieder zur Quarantäne und zum Shutdown kommen.

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Ausgabe 14.05.2020

Spielplätze sind wieder offen

Spielen nur nach strenger Vorschrift

Region – Seit der vergangenen Woche dürfen Kinder wieder auf den vielen Spielplätzen der Region wieder spielen und toben. Aber nur, wenn sie die strengen Vorschriften einhalten, die von den Ordnungsämtern und der Polizei sicher überprüft werden. Die Stadt Ehingen hat auf ihren 30 Spielplätzen in der Stadt und 32 Spielplätzen in den Teilorten große Schilder aufgestellt, auf denen die „Corona-Spielregeln“ dargestellt sind.

So darf nur eine bestimmte Anzahl von Kindern, die alle in Begleitung eines Erwachsenen sein müssen, gleichzeitig auf den Plätzen spielen. Die Kinderzahl hängt von der Größe des Spielplatzes ab, weil pro zehn Quadratmeter Spielplatzfläche ein Kind auf den Platz sein darf. Zudem ist Körperkontakt zu vermeiden, die 1,5 Meter-Abstandsregel ist auch von Kindern auf den Spielplätzen einzuhalten und es darf dort nicht gemeinsam gegessen oder getrunken werden.

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„Europa wird die Krise überstehen“

Norbert Lins: „Europa war nicht optimal vorbereitet“

Die Grenzen geschlossen, jedes Land nur mit sich selbst beschäftigt und der europäische Gedanke ist ganz weit weg. Der Südfinder hat den Europaabgeordneten Norbert Lins (CDU) gefragt, ob Europa durch die Corona-Krise gespalten wurde und ob die EU die Pandemie überleben wird.

Von Karl-Heinz Burghart

Region – Das Europäische Parlament sei nicht optimal auf die Krise vorbereitet gewesen, antwortet Norbert Lins auf die Frage, ob Europa angesichts geschlossener Grenzen und

zunehmender Kirchturmpolitik der Mitgliedsstaaten zerfalle. „Die Reaktion der EU hätte anders ausfallen müssen“, sagt Lins und zitiert Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die von einem „schädlichen Verhalten, das hätte vermieden werden können“ sprach. „Das komplette Handeln gehört nach der Pandemie auf den Prüfstand. Aber Europa wurde keinesfalls gespalten“, so der Abgeordnete. Vielmehr betont Lins, dass der Zusammenhalt der EU durch Corona gestärkt wurde. „In der aktuellen Notsituation kann es nur eine gemeinsame europäische Antwort geben“. Und das sie allen, nach den Anlaufschwierigkeiten, auch klar.

Er sei stolz, dass die EU in den vergangenen Wochen immer handlungsfähig war. Noch vor kurzer Zeit sei die heutige Situation im EU-Parlament nicht vorstellbar gewesen. „Wir sind in kürzester Zeit in die digitale Welt umgezogen, arbeiten jetzt virtuell miteinander und das klappt erstaunlich gut. Wir haben in zwei Online-Plenartagungen große Maßnahmenpakete geschnürt“, sagt Norbert Lins. Besonders betont der Abgeordnete die große Hilfsbereitschaft innerhalb der 27 EU-Länder und nennt Teams von Ärzten und Pflegern, die europäische Krankenhäuser unterstützen, Patienten, die aus dem Ausland in deutsche Krankenhäuser geflogen wurden, die Verteilung von Hilfsgütern und die Rückholung gestrandeter EU-Bürger in ihre Heimatländer als Beispiele. „Das zeigt wie stark die EU ist. Europa ist stark und wird die Krise überstehen“, sagt Lins. Den Vorwurf, dass Europa als Krisenmanager versagt hat, lässt der Abgeordnete nicht gelten. „Die Europäische Union hat im Gesundheitswesen keine Kompetenz, das ist Ländersache. Die EU kann da nicht in die Länder hineinregieren. Trotzdem müssen wir überlegen, wie sich die EU künftig besser auf einen Katastrophenfall oder auf eine Notsituation vorbereiten kann“

Auf die Frage, wie weit Europa durch die Pandemie zurückgeworfen werde, antwortet Lins: „Gar nicht. Wir werden gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. Und zwar sowohl national als auch EU-weit. Alle 27 EU-Länder haben verstanden, dass wir ein viel besseres Ergebnis erzielen, wenn wir uns gegenseitig helfen und unterstützen. Dazu gehört es auch, Vorgänge wie zum Beispiel Grenzschließungen abzusprechen. Hier hatten wir Startschwierigkeiten und da müssen wir uns noch verbessern“. Trotz der Lockerungen in den einzelnen EU-Ländern, müsse die Ausbreitung des Virus weiterhin genau beobachtet werden. „Und im nächsten Schritt geht es dann darum, die europäische Wirtschaft wieder anzukurbeln“.

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Ausgabe 06.05.2020

Keine Verbote ohne Gefahr

FDP-Bundestagsabgeordneter Alexander Kulitz: „Wir brauchen mehr Corona-Tests“

„Den jetzigen Zustand brauchen wir nicht mehr für den Gesundheitsschutz“, sagt FDP-Chef Christian Lindner und der FDP-Fraktionsvorsitzende im Landtag Hans-Ulrich Rülke fordert „Die Freiheitsrechte zurück“. Der Südfinder hat sich mit Alexander Kulitz, dem Ulmer Bundestagsabgeordneten der FDP, unterhalten.

Von Karl-Heinz Burghart

Herr Kulitz, bislang hat die FDP nur Details des Krisenmanagements kritisiert. Haben die Regierungen als einen guten Job gemacht?

Nein, aber die FDP macht keine Fundamental-Opposition. In der akuten Krise galt es das Management nicht zu behindern und beim Überwinden der Krise zu unterstützen. Obwohl wir Fehler sahen, haben wir stillgehalten, weil draufhauen zu der Zeit falsch gewesen wäre. Aber damit muss jetzt Schluss sein.

Wieso jetzt?

Weil die akute Krise überwunden ist und die ersten Erfahrungen mit Corona vorhanden sind. Jetzt darf das Virusa nicht als Ausrede für politische Entscheidungen benutzt werden. Die grundlose Einschränkung von Bürgerrechten ist verfassungswidrig und staatliche Willkür darf es in unserem Land einfach nicht geben.

Also die Beschränkungen lockern?

Hier geht es nicht um Lockerungen. Das ist eine völlig verdrehte Sicht. Es ist nicht der Staat, der uns jetzt was zu erlauben hat. Ganz im Gegenteil: Der Staat hat unsere Grundrechte beschränkt und das darf er nur, wenn ein echter Grund vorliegt. Dass große Geschäfte zu bleiben müssen und Großveranstaltungen bis 31. August verboten sind, ist vollkommen willkürlich festgelegt. Der Staat müsste aber in jedem Fall begründen, warum er mit den einzelnen Maßnahmen unsere Grundrechte beschneidet.

Lockern um jeden Preis?

Nein. Aber dort wo keine Gefahr zu erkennen ist, muss gelockert werden. Weder Branche noch Größe dürfen eine Rolle spielen. Es darf einzig um die Abstände und die Hygiene gehen. Dort wo das eingehalten werden kann, ist zu lockern. Wo nicht, müssen die Beschränkungen bleiben. Und da geht es nicht um Gerechtigkeit, weder in der Wirtschaft, noch im Sport. Wenn im Golf die Abstände zu wahren sind, gibt es keinen Grund diesen Sport zu verbieten. Wenn’s beim Fußball nicht geht, muss Fußball eben ausfallen.

Die FDP steht für persönliche Freiheitsrechte. Wiegen die stärker als die körperliche Unversehrtheit?

Das kommt auf die Situation und die juristische Abwägung an. Am Anfang der Krise, als alles noch völlig unklar war, konnte die Gesundheit über allem stehen. Jetzt, zwei Monate später, muss zwar jede Maßnahme immer noch dem Gesundheitsschutz dienen, sie muss aber täglich genau daran gemessen werden. Macht die Maßnahme für diese Region, diese Branche oder diesen Sport keinen gesundheitlichen Sinn mehr, muss sie umgehend abgeschafft werden.

Wie soll diese Überprüfung ablaufen?

Das geht natürlich nur, wenn wir viel mehr als im Moment testen. Testkapazitäten sind vorhanden und wenn die nicht reichen, müssen eben weitere geschaffen werden. Das kann doch nicht so schwer sein. Außerdem braucht’s endlich repräsentative Tests, die mit Stichproben ermitteln, wie viel Menschen im Land und in der Region wirklich an Corona erkrankt sind. Wo Gefahren sind, muss mehr getestet werden. Wo wenig oder keine Gefahren sind, brauchst weniger Tests und die Beschränkungen können gelockert werden. Ohne Test weiß ich nicht, wo die Gefahren sind. Ohne Gefahr sind die Beschränkungen aber verfassungswidrig. Es darf einfach nichts mehr verboten werden, von dem keine Gefahr ausgeht.

Erst dominierte die Klimakrise, dann Corona. Werden die Themen der FDP überhaupt noch gehört?

Die Stunde der FDP fängt jetzt erst an, weil jetzt und in naher Zukunft genau die Inhalte der klassischen FDP-Themen in Gefahr sind. Über beschränkte und oft willkürlich beschnittene Freiheits- und Grundrechte haben wir uns unterhalten. Demnächst wird zur Urlaubszeit sicher ein weiteres unserer Freiheitsrechte erheblich eingeschränkt werden. Und durch Corona marschieren wir auf die größte Rezession zu, die unsere Bundesrepublik seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt hat. Dann braucht’s gute Wirtschaftspolitik und die war immer schon ein klassisches FDP-Thema.

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Die Maske gibt Sicherheit

In den Städten sind wieder mehr Menschen unterwegs

Beschränkungen werden zwar gelockert, aber Masken müssen getragen und Abstände eingehalten werden. Der Südfinder hat in den Rathäusern von Ehingen und Munderkingen nachgefragt, ob sich die Leute daran halten.

Von Karl-Heinz Burghart

Region – „Es ist wie im normalen Leben:

Die meisten Leute halten sich dran, ein paar wenige halt nicht“, sagt Munderkingens Bürgermeister Michael Lohner. „Vernunft und Disziplin“ seien beim „Großteil der Bevölkerung löblich“, sagt auch Anna Draksimovic, Referentin von Oberbürgermeister Alexander Baumann im Ehinger Rathaus und betont: „Gravierende Verstöße konnten wir nicht feststellen“. In Munderkingen hätten sich die Menschen zwischenzeitlich an die Vorgaben gewöhnt, sagt der Bürgermeister. „Wenn Polizei oder Ordnungsamt kontrollieren, müssen sie ab und zu verwarnen und selten auch mal Bußgelder verhängen“. Bei der Maskenpflicht habe es in Ehingen zunächst „noch gewisse Nachlässigkeiten“ gegeben, die aber geklärt werden konnten. „In der Stadt sind wieder deutlich mehr Menschen unterwegs. Wer aber gegen die Maskenpflicht verstößt, muss mit einen Bußgeld von 15 Euro rechnen“, sagt Anna Draksimovic. Dass die Maske mehr Sicherheit gibt, vermutet Michael Lohner. „Seit die Pflicht ist, sind mehr Leute in der Stadt unterwegs“, sagt er. „Die Menschen sind aber verhaltener. Sowohl im Umgang miteinander, als auch bei ihren Einkäufen“.

Die aktuellen Zahlen, Stand Dienstag, 17 Uhr, weisen 809 Corona-Fälle in der Region aus. Davon 552 im Alb-Donau-Kreis und 257 in Ulm. 660 der Patienten sind zwischenzeitlich genesen, 19 Patienten, 13 im Kreis und sechs in Ulm, sind durch den Coronavirus verstorben.

Halten sich die Leute an die Corona-Vorschriften (Abstand, Masken)?

Ja, die Disziplin und Vernunft des Großteils der Bevölkerung sind löblich.

Gab es bislang (gravierende) Verstöße?

Gravierende Verstöße konnten nicht festgestellt werden. Es gibt bei manchen Geschäften oder Kunden noch gewisse Nachlässigkeiten oder Unsicherheiten, die sich aber binnen weniger Tage sicher klären lassen.

Wie wird in Ehingen mit „Maskenverweigerern“ oder „Engstehenden“ umgegangen?

Die Polizei kontrolliert im Rahmen ihrer Streifen auch die Vorgaben der sogenannten Corona-Verordnung. Das Ordnungsamt führt ebenfalls stichprobenweise Kontrollen durch. Bußgelder können ab dem 4. Mai auferlegt werden. In Baden-Württemberg wird ein Verstoß gegen die Maskenpflicht mit 15 Euro geahndet.

Sind seit der Maskenpflicht mehr Leute unterwegs? Trauen sich die Leute mit Masken eher aus dem Haus?

Man hat durchaus den Eindruck, dass seit Öffnung der Geschäfte wieder mehr Menschen in der Stadt sind.

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Ausgabe 29.04.2020

„ Probleme kommen erst“

Sportkreis-Präsident Georg Steinle: „Sportler sind in der Regel solidarisch“

Die Sportvereine der Region sind heruntergefahren. Seit Wochen finden weder Mannschaftstraining noch Wettkämpfe statt. Und weil Veranstaltungen abgesagt wurden, fallen auch Einnahmen weg. Der Südfinder hat sich mit Georg Steinle, dem Präsidenten des Sportkreises Alb-Donau/Ulm, über die Situation der Sportvereine unterhalten.

Von Karl- Heinz Burghart

Herr Steinle, wie geht es den Sportvereinen in der Region? Momentan ist da noch Stille, kein Verein hat sich bislang mit Problemen an mich gewandt. Ich denke aber, dass vor allem finanzielle Probleme erst zeitversetzt später auftauchen werden. Der Sportbund macht momentan bei den Vereinen eine Umfrage, in der die Sorgen abgefragt werden. Die Auswertung wird wohl bis Mitte Mai vorliegen, auch für unseren Sportkreis. Und wie fühlen sich die Sportler? Die meisten bedauern zwar, dass sie nicht gemeinsam trainieren können, halten sich aber selber fit und manche Trainer haben „Fernprogramme“ für die Fitness entwickelt. Trotzdem denke ich, dass die Fitness insgesamt nachlassen wird und das Zusammenspiel von Mannschaften unter Corona leidet. Sind Vereine der Region denn schon in finanzieller Schieflage? Wie gesagt, das wird zeitversetzt kommen. Bislang ist im Sportkreis noch nichts bekannt. Wir haben drei Großvereine in der Region, die hauptberufliche Mitarbeiter beschäftigen und teils hohe Mieten zahlen. Die werden sicher viel schneller in Schieflage geraten, wie die kleineren Vereine, die meist von Ehrenamtlichen getragen werden. Ist auf das Ehrenamt Verlass? Ja. Sportler sind solidarisch. Die Mitglieder werden ihren Sportvereinen bestimmt treu bleiben. Die Sportvereine halten zusammen und gehen gemeinsam durch die Krise. Das gilt sicher auch für viele im Ehrenamt. Trotzdem befürchte ich ein bisschen, dass einige der Ehrenamtlichen während der Corona-Auszeit gemerkt haben, dass sich auch ohne Aufgabe im Verein leben lässt. Dass die abspringen, muss unbedingt verhindert werden. Bekommen die Vereine finanzielle Hilfen von Verbänden? Der WLSB bietet auch außerhalb von Corona eine Notfallhilfe an, deren Höhe abhängig vom entstandenen Schaden ist. Außerdem wollen wir unter den Rettungsschirm von Bund und Land, um Vereine mit ihren sportlichen Aktivitäten zu schützen. Da werden wir die zuständige Ministerin Susanne Eisenmann, die betont hat, dass Vereine nicht im Stich gelassen werden, beim Wort nehmen. Sollen Einzelsportarten, wie Tennis, Golf oder Reiten, wieder zugelassen werden? Das wäre theoretisch denkbar. Aber hier geht es um Grundsätze. Es ist den Mannschaftssportlern einfach schwer zu vermitteln, dass die anderen Sport treiben dürfen. Auf alle Fälle muss vermeiden werden die Sportarten gegeneinander auszuspielen und Zwietracht zu säen. Was meinen Sie: Wann darf wieder trainiert werden? Ich gehe davon aus, dass Ende Mai die nächsten Lockerungen kommen und dann der Sport dran ist. Zunächst wird wohl der Einzelsport erlaubt. Mannschaftssport wie Fußball muss sicher noch länger warten. Das ist ja bereits Vieles beschlossene Sache, so sind die beispielsweise in Bayern die Amateurligen im Fußball bereits abgesagt. Was halten Sie von Geisterspielen? Gar nichts, nicht in der Bundesliga und erst recht nicht bei den Amateuren. Zum Fußball gehören Zuschauer und Anfeuerungen. Aber auch in anderen Sportarten sind Wettkämpfe ohne Publikum nicht vorstellbar, etwa bei Reitturnieren. Den Verantwortlichen der Bundesliga rate ich, die Corona-Krise zu nutzen, um mal in sich zu gehen und über den Sinn von Riesengehältern und riesigen Ablösesummen nachzudenken. Und was ist mit der Olympiade? Ich hoffe dass die Olympischen Spiele 2021 stattfinden können. Mir tun die Sportler leid, die jetzt nicht nach Tokio reisen dürfen. Ich denke da an Alina Reh, eine unserer Vorzeige-Athletinnen in der Region. Die sich, wie viele andere, auf den Punkt vorbereitet hat und nun daheim bleiben muss. Ich hoffe die Olympioniken schaffen es, auch 2021 wieder so fit und leistungsfähig zu sein. Wird der Sportbetrieb auf den verschiedenen Ebenen nach Corona weitergehen wie bisher? Ich denke, da wird sich in der Sichtweise der Sportler was ändern. Sport in den Vereinen steht auch für Geselligkeit und Gemeinsamkeit. Das hat sich in der Vergangenheit ein bisschen hin zum Einzelsportler in einem Studio verändert. Durch die Corona-Isolation ist aber sicher der Wert der Gemeinschaft beiden Leuten wieder ins Bewusstsein gerückt. Das könnte sich positiv auf unsere Sportvereine auswirken.

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Ausgabe 15.04.2020

„Das Virus ist keine Strafe“

Pfarrer Loi: „Auch die Bibel kennt Zahlensymbole“

Die Zahl „537354“ schütze vor dem Coronavirus und könne Infizierte heilen. Das behaupten Esoterik-Gurus und fordern diese Zahl möglichst oft sichtbar zu machen. „Zahlen haben sicher keine Selbstheilungskräfte. Das gehört in den Bereich des Aberglaubens“, sagt Pfarrer Gianfranco Loi aus Obermarchtal.


Region – Als Theologe könne er durchaus etwas mit Zahlensymbolik anfangen, sagt Pfarrer Loi und nennt die Zahlen 1, 7 und 12 als Beispiele. „Die 1 steht in der Heiligen Schrift für Vollkommenheit, denn Gott ist nur Einer“, sagt der Pfarrer. „Die Zahl 7steht für die Fülle, daher auch die 7 Sakramente oder die 7 Tage, an denen die Welt erschaffen wurde“. Die 12 stehe aus theologischer Sicht für die Vollständigkeit, so Loi. „12 Monate hat das Jahr, das Volk Gottes im Alten Testament besteht aus 12 Stämmen und die 12 Jünger Jesu sind die Repräsentanten aus dem Gottesvolk“. Zahlensymbolik sei also nichts Neues, sagt der Geistliche, sie werde heute aber besonders von esoterischen Kreisen genutzt. „Zahlen haben keine Selbstheilungskräfte“, sagt Pfarrer Loi und betont, dass solche Behauptungen theologisch nicht haltbar seien. „Ich würde das sogar als Aberglaube bezeichnen“, sagt er. „In Krisenzeiten kommen immer wieder Verschwörungstheorien auf“, so der Pfarrer. Dass eine Epidemie die Strafe Gottes als Folge des Verzehrs tierischer Produkte sei, weil der Mensch seit seiner Erschaffung durch Gott im Paradies eigentlich Vegetarier ist. „Das kann so überhaupt nicht stehen bleiben“, sagt der Pfarrer. „Gott gab dem Menschen die Willensfreiheit und damit auch die Möglichkeit sich gegen ihn zu entscheiden. In den Virus eine Strafe Gottes zu, halte ich für bloße Angstmache und nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar“.

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Betriebe wollen Lockerungen

„Ende in Sicht“ oder „auf dem Zahnfleisch“ – das sind Sätze die derzeit aus kleineren Betrieben zu hören sind. Der Südfinder hat in der Region nachgefragt.

Region – „Die Betriebe brauchen unbedingt wieder Umsätze“, sagt Michael Strobl, Vorsitzender des Gewerbevereins ins Schelkingen. „Wir müssen schnell wieder zur Normalität finden, sonst bleiben manche auf der Strecke“. Auch Karl-Heinz Dicknöther, Vorsitzender des Gewerbevereins „GHF Ehingen“ sagt, dass „Lockerungen, sobald es möglich ist, zügig kommen müssen“. „Ohne baldige Einnahmen, sind viele der kleinen Betriebe sonst nach der Krise verschwunden“. „Die Unsicherheit, wann wieder gearbeitet werden kann, macht viele total mürbe“, sagt der Munderkinger Unternehmer Otto-Martin Edel. Er betont: „Wenn das Mai- oder gar Sommergeschäft ausfällt, wird die Pleitewelle groß sein“. Die Soforthilfen des Staates könnten nur sehr kurzfristig für die Zahlungsfähigkeit sorgen, sagt Dicknöther, Strobl spricht von „einem kleinen Tropfen auf den heißen Stein“ und Edel fordert, dass die Betriebe „wenn es wieder los geht, eine Anlaufhilfe, etwa durch Steuererleichterungen“ bekommen. An die Zeiten nach der Krise denkt auch Michael Strobl: „Die Leute sollten dann verstärkt beim Einzelhandel einkaufen, um die Geschäfte erhalten zu können“. Auch Karl-Heinz Dicknöther hofft auf die spätere Unterstützung der Kunden. „Unsere Regierungen leisten im Moment echt tolle Arbeit. Die Hilfen kamen schnell und sind für den Anfang sehr gut“, sagt Michael Strobl. „Die Stricke der Bürokratie bei den Anträgen sind aber sehr vielfältig“, ergänzt Otto-Martin Edel, „und das beginnt schon beim Beamtendeutsch in den Erklärungen“.

Stellen Sie Manuel Hagel Ihre Fragen zu Corona

Der CDU-Landtagsabgeordnete am Südfinder-Telefon

Wer eine wichtige Frage zum Thema Corona hat, sollte sich diesen Termin rot im Kalender anstreichen: Freitag, 17. April 2020, 16 Uhr bis 17 Uhr. Dann wird der Landtagsabgeordnete und CDU-Generalsekretär in die Südfinder-Redaktion kommen, um Ihre Fragen telefonisch zu beantworten. Sie erreichen Manuel Hagel in der genannten Zeit direkt und persönlich unter der Rufnummer 07391/5004 24.

Von Karl-Heinz Burghart

Region – Es sind Fragen wie diese, die uns umtreiben: Müssen wir bald Schutzmasken tragen? Wie lange gelten die Kontaktbeschränkungen? Wann öffnen die Geschäfte wieder? Wem hilft das Land? Welche Steuern werden jetzt gestundet? Wie läuft das mit der Kurzarbeit? Wie beantrage ich Soforthilfe?

Manuel Hagel wird diese und ähnliche Fragen bestmöglich beantworten. Bevor Sie zum Telefon greifen, sollten Sie allerdings prüfen, ob Ihre Frage nicht bereits auf einer offiziellen Website, etwa der des Landratsamts, beantwortet wurde. Unter www.alb-donau-kreis.de sind Antworten auf viele der häufig gestellten Fragen zum Thema Corona, sowie weiterführende Links zu finden.

Ablaufen wird die Telefonaktion mit dem Abgeordneten Manuel Hagel wie folgt: Sie rufen zwischen 16 Uhr und 17 Uhr bei uns in der Redaktion an. Das Telefon von Manuel Hagel ist auf laut gestellt, wir schreiben die wichtigsten Fragen mit. Die Antworten veröffentlichen wir dann am Mittwoch, 22. April 2020 im Südfinder. Selbstverständlich ohne ihren Namen zu nennen. Wir freuen uns auf Ihren Anruf.

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08.04.2020

Atemmasken waren als Füllmaterial im Paket

Betrieb aus der Region erhält ein „Geschenk aus China“

Da haben Geschäftsführer Markus Schmitz und seine Mitarbeiter nicht schlecht gestaunt, als sie in einer Lieferung aus China verpackte Atemschutzmasken statt Polsterfolie gefunden haben. Der Südfinder hat nachgefragt.

Region – Die Firma EMB stellt in Mittelbiberach Elektromotoren und Generatoren her und bezieht dazu verschiedene Teile aus China. „Durch die Coronakrise war der Materialfluss lange zum Erliegen gekommen“, sagt Geschäftsführer Markus Schmitz und betont, dass er vergangene Woche froh gewesen sei, dass „es jetzt wieder los ging und endlich die ersehnten Waren wieder eintreffen“. Im ersten Paket aus China wurden Hochleistungsmagnete geliefert.

Da staunte Mitarbeiterin Simone Frankenhauser aus Unterstadion aber nicht schlecht, als sie das Paket öffnete. „Anstatt wie sonst üblich, war das Päckchen nicht mit Karton oder Polsterfolie ausgefüttert, sondern mit Original-Packungen und jeder Menge Atemschutzmasken“, sagt sie. „Leider nicht dieSchutzmasken für medizinisches Personal, sonst hätten wir sie sofort gespendet“, ergänzt ihr Chef.

Obwohl Markus Schmitz sehr froh über die endlich erfolgte Lieferung aus China ist, macht sie ihm auch ein bisschen Angst,. Er sagt: „Unser Lieferant aus China scheint ganz genau zu wissen, was wir im Moment brauchen und was da noch auf uns zurollt“.

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Klopapier-Muffins und Osterhasen

Munderkingen – Eine ungewöhnliche Aktion haben Elisabeth Meixel und Christopher Baer im Munderkinger Café Knebel gestartet. Weil das Café im Moment geschlossen sein muss, die handgemachten Schoko-Osterhasen, manche sogar mit Corono-Mundschutz, aber auf die Käufer warten, werden kostenlose „Klopapier-Muffins“ verteilt. „Ein Gag der auf den Ernst der Lage hinweisen soll“, sagt Konditormeister Baer. Das bunte Gebäck weist auf das Café Knebel und seine momentanen Öffnungszeiten hin und bittet um Unterstützung für die Geschäfte in der Munderkinger Innenstadt. 300 Muffins hat Baer gebacken und auf jedem „thront“ eine Mini-Klorolle aus Marshmellows und Fondant. „Unsere Hasen sind aus bester weißer, Vollmilch- oder Zartbitter-Kuvertüre hergestellt und können auch telefonisch bestellt werden“, sagt der Konditormeister.

Die Corona-Krise als Chance nutzen

„Corona zeigt, wo wir mental stehen“

Liebe Südfinder-Leserin,
lieber Südfinder-Leser,

In der Krise gibt es viele Fragen und zu wenig Antworten. Wir alle sind verunsichert und Angst kann sich bis zur Panik steigern. Weil uns niemand sagen kann, wie es weitergeht, müssen wir uns selbst helfen. Neben der Befolgung der offiziellen Anordnungen ist jetzt wichtig, sich trotz aller Widrigkeiten positiv auszurichten. Nur so können wir der Hilflosigkeit etwas Sinnvolles entgegensetzen.

Corona ist nicht nur körperlich, sondern auch psychisch eine extreme Herausforderung. Aber genau in solchen Krisenzeiten zeigt sich, wie wir uns bisher psychisch aufgestellt haben. Sind wir stark genug, in solchen Zeiten stabil zu bleiben? Können wir uns innerlich auszubalancieren? Oder sind wir nur gewohnt, uns unablässig abzulenken und nicht darüber nachzudenken, was wir in uns vernachlässigen?

Diese Krise macht uns bewusst, wie schnell alles vorbei sein kann. Sie kann uns aber auch zeigen, was uns wirklich wichtig im Leben ist. Die Seele löscht Erfahrungen nicht aus. So entstehen im Laufe der Jahre immer mehr Glaubenssätze, die uns blockieren.

Corona zeigt uns, wo wir gefühlsmäßig und mental stehen. Gibt uns aber auch die Chance, zu prüfen, was nützlich ist und was wir in Zukunft ändern möchten. Die Krise kann auch helfen, eine bessere Gemeinschaft und eine rücksichtsvollere Gesellschaft zu werden.

Tipp:

Richten Sie Ihr Bewusstsein auf das, was Ihnen Freude und Zuversicht schenkt. Das können kleine Dinge sein. Die Natur zeigt uns gerade jetzt, wie stark das Leben ist.

Tipp:

Üben Sie: „Ich bin Liebe, Frieden, Mitgefühl. Alles Gute liegt in mir. Ich tue nur das Beste für mich. Gesundheit und Freude wirken in mir.“

Tipp:

Beobachten Sie, wie häufig Sie Negatives denken oder sagen und ersetzen Sie es mit etwas Positiven. Womit Sie Ihre Seele füttern, wird zu Ihrer Realität.

Bleiben Sie gesund und glauben Sie, dass alles gut werden kann.

Ihre Ulrike Burkhardtsmayer

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01.04.2020

„Die leeren Flure in Berlin sind echt gespenstisch“

So erleben unsere Bundestagsabgeordneten die Krise

Auch unsere Bundestagsabgeordneten sollen momentan Kontakte meiden. Trotzdem wurde vergangene Woche in Berlin über die Milliarden-Hilfe abgestimmt. Der Südfinder hat bei unseren drei Abgeordneten nachgefragt, wie sie diese Woche erlebt haben.

Von Karl-Heinz Burghart

Region – „Meine Büros sind geschlossen, meine Mitarbeiter im Homeoffice und ich nutze meist mein Büro zuhause“, sagt Hilde Mattheis. Die SPD-Abgeordnete erzählt von vielen Telefonkonferenzen und sagt, dass sie sich auch in Haus und Garten betätige.

Auch die CDU-Abgeordnete Ronja Kemmer hält sich an die Kontaktregeln und hat alle Termine abgesagt. Sie beginne den Tag mit einer „digitalen Bürobesprechung“, sagt Kemmer. „Dann führe ich jeden Tag Bürgersprechstunden am Telefon durch (10 bis 14 Uhr unter 07305/1209998). Anschließend gibt es Telefonkonferenzen und einen regen Email- und Whatsapp-Verkehr“.

Auch der FDP-Abgeordnete Alexander Kulitz erzählt, dass seine Mitarbeiter zuhause sind. „Innerhalb kürzester Zeit ist das Smartphone zum wichtigsten Arbeitsmittel geworden“, sagt er. „Weil alle sonst so wichtigen parlamentarischen Info-Veranstaltungen abgesagt sind“. Er gehe trotzdem jeden Tag in sein Büro. „Das gibt mir mehr Muse als zuhause“, sagt Kulitz.

„In der vergangenen Woche hat der Bundestag die Präsenz auf ein Mindestmaß reduziert“, so Ronja Kemmer. „Wir müssen zum Entgegnen der Coronakrise wichtige Entscheidungen treffen, aber eben mit so wenig Präsenz wie möglich“.

Sie sei mit der Bahn nach Berlin gefahren, sagt Hilde Mattheis. „Die Züge waren sehr leer. Die Situation während des Plenartags war außergewöhnlich und die Intensität auch“. Bis zu den Abstimmungen sei an jedem Satz gefeilt worden und als Berichterstatterin für das Infektionsschutzgesetz sei sie besonders gefordert gewesen. „Mir war wichtig, dass der Bundestag die Entscheidung trifft, wann es eine Situation mit nationaler Tragweite gibt und dass das Gesetz befristet gilt“, sagt Hilde Mattheis

Auch Alexander Kulitz war mit der Bahn nach Berlin unterwegs. Auch er berichtet von leeren Zügen und sagt, dass die „absolute Leere und Stille“ im Reichstag „fast surreale Gefühle“ ausgelöst habe. „Da war nichts mehr übrig von dem sonst so quirligen Parlamentsbetrieb“, so Kulitz. Es sei „echt gespenstisch“ in den leeren Fluren des Bundestags und „man fühlt sich eher wie in einem postapokalyptischen Hollywoodfilm als im Hohen Haus der demokratischen Entscheidungsprozesse“, sagt Alexander Kulitz.

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Ehingen ist „C19-Klinik“

Krankenhäuser im Kreis umstrukturiert – Erster Todesfall

Um der Corona-Pandemie Herr zu werden, werden die Alb-Donau-Kliniken umstrukturieren. Ehingen wird zum „C19-Krankenhaus“, in Blaubeuren werden alle anderen Intensivpatienten behandelt und in Langenau werden dringende Operationen durchgeführt, um die anderen Kliniken zu entlasten.

Von Karl-Heinz Burghart

Region – „Die Erfahrungen von China und Italien bei der Bewältigung der Corona Pandemie zeigen, dass dort die Intensivversorgung und Beatmungskapazitäten das Nadelöhr waren“, teilt die ADK GmbH mit. Zudem sei empfohlen Patienten mit und ohne Covid-19 strikt zu trennen. Und dazu wird jetzt die Standortverteilung der Kliniken im Alb-Donau-Kreis genutzt.

Auf Grund der vorhandenen Infrastruktur wird Ehingen das „C19-Krankenhaus“, in dem alle stationären Corona-Patienten gebündelt versorgt werden. Im Ehinger Krankenhaus gibt es sechs Intensiv-, acht Beatmungs- und zwei sogenannte „Intermediate Care“-Plätze. Durch die zahlreichen Operationssäle sind in Ehingen schnell weitere Beatmungen möglich außerdem gibt’s hier zwei Dialysegeräte, die bei der Versorgung von Covid-19 Patienten wichtig sind. Zudem können die „Corona Stationen“ leicht vom Resthaus abgetrennt werden.

In Blaubeuren werden dann alle anderen Intensivpatienten behandelt. Und in Langenau, wo es aktuell weder eine Intensivstation noch Beatmungsplätze gibt, werden dringende Operationen durchgeführt.

Damit diese Trennung funktioniert, findet in den Krankenhäusern eine sogenannte „Vor-Triage“ vor dem Kernbereich der Kliniken statt, die Risikopatienten identifiziert und so möglichst verhindert, dass Covid-19 Patienten in Blaubeuren oder Langenau landen.

Aus diesem Grund lag der Schwerpunkt in den letzten Tagen im Alb-Donau Klinikum vor allem in einem möglichst schnellen Ausbau dieser Behandlungsmöglichkeiten und dem Einrichten einer Isolierstation. Eine der Empfehlungen geht in eine strikte Trennung von Patienten mit und ohne Covid-19. Dies gilt auch für das Personal.

Daher hat der Koordinierungsstab der ADK GmbH am vergangenen Mittwoch beschlossen, die Standortverteilung seines Alb-Donau Klinikums strategisch zu nutzen. Die Intensivstationen der Standorte Blaubeuren und Ehingen teilen sich die Aufgaben, so dass Kompetenzen gebündelt und Patienten wie Personal geschützt werden können.

Auf Grund der vorhandenen Infrastruktur wird der Standort Ehingen das „C19-Krankenhaus“. Hier sollen alle Covid-19 Patienten, die eine stationäre Versorgung benötigen, gebündelt versorgt werden. In Ehingen hatte die Intensivstation bis zu Beginn der Corona-Krise acht Plätze und 6 Beatmungsplätze. Bereits in den letzten zwei Wochen wurden zwei zusätzliche Intermediate Care Plätze (eine Zwischenform zwischen Intensivstation und Normalstation) realisiert. Durch die größere Zahl an Operationssälen können in Ehingen in einem bereits feststehenden Stufenplan sehr schnell weitere Beatmungskapazitäten realisiert werden. Zudem verfügt die Ehinger Intensivstation über zwei Dialysegeräte, mit denen Intensivpatienten mit Multiorganversagen behandelt werden können – auch dies ist bei der Versorgung von Covid-19 Patienten ein wichtiger Faktor.

In den letzten Tagen wurde eine Station für Covid-19 Patienten, die weniger stark betroffen sind, vorbereitet. Sie liegt so, dass sie räumlich ideal vom Resthaus abgetrennt werden kann. Bei Bedarf sind bereits zwei weitere Bereiche ausgewiesen, in denen weitere Isolierstationen entstehen können.

In Blaubeuren werden dann alle anderen Intensivpatienten behandelt. Das Team der Intensivstation in Blaubeuren unterstützt die Ehinger Kollegen bei Bedarf mit Personal, Geräten und Material.

In Langenau (wo es aktuell weder eine Intensivstation noch Beatmungsplätze gibt) werden dringende Operationen durchgeführt und damit die anderen beiden Häuser entlastet. Generell unterstützen sich die Häuser gegenseitig und helfen mit Personal und Material aus.

Damit diese Trennung funktioniert, findet in allen drei Häusern eine so genannte Vor-Triage vor dem Kernbereich der Kliniken statt, die Risikopatienten identifiziert und so möglichst verhindert, dass Covid-19 Patienten in Blaubeuren oder Langenau landen.

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25.03.2020

Das sind die aktuell gültigen Verbote und Vorschriften im Alb-Donau-Kreis

Zwei-Personen-Regel – Keine Feiern – Sozialkontakte einschränken – Weitere Geschäfte zu

Wegen der Coronakrise gelten seit Montag neue Verhaltensregeln. Was Sie als Bürger in Ehingen und im Alb-Donau-Kreis beachten müssen, lesen Sie hier.

Von Robin Halle

Gibt es eine Ausgangssperre?

Nein. Aber: Im Freien dürfen sich nicht mehr als zwei Menschen aufhalten. Ausnahme: Es sind Angehörige aus dem gleichen Haushalt. Zu Freunden und Bekannten muss ein Mindestabstand von 1,50 gehalten werden.

Was darf man draußen machen?

Erlaubt sind: Weg zur Arbeit, zum Arzt, zum Einkauf, zu Prüfungen, zur Hilfe anderer Menschen oder grundsätzlich für wichtige Erledigungen. Erlaubt sind auch individueller Sport (z.B. joggen) und Gassi-Gänge mit dem Hund. Grundsätzlich sollten weitere Aufenthalte im öffentlichen Raum auf ein Mindestmaß beschränkt werden.

Was darf man zuhause?

Kontakte zu anderen Menschen außerhalb des eigenen Hausstands sollten auf ein Minimun beschränkt werden. Ausdrücklich verboten sind private Feierlichkeiten mit Freunden und Bekannten.

Was passiert, wann man gegen eine der Auflagen verstößt?

Unklar. Die Polizei kann Verwarnungen und Bußgelder aussprechen. In NRW und Rheinland-Pfalz können diese Bußgelder bis zu 25000 Euro betragen. Für unsere Region wurde bislang keine Obergrenze festgelegt.

Welche Geschäfte sind im Alb-Donau-Kreis geschlossen?

Bars, Eisdielen, Diskotheken, Kneipen, Tourismushotels, Cafés, sowie Cafés in Bäckereien, Friseure, Tattoos- und Piercing-Studios, Blumenläden, Bekleidungsgeschäfte, Fotostudios, Schreib- und Spielwarenhandel, Copyshops, Buchläden, Fahrschulen, Kfz-Handel, Fahrradläden (erlaubt bleiben Fahrradwerkstätten), Wein- und Spirituosenhandlungen, Koch- und Grillschulen, Massage-, Kosmetik- und Nagelstudios sowie Sonnenstudios, Mobile Dienstleister, die nicht zur Gesundheitswirtschaft gehören (wie zum Beispiel Kosmetiker, kosmetische Fußpfleger oder Friseure), Beherbergungsbetriebe, Campingplätze und Wohnmobilstellplätze, Reisebusse für den touristischen Verkehr.

Welche Geschäfte dürfen noch öffnen?

Einzelhandel für Lebensmittel, Metzgereien, Bäckereien, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Betriebskantinen (wenn keine externen Gäste bewirtet werden), Außer-Haus-Verkauf von Gaststätten, Ausgabestellen der Tafeln, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Medizinische Fußpflege (stationär und mobil), Mobile Dienstleister der Gesundheitswirtschaft, Drogerien mit Verkauf von Lebensmitteln oder Getränken, Hörgeräteakustiker, Optiker sowie Praxen für die medizinische Fußpflege, Tankstellen, Textilreinigungen, Fahrrad- sowie Kfz-Werkstätten, Verkehrsdienstleistungen aller Art, einschließlich Taxiunternehmen, Fahrschulen für Lkw, Banken und Sparkassen, Poststellen, Reinigungen, Waschsalons, Autovermietungen, Car-Sharing, Kioske, Baumärkte, Gartenbaubedarfsgeschäfte, Gärtnereien, Geschäfte, die den Tierbedarf abdecken, Hofläden und Raiffeisenmärkte, Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger, Reisebüros, Großhandel, Bestatter, Kaminkehrer, Hundetrainer, wenn sie die Tiere einzeln coachen, Musiklehrer mit Einzelunterricht, Personal Trainer, Ernährungsberater, Servicestellen von Telekommunikationsunternehmen, Stördienste aller Art, insbesondere Schlüsseldienste, Campingplätze für Personen, die dort ihren Erstwohnsitz angemeldet haben, Vermietung von Ferienwohnungen an Monteure, Versicherungsbüros, Reparaturen von Landmaschinen, Handwerksmischbetriebe, die auch verkaufen, Schuhreparatur und Schlüsseldienst.

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Die Innenstädte sind leer

Der Einzelhandel ist zum Erliegen gekommen

Durch die aktuellen Anordnungen zur Corona-Krise sind die Innenstädte der Region wie ausgestorben. Die meisten Geschäfte sind geschlossen und Straßencafés haben aufgestuhlt.

Region – Um die Bevölkerung zu schützen, wurde das öffentliche Leben nahezu komplett zurückgefahren. Bars und Kneipen, Museen, Ausstellungen, Ämter und Rathäuser waren schon ein paar Tage zu, als am Wochenende die neuen Anordnungen kamen. Weitere Branchen, beispielsweise Friseure, haben jetzt geschlossen und Lokale dürfen ihre Speisen nur noch „außer Haus“ anbieten.

„Eine solche Existenzen gefährdende Krise hat es in den vergangenen Jahrzehnten nicht gegeben“, sagt Norbert Zimmermann, Hotelier, Wirt, Chefkoch im Landgasthof und Hotel „Rose“ in Berg und Mitglied im Vorstand der DEHOGA, also des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands.

„Die Stimmung in der Stadt ist bedrückt und bedrückend“, sagt Karl-Heinz Dicknöther, Vorsitzender des „GHF – Gewerbe-Handel-Freie Berufe“ in Ehingen. Zwar dürften immer weniger Geschäfte öffnen, trotzdem müsse aber die Grundversorgung der Menschen sichergestellt werden, so Dicknöther. „Und die Folgen dieser Krise sind noch gar nicht abschätzbar“, sagt er.

„Die Gäste und Kunden fehlen, aber die Kosten bleiben“, betont Zimmermann. „Das Ostergeschäft, das viele Kollegen zum Überleben dringend bräuchten, wird wohl völlig ausfallen“. Der Gastro-Experte vermutet, dass sich die Gaststätten-Landschaft durch die Corona-Krise deutlich verändern wird. „Weil nach der Krise viele Lokale einfach nicht mehr da sein werden“, sagt er.

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Bis zu 200 Abstriche pro Tag

Keine Wunsch-Abstriche – Nur auf ärztliche Anweisung

Seit mehreren Wochen werden in Drive-In-Testzentren Abstriche von „Corona-Verdächtigen“ genommen. Aber mit dem Auto vorfahren darf nur, wer eine Überweisung vom Hausarzt mitbringt. Südfinder Redakteur Karl-Heinz Burghardt hat mit Andreas Rost, Ehinger Arzt und Beauftragter für Katastrophenschutz im Alb-Donau-Kreis, gesprochen.

Von Karl-Heinz Burghart

Region – „Wir müssen die infizierten Menschen identifizieren, um sie isolieren zu können“, sagt Dr. Rost und betont, dass die „Stationären Testpraxen“, so der offizielle Name der „Drive-in-Stationen“, dafür eine effiziente Möglichkeit bieten. Seit Freitag auf dem Volksfestplatz in Ehingen und seit Samstag auf dem Ulmer Messegelände, können 150 bis 200 Menschen pro Tag untersucht werden. Um den geordneten Ablauf zu gewährleisten, werden die Testpraxen von Sicherheitskräften gesichert.

„Wir machen konsequente Einlasskontrollen und wenn es sein muss, werden 40 Securityleute vor den Stationen stehen“, betont Andreas Rost. Eingelassen wird nur, wer eine schriftliche Überweisung eines Arztes mitbringt. „Wer die nicht hat, wird konsequent abgewiesen“, so Rost. Wer bei sich Symptome bemerkt, Kontakt mit Infizierten hatte oder in einem Risikogebiet war, soll zunächst telefonischen Kontakt zu seinem Hausarzt aufnehmen. Wenn der eine Überweisung ausstellt, muss die zusammen mit der Versicherungskarte mitgebracht werden.

„Die Zufahrt ist nur mit dem Auto möglich“, betont Dr. Rost. „Das ist sozusagen der Schutzkäfig des Betroffenen“.

Um die mehr als 30 Helfer in den Stationen zu schützen, müssen die Fenster geschlossen bleiben. „Die Papiere von innen gegen das Fenster halten“, steht auf Schildern am Eingang. Die Helfer an der eigentlichen Abstrichstelle, die direkt mit dem Patienten in Kontakt kommen, sind von Kopf bis Fuß geschützt. „Erst hier dürfen nach Aufforderung die Autofenster geöffnet werden“, betont Dr. Rost.

Unverzüglich werden die Abstriche zwar in Labore gebracht, mit Ergebnissen wird aber frühestens nach drei Tagen gerechnet. „Die kann der Untersuchte dann von seinem Hausarzt erfahren. Alle, die positiv getestet wurden, versuchen wir sofort direkt zu erreichen“, sagt Dr. Rost. „Wir haben es hier mit einer sehr ernsten Erkrankung zu tun. Das müssen endlich alle kapieren“, sagt er.

Nur mit Überweisung hinfahren – Versicherungskarte nicht vergessen – Nicht aussteigen – Alle Autofenster geschlossen halten – Papiere ins Fenster halten – Fenster nur nach Aufforderung öffnen – Unbedingt alle Anweisungen befolgen. Die Testpraxis in Ehingen ist täglich von 13 bis 16 Uhr geöffnet.

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Eine Welle der Hilfsbereitschaft

In der gesamten Region gibt’s Hilfsangebote

Im Ernstfall stehen die Menschen zusammen. Im übertragenen Sinn. Das zeigt sich in diesen Krisentagen in vielen Dörfern und Städten der Region. Überall werden Gruppen organisiert, die älteren Menschen oder Leuten in Quarantäne ihre Hilfe anbieten. Hier einige Beispiele.

Von Karl-Heinz Burghart

Region – in Ehingen hat sich die Junge Union der bundesweiten Aktion „Einkaufshelden“ angeschlossen und bietet einen kostenfreien Einkaufsservice, den Betroffene in Anspruch nehmen können. „Die Menschen im Land müssen jetzt zusammenstehen.

Da wollen wir ganz unbürokratisch helfen“, sagt der JU-Vorsitzende Lukas Siegle und betont: „Wer Hilfe braucht, erreicht uns unter 0157/77901302“. In Rottenacker haben sich nach einem Aufruf von Bürgermeister Karl Hauler zahlreiche Bürger gemeldet und ihre Unterstützung zugesagt, die im Rathaus koordiniert wird.

In Munderkingen haben Mitglieder des Jugendhauses ihre Hilfe für ältere Menschen angeboten und in Oberstadion wurde in Zusammenarbeit von Gemeinde und DRK-Ortsverein eine Hilfsaktion gestartet. „Wer Hilfe braucht, ruft im Rathaus an und wir geben den Kontakt an die DRK-Helfer weiter“, sagt Bürgermeister Kevin Wiest, der sogar das Geld vorstreckt, um die DRK-Helfer nicht zusätzlich finanziell zu belasten. Der Kreisverband des DRK bietet an, alle Menschen, die isoliert wurden und sonst keine Hilfe bekommen, mit Paketen zu versorgen. Darin sind Nahrungsmittel sowie Hygieneartikel und die Pakete sind kostenlos. Anforderungen sind montags bis donnerstags von 9 bis 15 Uhr möglich unter 0731/1444-888.

Übereinstimmend sagen die neuen Hilfsorganisationen, dass die Nachfrage im Moment noch gering sei. Das zeige, dass die Leute in unserer ländlichen Region besser vernetzt seien, Hilfe von Nachbarn oder Freunden bekommen und eben nicht so anonym leben, wie in den Großstädten.

Dem eigenen Nachbarn die Hilfe anbieten

Region – Wer nicht vom Virus betroffen ist und seine Einkäufe erledigt, kann seinen Nachbarn doch problemlos ein paar Dinge mitbringen. Der Nachbar muss da aber wissen. Schneiden Sie deshalb diesen Zettel aus, kopieren Sie ihn und werfen ihn bei den Nachbarn in den Briefkasten. Wer Hilfe benötigt, wird sich dankbar bei Ihnen melden.

Jeder kann helfen

Auch wenn es wörtlich genommen gar nicht mehr erlaubt ist, rückt die Region in der momentanen Krise eng zusammen. Und das ist gut so. Allen Unkenrufen zum Trotz ist unsere „zunehmend anonyme Gesellschaft“, wenn es darauf ankommt, sehr hilfsbereit. Und jeder von uns kann helfen. So haben meine Frau und ich uns nicht nur in die Helferliste unseres DRK-Ortsvereins eingetragen, sondern ganz spontan bei unseren älteren Nachbarn angerufen, um unsere Hilfe anzubieten. Jeder von uns kann helfen. Und wenn wir plötzlich betroffen sein sollten, sind auch wir froh über jedes Hilfe. Oder?

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18.03.2020

Zwölf bekannte Fälle – Krisenstab trifft sich regelmäßig im Landratsamt

„Gefährlich, aber kein Grund zur Panik“

Das Öpfinger Starkbierfest ist am Wochenende ausgefallen und der Osterlauf ist bereits abgesagt. Die Auswirkungen des Corona-Virus sind inzwischen auch im Raum Ehingen immer deutlicher zu spüren.

Region – Mindestens einmal am Tag trifft sich der Krisenstab des Landratsamts, der sich aus Experten verschiedener Fachdienste der Kreisverwaltung und Vertretern der Stadt Ulm, zusammensetzt unter der Leitung des stellvertretenden Landrats Markus Möller im Haus des Landkreises, um das Gesundheitsamt zu unterstützen und Maßnahmen für den Bevölkerungsschutz zu koordinieren. Mittlerweile gibt es in Ulm und im Alb-Donau-Kreis zwölf bestätigte Fälle von Personen, die am Coronavirus erkrankt sind und die sich momentan in häuslicher Isolierung befinden . In nahezu allen Fällen handele es sich um Urlaubsrückkehrer aus Südtirol, teilt das Landratsamt mit.

„Die häusliche Isolierung ist im Moment das wirksamste Mittel, um die Infektionsketten zu unterbrechen“, erklärt die Leiterin des Gesundheitsamts, Dr. Barbara Unger. „Wir sind uns bewusst, dass die Isolierung für den einzelnen Menschen ein gravierender Eingriff ist“.

Insgesamt wird die Lage im Alb-Donau-Kreis momentan als „vergleichsweise stabil“ eingeschätzt, trotzdem behalte die Gesundheitsbehörde die weitere Entwicklung des Corona-Geschehens ganz genau im Auge.

In einer Mitteilung des Landratsamts heißt es, dass im Alb-Donau-Kreis und im Stadtkreis Ulm rund 320000 Menschen leben und dass auch nach dem „Hauptstrom der Südtirol-Urlauber, die seit dem Monatswechsel Februar/März längst wieder zu Hause sind“, die aktuelle Zahl der bestätigten Coronafälle auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau sei.

Kreisbrandmeister Ralf Ziegler sitzt jeden Tag am Tisch des Krisenstabs und kennt die Situation in der Region genau. Der Alb-Donau-Kreis sei gut aufgestellt, sagt er. Dazu gehört auch, dass die Einsatzkräfte der Blaulicht-Organisationen geschützt werden, um im Ernstfall einsatzbereit zu sein und ausrücken zu können.

Hotline

Das Landratsamt hat eine Telefon-Hotline eingerichtet, um Fargen rund um Corona zu beantworten. Es ist aber kein Arzt zu erreichen. Die Hotline ist von Montag bis Freitag von 8.30 bis 16 Uhr unter 0731/185-1050 erreichbar. Im Rahmen der Hotline werden nur allgemeine Fragen und Hinweise zum Coronavirus beantwortet. Wir weisen darauf hin, dass Sie nicht mit einem Arzt sprechen und auch kein Arzt bei der Hotline anwesend ist.

Die Hotline ist Montag bis Freitag von 8:30 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 0731/185-1050 erreichbar. 

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