Bodensee

18.03.2020

Erreichbarkeit und Dienstbetrieb

Corona lähmt auch die Behörden der Region

Um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen und seine Kunden sowie das Personal bestmöglich zu schützen, ändert das Landratsamt Bodenseekreis ab sofort seinen Dienstbetrieb. Auch andere Behörden passen sich den aktuellen Entwicklungen an.

Friedrichshafen – Das Landratsamt wird weiterhin für die Menschen erreichbar sein, die auf die Behörde angewiesen sind. Bewilligte und laufende Leistungen werden weiterhin gewährt. Einschränkungen gibt es aber insbesondere im persönlichen Kundenverkehr, der auf das absolut notwendige Maß beschränkt werden muss. Außerdem konzentriert das Landratsamt seine Ressourcen nun auf Leistungen und Angebote, die für das tägliche Leben unabdingbar sind. Dazu Landrat Lothar Wölfle: „Ich bitte die Bürgerinnen und Bürger des Bodenseekreises um Verständnis und Mithilfe, damit die behördlichen Leistungen in dieser besonderen Situation weiterhin denjenigen Mitmenschen zugutekommen können, die sie wirklich dringend brauchen.“

Für das gesamte Landratsamt Bodenseekreis bedeutet das:

• Bitte nur im Notfall persönlich ins Landratsamt kommen.

• Terminvereinbarung erforderlich.

• Bereits vereinbarte Termine bitte noch mal bestätigen lassen. Sonst gelten sie als abgesagt.

• Die Ansprechpersonen der jeweiligen Ämter und Fachbereiche sind unter www.bodenseekreis.de zu finden.

• Am Landratsamt wird es Einlasskontrollen geben. Besucher drucken bitte ihre Terminbestätigung aus und haben den Namen ihres Ansprechpartners in der Behörde parat.

Jobcenter Bodenseekreis

• Alle bisher vereinbarten persönlichen Gesprächstermine entfallen ohne Rechtsfolgen und werden nicht extra abgesagt. Es entstehen für die Kunden keine Nachteile, wenn sie nicht persönlich vorsprechen.

• E-Mail-Adresse für dringende Fragen und Anliegen: jobcenter@bodenseekreis.de

• Persönliche Termine werden nur noch in dringenden Fällen vereinbart: Tel. 07541 204-5110 oder -3008.

Abfallentsorgung

• Es werden vorerst keine neuen Termine für Sperrmüllabholungen vereinbart. Bereits bestätigte Abholungen werden aber durchgeführt.

• Problemstoffsammlungen finden nicht statt.

• Die Wertstoffhöfe und Entsorgungszentren sind derzeit aber noch geöffnet.

• Tagesaktuelle Informationen auf www.abfallwirtschaftsamt.de

Schifffahrt und Verkehr

• Die Zulassungsstellen in Überlingen und Tettnang bleiben geschlossen. Der Betrieb wird in der zentralen Zulassungsstelle in Friedrichshafen gebündelt.

• Dringend notwendige Dienstleistungen der Zulassungsbehörde, Führerscheinstelle und des Schifffahrtsamts werden weiterhin angeboten. Dafür ist allerdings vorab eine Terminvereinbarung notwendig: Tel. 07541 204-0 oder 115 (ohne Vorwahl) oder https://netappoint.de/ot/lra-bodenseekreis/?company=lra-bodenseekreis&cur_causes=0|1|2

• Es finden keine Theorie- und Praxisprüfungen für das Bodenseeschifferpatent sowie auch keine Bootsabnahmen statt.

Familientreffs

• Alle Familientreffs im Bodenseekreis bleiben geschlossen. Angekündigte Angebote, Vorträge und Veranstaltungen finden nicht statt.

Sozialamt und Pflegestützpunkt

• Es werden keine Hausbesuche durch die Schuldnerberatung, die Pflegeberatung und die Eingliederungs-/Behindertenhilfe mehr durchgeführt.

• Der Pflegestützpunkt berät nur noch telefonisch. Die Außenstelle Überlingen ist geschlossen.

Landwirtschaftsamt

• Beratungstermine zum Gemeinsamen Antrag ab Montag, 23. März 2020 werden abgesagt. Landwirte mit konkretem Beratungsbedarf melden sich bitte erneut beim Landwirtschaftsamt. Die Beratung wird dann telefonisch geleistet. Beratungstermine am 18. und 19. März finden wie vereinbart statt.

Gewerbeaufsicht (Umweltschutzamt)

• Für Beratungen und Ausnahmen nach dem Arbeitszeitgesetz, z. B. bei notwendiger Sonntagsarbeit, Verlängerung der werktäglichen Arbeitszeit oder Verkürzung der Ruhezeiten, steht das Umweltschutzamt auch kurzfristig zur Verfügung: E-Mail umweltschutzamt@bodeseekreis.de oder Tel. 07541 204-5528.

Bildung und Kultur

• Die Bibliothek am Bildungszentrum Markdorf bleibt geschlossen.

• Der Benutzerservice des Kreisarchivs, der Kreisbibliothek und des Kurt-Hahn-Archivs sowie die kommunale Archivpflege werden ausgesetzt.

Diese Maßnahmen gelten bis auf Weiteres. Es ist möglich, dass es kurzfristig zu weiteren Einschränkungen kommt. Das Landratsamt informiert auf seiner Website über aktuelle Änderungen.

Bürgersprechstunde

Die wichtigsten Dienstleistungen und Serviceangebote der Stadtverwaltung Friedrichshafen, des Bürgeramtes Fischbach und der Ortsverwaltungen werden seit Dienstag, 17. März, nur noch an einem Standort angeboten: im Rathaus am Adenauerplatz. Dafür ist vorab eine telefonische Anmeldung notwendig. Spontane Besuche sind nicht mehr möglich.

Grundsätzlich bittet die Stadtverwaltung darum, Termine auf besonders wichtige und eilige Angelegenheiten zu reduzieren und die Ämter telefonisch zu den üblichen Arbeitszeiten oder per E-Mail zu kontaktieren.

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Eine Welle der Hilfsbereitschaft im Kreis

Auf Facebook organisieren sich Menschen, die anderen während der Krise helfen wollen

Südfinder-Redakteur Matthias Schopf hat am Wochenende aus privatem Engagement heraus eine Facebook-Hilfsgruppe für Markdorf gegründet. Inzwischen gibt es weitere im Bodenseekreis. Hier schildert Matthias Schopf seine persönlichen Erfahrungen.

 Alle Menschen sind derzeit auf die ein odere andere Art von der Krise betroffen. Eigentlich hatte ich am Wochenende vor, wenn ich mit Landratsamt und Stadt telefoniere mal zu fragen, ob es gerade ehrenamtliche Initiativen gibt, bei denen man sich beteiligen könnte. Man würde ja gerne konstruktiv etwas tun. Aber da stoße ich am Samstag auf einen Post in einer Markdorfer Gruppe: Eine Userin schlägt vor, ob man nicht auf Facebook Hilfe organisieren könnte für Menschen, die nun nicht zum Einkaufen kommen oder sonst Hilfe brauchen.

Die Userin heißt Dilek Ellerbrock. Wir telefonieren und beschließen spontan, dass wir so eine Gruppe aufmachen möchten. Hilfe organisieren, vermitteln – eine Gemeinschaft aufbauen für Menschen, die jetzt die Wohnung nicht verlassen können oder sonst Hilfe brauchen. „Wenn wir 20 oder 30 Leute finden, die etwas tun wollen, wäre ja gut. Wenn auch nur ein Hund ausgeführt wird oder auch nur eine ältere Dame ihren Einkauf bekommt, hätten wir ja was erreicht“ sage ich zu Ellerbrock. Wie naiv. Am Dienstagabend sind genau 900 Menschen in der Gruppe, die Hilfsangebote häufen sich.

Es ist beeindruckend, wie die Menschen jetzt in der Krise virtuell zusammenrücken und sich gegenseitig helfen möchten. Hilfsanfragen gibt es wenige – was aber uns Helfer nicht demotiviert, sondern eigentlich freut: Es zeigt, dass die Menschen hier bei uns auch so gut vernetzt sind, die Hilfsangebote funktionieren. Wir leben hier in der Region eben nicht in anonymen Großstädten, Nachbarn, Freunde und Vereine helfen sich jetzt gegenseitig. Einfach ein schönes Zeichen.

Es ist enorm, wie hilfsbereit die Menschen sind. Die Gruppe erstellt einen Aushang mit Informationen über die Gruppe und die Kontakttelefonnummer für Menschen ohne Facebook. Der Kopierladen Markdorf druckt Plakate und Handzettel kostenfrei, Markdorf Marketing ist sofort bereit diese Werbung in den Geschäften zu verteilen. Das Mehrgenerationenhaus und die Kirchen bieten Hilfe, man tauscht sich aus.

Die Gruppe hat nach Vorbildern aus dem Netz einen Handzettel gestaltet, den man bei Nachbarn einwerfen kann: So wird direkte Hilfe vor Ort geleistet. Dankbar bin ich Robin Halle, Chefredakteur des Südfinder: Sofort ist er einverstanden, diese Aktion zu adaptieren: Rechts finden Sie den Zettel zum Ausschneiden. Er kann kopiert und bei den Nachbarn eingeworfen werden – falls jemand Hilfe benötigt.

Inzwischen haben die Schwäbische Zeitung, der Südkurier und die SeeWoche über die Gruppe berichtet. Im Radio war von uns die Rede. Überregionale Medien fragen an. Im Bodenseekreis haben sich in Meersburg, Überlingen und Friedrichshafen ähnliche Gruppen gebildet. Wenn wir Dank der Medienberichte auch Beispiel für andere Orte sind, wäre das schön.

Bisher mag die Anzahl der Hilfsanfragen noch gering sein – aber wir haben jetzt schon viele Menschen, die helfen wollen. Wir sind vorbereitet. Denn man weiß ja nicht, welche Einschränkungen und Maßnahmen uns noch bevorstehen. Sollte Hilfe benötigt werden, gibt es neben den Ämtern, Behörden und Hilfsdiensten nun auch ehrenamtliche Ansprechpartner vor Ort.

Die Gruppe in Markdorf hat sich bewusst dafür entschieden, sich nicht „Coronahilfe“ zu nennen sondern hat den Namen „Nachbarschaftshilfe Markdorf – Coronahilfe“ genannt. Denn die Hoffnung von mir und meinen Mitstreitern im Internet ist, dass die Grippe-Krise bald vorbei ist und hier etwas entstanden ist, was Bestand hat. Dann wird die „Coronahilfe“ aus dem Namen gestrichen und eine funktionierende Nachbarschaftshilfe bleibt bestehen.

Die Markdorfer Gruppe hat ein Infotelefon eingerichtet. Wer Hilfe benötigt spricht auf dem AB, der regelmäßig abgehört wird: 07544/9498203.

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Besuchszeit beendet

Zum Schutz der Mitarbeiter und Bewohner keine Besucher mehr bei der Stiftung Liebenau

Das neuartige Coronavirus nimmt auch Einfluss auf den Arbeitsalltag in der Pflege der Stiftung Liebenau.
Der Südfinder hat mit Pressesprecherin Helga Raible über die Auswirkungen gesprochen.
Welche Maßnahmen hat die Stiftung Liebenau ergriffen, um das Ansteckungsrisiko innerhalb der Wohngruppen zu minimieren?

Wir haben alle stationären Einrichtungen für Besucher von außen geschlossen. Innen gelten strenge Hygieneregeln.

Pflegeeinrichtungen sind öfters von aggressiven Viren betroffen (z.B der Norovirus). Helfen diese Erfahrungen nun auch im Umgang mit dem Coronavirus?

Im Umgang mit ansteckenden Erkrankungen sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut ausgebildet. In vielen Bereichen bestehen bereits Erfahrungen, z. B. mit dem Norovirus oder der Grippe.

Gibt es „Auflagen“ für die Mitarbeiter, um sich zu schützen?

Zusätzlich zu den Hygieneregeln in Betreuungsbereichen gelten für alle Mitarbeitende selbstverständlich die allgemeinen Hygieneregeln, zusätzliche Desinfektionsständer wurden bereitgestellt, Hinweise ausgehängt bzw. –gelegt.

Werden die Werkstätten und Tagesbetreuungen in gewohnter Weise fortgeführt?

Das lässt sich im Moment nicht verallgemeinern. Die Verantwortlichen beobachten die Entwicklungen sehr genau und reagieren kurzfristig.

Was müssen Besucher jetzt wissen?

Unsere Website www.stiftung-liebenau.de informiert aktuell über die getroffenen Maßnahmen.

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Schulsperrungen sind keine Schulferien

Wie Schulen mit den Sperrungen umgehen

Seit dieser Woche sind die Schulen und Kindergärten in der Region geschlossen.
Für die Schulen bedeutet das einen großen organisatorischen Aufwand – vor allem an den Schulen, an denen Prüfungen hätten stattfinden sollen.



Region – Am Tettnanger Montfort Gymnasium war man laut Andrea Riemer auf eine Schließung vorbereitet. Darum waren rechtzeitig Clouds für alle Klassen vorbereitet, mit denen die Schüler weiterhin lernen können. „Wir haben für alle Klassen eigene Clouds mit Zugangsdaten eingerichtet, welche regelmäßig aktualisiert und „bestückt“ werden“, erklärt sie.

Wie es mit den Abiprüfungen weitergehen wird, könne noch nicht gesagt warten -“ Wir warten noch auf Anweisungen des Kultusministeriums.

Trotz der Schulschließung ist die Kinderbetreuung durch die Schule weiterhin gewährleistet. Kinder werden täglich ab 7.30Uhr betreut.


Anders sieht es da beim katholischen Kindergarten St. Maria in Ettenkirch aus. „Die Betreuung der Kinder liegt jetzt in der Hand der Eltern. Sie muss privat organisiert werden. Wenn die institutionelle Betreuung durch Kindergärten und Schulen durch polizeibehördliche oder staatliche Behörden untersagt wird, können wir als Träger leider auch keine Stützungssysteme anbieten, die diese Anordnugnen unterlaufen würden“ sagt Ulrike Weiß, Leiterin des

Katholischen Verwaltungszentrums.

Schon Anfang März hat sich der Kindergarten in einer Krisensitzung auf eine mögliche Schließung vorbereitet. „Wir haben die Leiterinnen in den „Krisenmodus“ versetzt und Schließungsszenarien besprochen. „Wir haben dafür gesorgt, dass Kommunikationswege geklärt und Daten aktualisiert werden“, erklärt sie. „Unsere Leiterin, Frau Kugelmann, hat hervorragend reagiert. Den ersten Stresstest haben wir bestanden“, betont sie.

Das liegt auch daran, dass sich der Kindergarten auf eine Schließung vorbereitet hatte,die über Nacht geschehen muss – wie es dann ja auch der Fall war. „Wir haben Rufbereitschaften in jedem Kindergarten eingerichtet, die auch über die Wochenenden erreichbar sind. Die Infozettel an die Eltern und selbst das Infoschild an der Tür wurden von uns vorbereitet, so dass nur noch die aktuellen Daten eingetragen werden mussten.“

Auf der Homepage des Kindergartens gibt es unter dem Button „Corona-Virus“ alle Infos zur Schließung.

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