Ehingen

Aktuelle Ausgabe – 25.03.2020

Das sind die aktuell gültigen Verbote und Vorschriften im Alb-Donau-Kreis

Zwei-Personen-Regel – Keine Feiern – Sozialkontakte einschränken – Weitere Geschäfte zu

Wegen der Coronakrise gelten seit Montag neue Verhaltensregeln. Was Sie als Bürger in Ehingen und im Alb-Donau-Kreis beachten müssen, lesen Sie hier.

Von Robin Halle

Gibt es eine Ausgangssperre?

Nein. Aber: Im Freien dürfen sich nicht mehr als zwei Menschen aufhalten. Ausnahme: Es sind Angehörige aus dem gleichen Haushalt. Zu Freunden und Bekannten muss ein Mindestabstand von 1,50 gehalten werden.

Was darf man draußen machen?

Erlaubt sind: Weg zur Arbeit, zum Arzt, zum Einkauf, zu Prüfungen, zur Hilfe anderer Menschen oder grundsätzlich für wichtige Erledigungen. Erlaubt sind auch individueller Sport (z.B. joggen) und Gassi-Gänge mit dem Hund. Grundsätzlich sollten weitere Aufenthalte im öffentlichen Raum auf ein Mindestmaß beschränkt werden.

Was darf man zuhause?

Kontakte zu anderen Menschen außerhalb des eigenen Hausstands sollten auf ein Minimun beschränkt werden. Ausdrücklich verboten sind private Feierlichkeiten mit Freunden und Bekannten.

Was passiert, wann man gegen eine der Auflagen verstößt?

Unklar. Die Polizei kann Verwarnungen und Bußgelder aussprechen. In NRW und Rheinland-Pfalz können diese Bußgelder bis zu 25000 Euro betragen. Für unsere Region wurde bislang keine Obergrenze festgelegt.

Welche Geschäfte sind im Alb-Donau-Kreis geschlossen?

Bars, Eisdielen, Diskotheken, Kneipen, Tourismushotels, Cafés, sowie Cafés in Bäckereien, Friseure, Tattoos- und Piercing-Studios, Blumenläden, Bekleidungsgeschäfte, Fotostudios, Schreib- und Spielwarenhandel, Copyshops, Buchläden, Fahrschulen, Kfz-Handel, Fahrradläden (erlaubt bleiben Fahrradwerkstätten), Wein- und Spirituosenhandlungen, Koch- und Grillschulen, Massage-, Kosmetik- und Nagelstudios sowie Sonnenstudios, Mobile Dienstleister, die nicht zur Gesundheitswirtschaft gehören (wie zum Beispiel Kosmetiker, kosmetische Fußpfleger oder Friseure), Beherbergungsbetriebe, Campingplätze und Wohnmobilstellplätze, Reisebusse für den touristischen Verkehr.

Welche Geschäfte dürfen noch öffnen?

Einzelhandel für Lebensmittel, Metzgereien, Bäckereien, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Betriebskantinen (wenn keine externen Gäste bewirtet werden), Außer-Haus-Verkauf von Gaststätten, Ausgabestellen der Tafeln, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Medizinische Fußpflege (stationär und mobil), Mobile Dienstleister der Gesundheitswirtschaft, Drogerien mit Verkauf von Lebensmitteln oder Getränken, Hörgeräteakustiker, Optiker sowie Praxen für die medizinische Fußpflege, Tankstellen, Textilreinigungen, Fahrrad- sowie Kfz-Werkstätten, Verkehrsdienstleistungen aller Art, einschließlich Taxiunternehmen, Fahrschulen für Lkw, Banken und Sparkassen, Poststellen, Reinigungen, Waschsalons, Autovermietungen, Car-Sharing, Kioske, Baumärkte, Gartenbaubedarfsgeschäfte, Gärtnereien, Geschäfte, die den Tierbedarf abdecken, Hofläden und Raiffeisenmärkte, Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger, Reisebüros, Großhandel, Bestatter, Kaminkehrer, Hundetrainer, wenn sie die Tiere einzeln coachen, Musiklehrer mit Einzelunterricht, Personal Trainer, Ernährungsberater, Servicestellen von Telekommunikationsunternehmen, Stördienste aller Art, insbesondere Schlüsseldienste, Campingplätze für Personen, die dort ihren Erstwohnsitz angemeldet haben, Vermietung von Ferienwohnungen an Monteure, Versicherungsbüros, Reparaturen von Landmaschinen, Handwerksmischbetriebe, die auch verkaufen, Schuhreparatur und Schlüsseldienst.

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Die Innenstädte sind leer

Der Einzelhandel ist zum Erliegen gekommen

Durch die aktuellen Anordnungen zur Corona-Krise sind die Innenstädte der Region wie ausgestorben. Die meisten Geschäfte sind geschlossen und Straßencafés haben aufgestuhlt.

Region – Um die Bevölkerung zu schützen, wurde das öffentliche Leben nahezu komplett zurückgefahren. Bars und Kneipen, Museen, Ausstellungen, Ämter und Rathäuser waren schon ein paar Tage zu, als am Wochenende die neuen Anordnungen kamen. Weitere Branchen, beispielsweise Friseure, haben jetzt geschlossen und Lokale dürfen ihre Speisen nur noch „außer Haus“ anbieten.

„Eine solche Existenzen gefährdende Krise hat es in den vergangenen Jahrzehnten nicht gegeben“, sagt Norbert Zimmermann, Hotelier, Wirt, Chefkoch im Landgasthof und Hotel „Rose“ in Berg und Mitglied im Vorstand der DEHOGA, also des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands.

„Die Stimmung in der Stadt ist bedrückt und bedrückend“, sagt Karl-Heinz Dicknöther, Vorsitzender des „GHF – Gewerbe-Handel-Freie Berufe“ in Ehingen. Zwar dürften immer weniger Geschäfte öffnen, trotzdem müsse aber die Grundversorgung der Menschen sichergestellt werden, so Dicknöther. „Und die Folgen dieser Krise sind noch gar nicht abschätzbar“, sagt er.

„Die Gäste und Kunden fehlen, aber die Kosten bleiben“, betont Zimmermann. „Das Ostergeschäft, das viele Kollegen zum Überleben dringend bräuchten, wird wohl völlig ausfallen“. Der Gastro-Experte vermutet, dass sich die Gaststätten-Landschaft durch die Corona-Krise deutlich verändern wird. „Weil nach der Krise viele Lokale einfach nicht mehr da sein werden“, sagt er.

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Bis zu 200 Abstriche pro Tag

Keine Wunsch-Abstriche – Nur auf ärztliche Anweisung

Seit mehreren Wochen werden in Drive-In-Testzentren Abstriche von „Corona-Verdächtigen“ genommen. Aber mit dem Auto vorfahren darf nur, wer eine Überweisung vom Hausarzt mitbringt. Südfinder Redakteur Karl-Heinz Burghardt hat mit Andreas Rost, Ehinger Arzt und Beauftragter für Katastrophenschutz im Alb-Donau-Kreis, gesprochen.

Von Karl-Heinz Burghart

Region – „Wir müssen die infizierten Menschen identifizieren, um sie isolieren zu können“, sagt Dr. Rost und betont, dass die „Stationären Testpraxen“, so der offizielle Name der „Drive-in-Stationen“, dafür eine effiziente Möglichkeit bieten. Seit Freitag auf dem Volksfestplatz in Ehingen und seit Samstag auf dem Ulmer Messegelände, können 150 bis 200 Menschen pro Tag untersucht werden. Um den geordneten Ablauf zu gewährleisten, werden die Testpraxen von Sicherheitskräften gesichert.

„Wir machen konsequente Einlasskontrollen und wenn es sein muss, werden 40 Securityleute vor den Stationen stehen“, betont Andreas Rost. Eingelassen wird nur, wer eine schriftliche Überweisung eines Arztes mitbringt. „Wer die nicht hat, wird konsequent abgewiesen“, so Rost. Wer bei sich Symptome bemerkt, Kontakt mit Infizierten hatte oder in einem Risikogebiet war, soll zunächst telefonischen Kontakt zu seinem Hausarzt aufnehmen. Wenn der eine Überweisung ausstellt, muss die zusammen mit der Versicherungskarte mitgebracht werden.

„Die Zufahrt ist nur mit dem Auto möglich“, betont Dr. Rost. „Das ist sozusagen der Schutzkäfig des Betroffenen“.

Um die mehr als 30 Helfer in den Stationen zu schützen, müssen die Fenster geschlossen bleiben. „Die Papiere von innen gegen das Fenster halten“, steht auf Schildern am Eingang. Die Helfer an der eigentlichen Abstrichstelle, die direkt mit dem Patienten in Kontakt kommen, sind von Kopf bis Fuß geschützt. „Erst hier dürfen nach Aufforderung die Autofenster geöffnet werden“, betont Dr. Rost.

Unverzüglich werden die Abstriche zwar in Labore gebracht, mit Ergebnissen wird aber frühestens nach drei Tagen gerechnet. „Die kann der Untersuchte dann von seinem Hausarzt erfahren. Alle, die positiv getestet wurden, versuchen wir sofort direkt zu erreichen“, sagt Dr. Rost. „Wir haben es hier mit einer sehr ernsten Erkrankung zu tun. Das müssen endlich alle kapieren“, sagt er.

Nur mit Überweisung hinfahren – Versicherungskarte nicht vergessen – Nicht aussteigen – Alle Autofenster geschlossen halten – Papiere ins Fenster halten – Fenster nur nach Aufforderung öffnen – Unbedingt alle Anweisungen befolgen. Die Testpraxis in Ehingen ist täglich von 13 bis 16 Uhr geöffnet.

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Eine Welle der Hilfsbereitschaft

In der gesamten Region gibt’s Hilfsangebote

Im Ernstfall stehen die Menschen zusammen. Im übertragenen Sinn. Das zeigt sich in diesen Krisentagen in vielen Dörfern und Städten der Region. Überall werden Gruppen organisiert, die älteren Menschen oder Leuten in Quarantäne ihre Hilfe anbieten. Hier einige Beispiele.

Von Karl-Heinz Burghart

Region – in Ehingen hat sich die Junge Union der bundesweiten Aktion „Einkaufshelden“ angeschlossen und bietet einen kostenfreien Einkaufsservice, den Betroffene in Anspruch nehmen können. „Die Menschen im Land müssen jetzt zusammenstehen.

Da wollen wir ganz unbürokratisch helfen“, sagt der JU-Vorsitzende Lukas Siegle und betont: „Wer Hilfe braucht, erreicht uns unter 0157/77901302“. In Rottenacker haben sich nach einem Aufruf von Bürgermeister Karl Hauler zahlreiche Bürger gemeldet und ihre Unterstützung zugesagt, die im Rathaus koordiniert wird.

In Munderkingen haben Mitglieder des Jugendhauses ihre Hilfe für ältere Menschen angeboten und in Oberstadion wurde in Zusammenarbeit von Gemeinde und DRK-Ortsverein eine Hilfsaktion gestartet. „Wer Hilfe braucht, ruft im Rathaus an und wir geben den Kontakt an die DRK-Helfer weiter“, sagt Bürgermeister Kevin Wiest, der sogar das Geld vorstreckt, um die DRK-Helfer nicht zusätzlich finanziell zu belasten. Der Kreisverband des DRK bietet an, alle Menschen, die isoliert wurden und sonst keine Hilfe bekommen, mit Paketen zu versorgen. Darin sind Nahrungsmittel sowie Hygieneartikel und die Pakete sind kostenlos. Anforderungen sind montags bis donnerstags von 9 bis 15 Uhr möglich unter 0731/1444-888.

Übereinstimmend sagen die neuen Hilfsorganisationen, dass die Nachfrage im Moment noch gering sei. Das zeige, dass die Leute in unserer ländlichen Region besser vernetzt seien, Hilfe von Nachbarn oder Freunden bekommen und eben nicht so anonym leben, wie in den Großstädten.

Dem eigenen Nachbarn die Hilfe anbieten

Region – Wer nicht vom Virus betroffen ist und seine Einkäufe erledigt, kann seinen Nachbarn doch problemlos ein paar Dinge mitbringen. Der Nachbar muss da aber wissen. Schneiden Sie deshalb diesen Zettel aus, kopieren Sie ihn und werfen ihn bei den Nachbarn in den Briefkasten. Wer Hilfe benötigt, wird sich dankbar bei Ihnen melden.

Jeder kann helfen

Auch wenn es wörtlich genommen gar nicht mehr erlaubt ist, rückt die Region in der momentanen Krise eng zusammen. Und das ist gut so. Allen Unkenrufen zum Trotz ist unsere „zunehmend anonyme Gesellschaft“, wenn es darauf ankommt, sehr hilfsbereit. Und jeder von uns kann helfen. So haben meine Frau und ich uns nicht nur in die Helferliste unseres DRK-Ortsvereins eingetragen, sondern ganz spontan bei unseren älteren Nachbarn angerufen, um unsere Hilfe anzubieten. Jeder von uns kann helfen. Und wenn wir plötzlich betroffen sein sollten, sind auch wir froh über jedes Hilfe. Oder?

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18.03.2020

Zwölf bekannte Fälle – Krisenstab trifft sich regelmäßig im Landratsamt

„Gefährlich, aber kein Grund zur Panik“

Das Öpfinger Starkbierfest ist am Wochenende ausgefallen und der Osterlauf ist bereits abgesagt. Die Auswirkungen des Corona-Virus sind inzwischen auch im Raum Ehingen immer deutlicher zu spüren.

Region – Mindestens einmal am Tag trifft sich der Krisenstab des Landratsamts, der sich aus Experten verschiedener Fachdienste der Kreisverwaltung und Vertretern der Stadt Ulm, zusammensetzt unter der Leitung des stellvertretenden Landrats Markus Möller im Haus des Landkreises, um das Gesundheitsamt zu unterstützen und Maßnahmen für den Bevölkerungsschutz zu koordinieren. Mittlerweile gibt es in Ulm und im Alb-Donau-Kreis zwölf bestätigte Fälle von Personen, die am Coronavirus erkrankt sind und die sich momentan in häuslicher Isolierung befinden . In nahezu allen Fällen handele es sich um Urlaubsrückkehrer aus Südtirol, teilt das Landratsamt mit.

„Die häusliche Isolierung ist im Moment das wirksamste Mittel, um die Infektionsketten zu unterbrechen“, erklärt die Leiterin des Gesundheitsamts, Dr. Barbara Unger. „Wir sind uns bewusst, dass die Isolierung für den einzelnen Menschen ein gravierender Eingriff ist“.

Insgesamt wird die Lage im Alb-Donau-Kreis momentan als „vergleichsweise stabil“ eingeschätzt, trotzdem behalte die Gesundheitsbehörde die weitere Entwicklung des Corona-Geschehens ganz genau im Auge.

In einer Mitteilung des Landratsamts heißt es, dass im Alb-Donau-Kreis und im Stadtkreis Ulm rund 320000 Menschen leben und dass auch nach dem „Hauptstrom der Südtirol-Urlauber, die seit dem Monatswechsel Februar/März längst wieder zu Hause sind“, die aktuelle Zahl der bestätigten Coronafälle auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau sei.

Kreisbrandmeister Ralf Ziegler sitzt jeden Tag am Tisch des Krisenstabs und kennt die Situation in der Region genau. Der Alb-Donau-Kreis sei gut aufgestellt, sagt er. Dazu gehört auch, dass die Einsatzkräfte der Blaulicht-Organisationen geschützt werden, um im Ernstfall einsatzbereit zu sein und ausrücken zu können.

Hotline

Das Landratsamt hat eine Telefon-Hotline eingerichtet, um Fargen rund um Corona zu beantworten. Es ist aber kein Arzt zu erreichen. Die Hotline ist von Montag bis Freitag von 8.30 bis 16 Uhr unter 0731/185-1050 erreichbar. Im Rahmen der Hotline werden nur allgemeine Fragen und Hinweise zum Coronavirus beantwortet. Wir weisen darauf hin, dass Sie nicht mit einem Arzt sprechen und auch kein Arzt bei der Hotline anwesend ist.

Die Hotline ist Montag bis Freitag von 8:30 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 0731/185-1050 erreichbar. 

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