Tuttlingen

Aktuelle Ausgabe 27.05.2020

„Die Situation ist teilweise sehr ernst“

Guido Wolf – Minister für Justiz, Tourismus und Europa in Baden-Württemberg – im Interview

Am Freitag war Guido Wolf, seines Zeichens Minister für Justiz, Europa und Tourismus in Stuttgart, noch auf einem Lokaltermin bei einem von der Corona-Krise geplagten Reisebüro in Blumberg, am Wochenende standen diverse Telefonate zu diesem Thema an und die Woche startete mit dem Exklusiv-Interview mit dem Südfinder und weiteren Gesprächen in der CDU-Kreisgeschäftsstelle in Tuttlingen.

von Svenja Schönthaler

und Sven Krause

Wie nehmen Sie als zuständiger Minister die Auswirkungen der Corona-Pandemie im Bereich der Hotelerie, der Reisebüros und der Gastronomie wahr?

Guido Wolf: Da muss ich differenzieren, weil es sich in jedem Bereich anders darstellt und jeder Zweig mit ganz typischen Problemen kämpft.

Dann fangen wir mit den Reiseunternehmen/Reisebüros an. Dort waren Sie n Blumberg in der Reiseagentur Strecker vor Ort. Was wurde Ihnen gespiegelt?

Dass die Situation sehr ernst ist. Die Reiseunternehmer und die Agenturen hier vor Ort haben seit Monaten kein Produkt mehr, das sie verkaufen können. Außerdem gibt es immer mehr Kunden, die – aus deren Sicht verständlich – das Geld für gebuchte und aktuell nicht anzutretende Urlaube zurückwollen und sich nicht mit Gutscheinen zufriedengeben.

Wie kann die Landesregierung helfen?

Wir sind dabei, auch für die Reisebusunternehmen und die Reisebüros hier in Baden-Württemberg ein auf sie zugeschnittenes Hilfspaket auf den Weg zu bringen. Immerhin haben wir hier rund 2500 Reisebüros. Stand jetzt werden wir für Busunternehmen 40 Millionen Euro an Soforthilfen zur Verfügung stellen, die Reisebüros fallen unter das Sofortprogramm II.

Wie ist der Stand bei den Hoteliers?

Für Hotels und Gaststätten gibt es ein zweites Hilfspaket in Höhe von rund 330 Millionen Euro. Wir konnten dieser Branche, wie vielen anderen klein- und mittelständischen Unternehmen durch den ersten Hilfsfonds erste Unterstützung zukommen lassen. Diese reicht nicht aus. Darüber hinaus dürfen Hotels ab dem 29. Mai öffnen. Ein erster Schritt.

Glauben Sie daran, dass, wenn die Deutschen in diesem Jahr überhaupt Urlaub machen, sie das im eigenen Land tun werden?

Zunächst einmal glaube ich, dass das Bedürfnis, in den Urlaub zu fahren, bei vielen Menschen hoch sein wird. Die psychische Belastung durch die verschiedenen Corona-Schutzmaßnahmen, durch eine oftmals komplett veränderte Situation in der eigenen Familie oder im Beruf, war für viele Menschen enorm. Daher gehe ich von einer hohen Bereitschaft aus einen Urlaub, soweit dieser möglich ist, zu verbringen.

Und der findet dann in Deutschland statt?

 Automatisch natürlich nicht. Aber nach den Umfragen und den Eindrücken, die mir vorliegen, würde ich sagen, dass bei vielen Baden-Württembergern der Gedanke eine Rolle spielt: Was ist, wenn ich im Ausland Urlaub mache und dort krank werde? Daher glaube ich, dass das Urlaubsland Deutschland und damit Baden-Württemberg in diesem Jahr einen Schub bekommen wird. Um das Image unserer Region als Urlaubsziel bekannter zu machen, läuft zeitnah Kampagne „Urlaub im Ländle“ an. Auch damit wollen wir der Branche helfen.

Seit ein paar Tagen hat die Gastronomie wieder geöffnet. Wie waren dort die ersten Rückmeldungen?

Laut den Info’s, die ich bekommen habe, war der Vatertag und der Start ins vergangene Wochenende gelungen, insbesondere dort, wo man bei schönem Wetter draußen sitzen konnte. Allerdings wurde ein deutlich verändertes Verhalten der Gäste beobachtet. Die innenliegenden Räume der jeweiligen Restaurants oder Gasthöfe wurden nur wenig genutzt. Das müssen wir jetzt weiter intensiv beobachten.

Spricht man mit verschiedenen Experten, dann bekommt man die unterschiedlichsten Schätzungen, wie viele Betriebe die Corona-Pandemie nicht überstehen werden. Was glauben Sie?

Wir haben in der Gastronomie rund 30 000 Betriebe in Baden-Württemberg. Davon könnten nach aktuellen Schätzungen des Branchenverbands bis zu 10 000 durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie gefährdet sein.

Müssen wir uns hier im Landkreis auf eine ähnlich schwierige Phase wie nach der Krise 2008/09 einstellen?

Zunächst einmal kann man beide Krisen nicht vergleichen. Zudem haben vor allem die Unternehmer hier im Landkreis 2008/09 eine bewundernswerte Leistung vollbracht und sind gestärkt aus dieser hervorgegangen. Die aktuelle Krise kann in manchen Bereichen Veränderungsprozesse beschleunigen. Ich bin aber nicht dafür da, um schwarz zu malen. Wir als Landesregierung tun alles, um jede mögliche Hilfe zu generieren.

Sie sind auch für die Bereiche Justiz und Strafvollzug zuständig. Wie haben sich diese Bereiche verändert?

Wir haben im Bereich der Justiz das Glück gehabt, dass wir personell besser aufgestellt sind als noch vor ein paar Jahren. Das hat in dieser Situation sehr geholfen. Darüber hinaus hat die „elektronische Akte“ vieles erleichtert, weil viele Kolleginnen und Kollegen von zu Hause arbeiten konnten und können. Seit Ende April haben wir den Betrieb wieder hochgefahren. Wir haben strenge Hygienerichtlinien in den Verfahren, teilweise zum Beispiel eingebaute Trennscheiben zwischen Verfahrensbeteiligten. Da wir uns zunächst auf die unaufschiebbaren Vorgänge beschränkt haben, gibt es Nachholbedarf. Das war nicht zu vermeiden.

Wie ist der Stand in der Justiz und wie lange schätzen Sie, sind die Kollegen damit beschäftigt, die aufgelaufenen Fälle nachzubearbeiten?

Die Rückstände scheinen auf den ersten Blick erträglich, aber eine objektive Einschätzung werden wir – nachdem es an den Gerichten erst seit dem 26. April wieder im Regelbetrieb läuft – erst geben können, wenn im Juli die offiziellen Quartalszahlen vorliegen. Aber aus der Erfahrung heraus würde ich sagen, dass wir im Schnitt noch mindestens drei Monate brauchen werden, um wieder alles aufgearbeitet zu haben.

Was nehmen Sie mit in die Zukunft?

Elektronische Akten bei der Verfahrensbearbeitung stellen einen wichtigen und notwendigen Schritt für die Justiz dar. In diesem Zuge ist auch die Möglichkeit für alle Prozessbeteiligten, digitale Arbeitsmittel wie Präsentations- und Videokonferenztechnik nutzen zu können, um digitale Sachverhalte in die mündliche Verhandlung einzuführen, von Bedeutung. In der Krise hat sich ausgezahlt, dass wir bundesweit Vorreiter bei der Digitalisierung der Justiz sind. Speziell an den 42 Gerichtsstandorten, die bereits mit der elektronischen Akte ausgestattet sind, konnte während der Krise fast nahtlos weitergearbeitet werden. Ergänzend dazu haben nochmal 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gerichte und Staatsanwaltschaften Fernzugänge in das Landesverwaltungsnetz erhalten.

Wie lief es im Justizvollzug? Beispielsweise in der JVA in Rottweil?

Der ist natürlich immer heikel. Bislang sind wir da gut durch die Krise gekommen, da gehört auch Glück dazu, weil wir dort bislang keine größeren Infektionen hatten. Gefangene waren bislang nur in einer Anstalt, in Mannheim, betroffen. Wir haben auch im Vollzug den Betrieb auf ein Mindestmaß heruntergefahren, teilweise auf Wochenendbetrieb umgestellt, um die Personalstärke optimieren zu können. Darüber hinaus wurde ein generelles, immer noch geltendes Besuchsverbot verhängt. Als Ersatz wurden 60 Tablets angeschafft, damit zumindest der virtuelle Kontakt zu Familien und Angehörigen gehalten werden kann und Telefonzeiten ausgeweitet. Darüber hinaus haben sich 60 ehemalige Vollzugsbeamte bereit erklärt einzuspringen, sollten wir Bedarf haben. Bislang mussten wir auf diese Kollegen noch nicht zurückgreifen. Außerdem haben wir einen Großteil der Ersatzfreiheitsstrafen, also wenn jemand eine verhängte Geldstrafe nicht bezahlt, für begrenzte Zeit verschoben und werden diese erst nach dem Ende der Corona-Zeit wieder vollstrecken. Krause/Schönthaler

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Ausgabe 14.05.2020

Der Honberg-Sommer 2020 findet statt- 2021

Das Programm kann fast komplett im kommenden Jahr nachgeholt werden

Fußballspiele, Konzerte, Festivals, Demonstrationen, Volksfeste: Bis 31. August bleiben Großveranstaltungen in ganz Deutschland untersagt. Wie dieses prinzipielle Verbot umgesetzt wird, ist Sache der Länder.

TUTTLINGEN – Die Landesregierung arbeitet an detaillierten Ausführungsbestimmungen, hat aber bereits erklärt, dass Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmenden ganz sicher

unter das Verbot fallen. Das bedeutet, dass der Honberg-Sommer 2020 nicht stattfinden kann. Die gute Nachricht: Fast das gesamte Programm von 2020 kann 2021 nachgeholt werden. Die Tuttlinger Hallen als Veranstalter arbeiten daran, und die Tendenz sieht gut aus. Laut Hallen-Chef Michael Baur sind die meisten Verträge fürs kommende Jahr umgeschrieben worden. Das gilt unter anderem für die Konzerte von Saga, Nico Santos, H-Blockx, Wirtz, die „Schwarze Nacht“ mit Feuerschwanz und Russkaja, für Kenny Wayne Shepherd.

Auch die beliebte A-Cappella-Nacht wird es 2021 mit dem weitgehend gleichen Programm wie 2020 geplant geben. Und die Programmer Michael Baur und Berthold Honeker haben sogar schon einen Künstler an Land gezogen, der 2020 nicht auftreten sollte, aber für 2021 bereits gebucht ist: Matthias Reim.

Kontakt haben die Veranstalter auch zu den Sponsoren aufgenommen. Dass sie bei der Stange bleiben, ist für das Festival besonders wichtig. Denn es steht zu fürchten, dass die Marktmacht der Großen Player der Musikbranche durch die aktuelle Krise weiter wächst und es gerade die kleinen und mittleren Festivals, „die wie unser Honberg-Sommer die musikalisch-kulturelle Vielfalt unserer Gesellschaft bereichern“ (Baur), nach Corona noch deutlich schwerer haben werden. Baur: „Kultur ist nicht verzichtbar für unsere Gesellschaft, ohne sie würde Essentielles fehlen.“

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Ausgabe 06.05.2020

Bäder öffnen nicht vor Pfingsten

Zukunft für die Freibadsaison ist ungewiss

Stadtwerke Tuttlingen berichten von bis zu 270.000 Euro Umsatzverlust pro Monat

Die Stadtwerke Tuttlingen berichten von bis zu 270.000 Euro Umsatzverlust pro Monat. Die Freibäder in Trossingen und Spaichingen öffnen nicht vor Pfingsten.

KREIS TUTTLINGEN – Mitte Mai markiert jährlich den Start der Freibadsaison. Die aktuelle Corona-Verordnung für Baden-Württemberg verbietet

bisher jedoch eine Öffnung der Bäder. Somit seien konkrete Aussagen hierzu nicht möglich, heißt es aus der Pressestelle der Stadtwerke Tuttlingen.

Vor Pfingsten werde es jedoch definitiv keine Öffnung der Bäder geben. „Wir gehen momentan nicht davon aus, dass wir vor Pfingsten oder gar in den Pfingstferien öffnen können und dürfen, da es noch keine Entscheidung des Landes zur Öffnung von Schwimmbädern gibt“, heißt es auch für die Troase, das Trossinger Naturbad. Frühestens am 1. Juni rechnet dagegen Spaichingen mit dem Start der Freibadsaison.

„Die Vorbereitungen für eine reguläre Eröffnung der Bäder sind abgeschlossen“, sagt ein Pressevertreter der Stadtwerke. Zu erwarten sei jedoch, dass eine Wiedereröffnung in diesem Jahr nur unter Auflagen möglich ist. Welche das konkret sein werden, stehe derzeit noch nicht fest.

„Sobald von der Bundes- bzw. der Landesregierung eine mögliche Wiedereröffnung der Bäder signalisiert wird, werden wir in enger Abstimmung mit unseren Gremien und unserem Aufsichtsratsvorsitzenden, Herrn Oberbürgermeister Beck, verantwortungsvoll entscheiden, ob, wann und unter welchen Bedingungen die Bäder wieder eröffnet werden können“, erklärt die Pressestelle der swt.

Die wirtschaftlichen Folgen ließen sich derzeit nur bedingt abschätzen. „Aktuell entstehen durch die Schließung für das TuWass zirka 180.000 bis 200.000 Euro Umsatzverlust pro Monat, im Freibad liegen die durchschnittlichen Umsatzverluste zwischen 50.000 und 70.000 Tausend Euro im Monat“, berichten die Stadtwerke. (sch)

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3000 Fahrschulen vor dem Aus

Verbände kritisieren verzögerte Wiedereröffnung, fühlen sich diskriminiert

30 Prozent der Fahrschulen in Deutschland werden ihr Geschäft nicht erhalten können. Das ergibt eine Umfrage von Moving International Road Safety Association. Sollte das Betriebsverbot nicht bald aufgehoben werden, sehen die Fahrlehrerverbände sogar jede zweite Fahrschule in Gefahr.

von Svenja Schönthaler

TUTTLINGEN – Sieben Wochen sind die Fahrschulen nun schon geschlossen. „Die Fahrschülerausbildungsordnung lässt noch keinen Onlineunterricht zu, wir müssen Präsenzunterricht anbieten“, sagt Christoph Gruler, Kreisvorsitzender des Kreises Tuttlingen im Fahrlehrerverband Baden-Württemberg. Das bedeutet fast zwei Monate keine Einnahmen und die Kosten laufen weiter. „Trotz Soforthilfe der Landesregierung wird es für manche Fahrschulen langsam finanziell bedrohlich“, sagt Gruler.

„Die Fahrschulen brauchen rasch eine Perspektive, wann und wie es mit ihren Betrieben weitergehen kann“, erklärt Landesverkehrsminister Winfried Hermann in einer Pressemitteilung. Er stellt eine schrittweise Wiederaufnahme des Fahrschulbetriebs in Aussicht. Eine abschließende Entscheidung darüber, wie das ablaufen wird, gebe es aktuell aber noch nicht. Unter Vorbehalt sei geplant, die Büroräume der Fahrschulen ab dem 11. Mai zu öffnen. Ab dem 18. 5. soll dann mit der Durchführung des Theorieunterrichts begonnen werden. Die Wiederaufnahme des gesamten Fahrschulbetriebes würden demnach am 25. Mai beginnen.

Voraussetzung für eine Wiederöffnung sind strenge Hygienevorschriften und Schutzmaßnahmen. Auch hierzu bleibt die endgültige Entscheidung noch abzuwarten. Es ist jedoch anzunehmen, dass für Fahrschulen dieselben Hygieneanforderungen gelten werden, wie für andere Bildungseinrichtungen.

Zudem haben die Fahrlehrerverbände einen Hygiene- und Schutzmaßnahmenplan sowie eine arbeitsmedizinische und sicherheitstechnische Beurteilung für den Verkehrsminister ausgearbeitet.

Dieser Plan sieht unter anderem nach jedem Fahrschüler eine Lüftung des Fahrzeugs vor sowie die Desinfektion von Lenkrad und Armaturen. „Die Umsetzung wird schwierig, da der organisatorische und zeitliche Aufwand groß ist“, sagt Christoph Gruler. Auch befürchtet er, Preiserhöhungen vornehmen zu müssen.

Seit dem 4.5. dürfen Schulungen im Rahmen der Berufskraftfahrerqualifikation und zur Ausbildung von Fahrlehrern wiederaufgenommen werden. Das Ministerium sieht hierin eine erste Verbesserung der Situation.

Von der Pressestelle des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg gibt es jedoch Protest „gegen die unverhältnismäßige und unbegründete Diskriminierung von Fahrschulen“. Viele Mitglieder ließen sich diese unbegründete, ihre Existenz bedrohende Diskriminierung nicht bieten und werden dagegen klagen, heißt es in der Pressemitteilung vom 4.Mai.

Einig sind sich Verbände und Verkehrsminister jedoch darin, dass die Öffnung der Fahrschulen nicht bis zum Ende der Corona-Pandemie warten kann. Für die Ausübung vieler systemrelevanter Berufe wie Rettungsdienst oder Feuerwehr sei die Fahrerlaubnis zwingende Voraussetzung. Auch die Ausbildung von Berufskraftfahrern muss weitergehen, denn dort habe bereits vor der Krise Personalknappheit bestanden.

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Ausgabe 29.04.2020

Endlich zurück zur perfekten Frisur

Obermeisterinnen der Friseurinnung Tuttlingen im Interview zur Wiederöffnung der Salons

Die Bad-Hair-Wochen sind vorbei: Ab dem 4.Mai werden die Friseurstudios wieder öffnen. Karola Ausländer und Miriam Jahke, Obermeisterinnen der Friseurinnung Tuttlingen, erklären im Interview den Weg zur perfekten Frisur in Corona-Zeiten.

Von Svenja Schönthaler

Was halten Sie von der Entscheidung, dass Friseursalons wieder öffnen dürfen? Die Entscheidung, dass wir Friseure wieder öffnen dürfen, können wir nur begrüßen. Sowohl Kunden als auch Mitarbeiter sehnen diesen Termin herbei. Ein Friseurbesuch ist nicht nur eine Verschönerung nach außen, sondern auch Balsam für die Seele. Er steigert das Selbstwertgefühl.   Wie schätzen Sie die Regeln für die Wiederöffnung ein? Wir Friseure sind uns der Verantwortung und der Verpflichtung bewusst, da Hygiene schon immer ein Thema in unseren Friseurgeschäften war. Jetzt kommen natürlich noch Abstandsregeln, häufigeres Desinfizieren, Mundschutz und viele weitere Dinge hinzu. So muss beispielsweise auch jeder Kunde Name und Telefonnummer in eine Liste eintragen, damit Infektionsketten verfolgt werden können. Hier geht es um die Gesundheit unserer Kunden und Mitarbeiter. Um diese Hygienevorschriften einhalten zu können, ist jeder Betrieb verpflichtet, einen Ablaufplan zu entwickeln und seine Mitarbeiter einzuweisen. Was erwartet die Kunden beim Friseurbesuch? Das Tragen von Mund-Nasenschutz ist Pflicht. Viele Kollegen halten gegen eine Gebühr Einweg-Mundschutz bereit. Da nur eine bestimmte Anzahl von Personen im Friseursalon sein darf, können nur Kunden mit einem vereinbarten Termin bedient werden. Arbeiten dürfen nur noch am „im Salon gewaschenen Haar“ durchgeführt werden. Kunden mit Erkältungssymptomen dürfen wir nicht bedienen. Diese Personen bitten wir, den Termin rechtzeitig zu stornieren. Wartezonen sind abgeschafft, Begleitpersonen sind nicht zulässig, Arbeiten im Gesicht sind nicht erlaubt. Es können keine Getränke und Zeitschriften mehr bereitgestellt werden. Kunden sollten beachten, dass der Mundschutz sich bei Dienstleistungen mit Haarfarbe verfärben kann. Werden Sie die Preise erhöhen müssen? Eins muss jedem klar sein: Die erhöhten Ausgaben für Desinfektion, Spuckschutz, Hygieneartikel, Mundschutz und viele weitere Maßnahmen, die im Hintergrund getroffen werden müssen, kann ein Friseurgeschäft nicht mit der Preiskalkulation vor Corona tragen. Des Weiteren können wir nicht mehr so viele Kunden bedienen, da wegen des Sicherheitsabstandes oft der Platz nicht gegeben ist. Je nach Betriebsgröße muss daher eventuell geschichtet werden.   Was möchten Sie den Friseurkunden noch mitteilen? Wir sind Friseure, wir lieben unsere Arbeit, unsere Kunden und unsere Kreativität. Auch wenn in dieser Zeit vieles anders ist, unsere Leidenschaft für Haare ist unverändert! Unser Lächeln ist zwar nicht sichtbar, es ist aber immer noch vorhanden. Wir freuen uns auf unsere Kunden und auf unsere Arbeit. Wir bitten um etwas Geduld, wenn nicht jeder zum Wunschtermin bedient werden kann. Zeigen Sie Verständnis für diesen logistischen Kraftakt!

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Corona-Notizen

Postkarten an Menschen schreiben, die sich darüber freuen – diesen Plan möchte der Tuttlinger Buchhändler Christof Manz in die Realität umsetzen. Deshalb bittet er Pflegeeinrichtungen und Altenheime darum, ihm Namen von Bewohnern zukommen zu lassen, die sich über nette Post von ihm freuen würden. Er wird ihnen dann eine Grußpostkarte zukommen lassen. Kontakt: stiefel-manz@t-online.de.

Aufgrund der Corona-Krise ist auch der Diakonieladen „Kaufkultur“ geschlossen. Trotzdem hat er in dieser Zeit viele Spenden erhalten. Das Team verkauft sie jetzt im Lebens.Werk (Föhrenstr. 3) unter Einhaltung der hygienischen Richtlinien montags, dienstags und donnerstags vom 12 – 15 Uhr. Mehr auf www.lebenswerk-tuttlingen.de.   Die Bediensteten der Gemeinde Denkingen setzen ein Zeichen der Solidarität – zum einen mit Betrieben in der Gemeinde, zum anderen mit den Ärmsten der Gesellschaft. Die Rathaus-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter haben einen Betrag in Höhe von 800 Euro gesammelt. Mit diesem Geld wird die Gemeinde beim örtlichen Handel Lebensmittel einkaufen und sie dem Tafelladen in Trossingen zur Verfügung stellen.   Mit einem umfangreichen Kursangebot versucht die VHS Stadt und Kreis Tuttlingen das Weiterbildungsangebot auch in der Krise fortzusetzen. Über 90 Kurse – vor allem im Sprachen- sowie im Gesundheitsbereich – könnten im Mai starten, wenn das Angebot von den Teilnehmern angenommen wird. Wichtig war der VHS, dass für die Kurse ein stabiles Konferenz-Tool zur Verfügung steht. Nach verschiedenen Tests, bei denen auch ausgewählte Kursleitende „Pionierarbeit“ leisteten und ihre Erfahrungen aus der Testphase einbrachten, ist sich der Medienpädagoge und stellvertretende vhs-Leiter Steffen Griesinger sicher, eine „gute Lösung“ gefunden zu haben. „Das eingesetzte Videokonferenz-System erfüllt die technischen Erwartungen, so dass sich eigentlich keine Pannen ergeben dürften“, äußert sich Griesinger hinsichtlich der technischen Grundlagen zuversichtlich. Bei den Kosten für einen Online-Kurs hat man sich an der aktuellen Gebührenordnung orientiert, um die Hemmschwelle eines Kursbeitritts möglichst gering zu halten. Das gesamte Online-Kursangebot steht auf www.vhs-tuttlingen.de. Ein Autokino soll es demnächst in Tuttlingen geben. Die Stadt, die das Vorhaben begrüßt und unterstützt, und ein möglicher Betreiber sind aktuell daran, einen geeigneten Standort zu finden – der zunächst angedachte Donauspitz soll es nicht sein, weil er als Parkplatz benötigt wird. In der weiteren Region eröffnen derzeit mehrere Autokinos – das nächstgelegene auf dem Parkplatz der Schwarzwald-Therme Titisee-Neustadt, in Eutingen im Gäu sowie in Freiburg auf dem Messegelände. Das Scala-Kino in Tuttlingen hat noch geschlossen. Die Stadtbibliothek Tuttlingen hat wieder geöffnet. Sie kann dienstags, mittwochs und donnerstags von 10 bis 13.30 Uhr besucht werden.

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Ausgabe 22.04.2020

Stiller Sommer

Southside, Honberg-Sommer & Co.: Nichts findet statt Die Corona-Pandemie hat den Veranstaltungs- und Festivalkalender in diesem Jahr weggefegt. Honbergsommer und Southside fallen aus.


REGION (sf) – Southside-Veranstalter FKP Scorpio hat mit der Absage gewartet, bis die Bundesregierung alle Groß-Events bis Ende August verboten hat. Dem Vernehmen nach spielen versicherungsrechtliche Gründe eine entscheidende Rolle, dass die Absage erst nach dem Beschluss erfolgte. Bei einer freiwilligen Absage

des Veranstalters könnte zudem der Anspruch auf Hilfsgelder verwirkt sein. Fans reagieren emotional, aber mit Verständnis – nicht wenige wünschen sich eine Verlegung des kompletten Line-ups von 2020 auf 2021. Jedoch: Der Einschätzung eines Experten zufolge steht auch das Southside 2021 auf der Kippe. Zeke Emanuel, Bioethiker und Professor für Gesundheitsmanagement, erklärte kürzlich gegenüber der New York Times, dass Festivals und Konzerte wahrscheinlich erst im Herbst 2021 wieder stattfinden können. Schließlich sei der Höhepunkt der Pandemie wohl noch lange nicht erreicht. Der US-Experte kann nicht verstehen, „wie jemand glauben kann, dass Konferenzen, Konzerte und Sport-Events im Herbst 2020 stattfinden werden.“ Solche Veranstaltungen seien die letzten, die nach dem Shutdown wieder stattfinden können. Realistisch seien frühestens Termine im Herbst ’21. Neben der Experten-Einschätzung gibt es für 2021 noch ein weiteres Fragezeichen: Dieses Jahr läuft für den Veranstalter der Mietvertrag für das Gelände aus. Zuletzt hieß es von Seiten FKP Scorpio, man stehe in Verhandlungen. Nicht nur Southside ist gecancelt. Abgesagt sind auch das ZMF in Freiburg, das Konzert der Toten Hosen in Konstanz, das Bang-Your-Head-Festival in Balingen, das Elektro-Event Sea You in Freiburg oder die „Sommer-Sinnfonie“ in Bad Dürrheim. Die Organisatoren des Hohentwielfestivals in Singen und des Rottweiler Ferienzaubers denken noch über Lösungen nach – offiziell abgesagt haben sie noch nicht.  

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Corona-Notizen

„Das werden bald deutlich mehr werden“

Aktuelle Absagen: der PROTUT-Sommer-Flohmarkt, die Südwestmesse in Schwenningen und das Lauf-Event run&fun (Neuer Termin: 12./13.6.2021). VHS-Kurse bleiben vorerst bis 14.6. unterbrochen.  

Das Rathaus Tuttlingen ist wieder geöffnet. Mit zunächst

eingeschränkten Öffnungszeiten stehen alle Abteilungen den Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung. Das Rathaus kann nur über den Haupteingang betreten werden, an dem auch der Zutritt kontrolliert wird. Besucher sollten eine Gesichtsmaske tragen. Auch die Stadtbibliothek öffnet wieder.  

Das Musikduo Safran (Sandra Schwarz und Franz Hutter) spielt am Sonntag, 26.4., um 10 Uhr am Pflegeheim St. Josef Spaichingen und gegen 13.30 Uhr am Bürgerheim Tuttlingen.

Der Hochschulcampus Tuttlingen ist ins Sommersemester gestartet – digital. Die Lehre für rund 610 Studierende findet zum Teil über Live-Videokonferenzen, Videomitschnitte oder vertonte Präsentationen von Vorlesungen statt.  

Der DRK-Blutspendedienst sucht geheilte Covid-19 Patienten, die mit ihrem Blut zur Entwicklung einer Antikörper-Therapie beitragen. Wer zur Entwicklung einer Therapie beitragen will, erreicht das DRK unter www.blutspende.de/rkp oder der gebührenfreien Hotline 0800-1004066. Eine Blutspende unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen findet von Montag, 27., bis Donnerstag, 30.4., jeweils 13 – 18 Uhr in der Angerhalle Möhringen statt.

Die Stiftung St. Franziskus meldet erste Corona-Fälle in ihren Pflegeheimen. Stand 17.4. sind 9 Seniorinnen und Senioren infiziert, von denen drei stationär behandelt und sechs in der Corona-Schutz-Station in St. Anna versorgt werden. Einer der 3 Bewohner ist im Krankenhaus infolge der Infektion und Vorerkrankungen gestorben, ein anderer auf dem Weg der Besserung.  

Das Hotel Bären in Trossingen bietet „Helden der Autobahn“, Lkw-Fahrern, die auf der A 81 unterwegs sind, die Möglichkeit, kostenfrei im Hotel zu duschen, sich zu waschen oder einen Kaffee zu trinken. Nachahmenswert!

Finanzielle Folgen hat die Krise für die Stadt Tuttlingen. 800 000 Euro pro Monat entgehen ihr derzeit an Einnahmen – vor allem bei den Kindergärten und den Tuttlinger Hallen sind es je rund 200 000 Euro, bei der Musikschule und der Jugendkunstschule rund 80 000. Die Fixkosten, vor allem für Personal, laufen derweil aber weiter, wie OB Michael Beck am Montag dem Verwaltungs- und Finanzausschuss berichtete. Auf eine Haushaltssperre, wie sie mehrere andere Städte bereits erlassen haben, verzichtet Tuttlingen dennoch bis jetzt. „Wir hatten einige Sondereffekte bei der Gewerbesteuer“, so Beck, „die machen sich jetzt sehr positiv bemerkbar.“ Der Ausschuss tagte übrigens erstmals per Videokonferenz.

Die Abschlussklassen der Realschulen und Gymnasien starten am 4.5. wieder. Die Stadt stellt dann unter anderem einen Grundbestand an Masken zur Verfügung. Da das Land die Vorgaben für die Notgruppen im Kindergartenbereich gelockert hat, geht man in Tuttlingen von deutlich höheren Anmeldezahlen aus. Derzeit betreut die Stadt 40 Kinder, die Klinik weitere 20. „Das werden bald deutlich mehr werden“, so Beck. Und auch in einem anderen Bereich ist er skeptisch: In TuWass und Freibad wird es eventuell 2020 keine Badesaison geben.  

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Aktuelle Ausgabe 15.04.2020

Handel und Handwerk atmen durch

Soforthilfe des Bundes zur Überbrückung der Corona-Ausfälle kommt an

Der Tuttlinger Buchhändler Christof „Stiefel“ Manz hat an Landrat Stefan Bär und OB Michael Beck geschrieben – zum Dank für die staatliche Unterstützung seines Unternehmens, die schnell geflossen ist.



TUTTLINGEN / REGION – Manz hat Mittel aus dem Not-Programm für kleine und mittlere Firmen erhalten – ein Beispiel für das umfangreiche Hilfsprogramm des Bundes, das rasch angelaufen ist, unbürokratisch umgesetzt und in vielen Fällen auch entsprechend schnell ausgezahlt worden ist.

„Am Donnerstag, 2. April, habe ich mich artig in die Reihe der kleineren Händler mit Bitte um Überbrückungshilfe des Staates digital angestellt“, schreibt Manz, „am Montag, 6. April hatte ich das Geld auf dem Konto.“ Manz betreibt einen kleinen Buchladen am Place de Draguignan und versucht derzeit wie viele Händler und Gastronomen, Einnahmeverluste mit einem Lieferservice auszugleichen.

Doch ohne die Hilfe aus Berlin geht es nicht. Deshalb dankt Manz den Verantwortlichen „unserer Stadt und unseres Landkreises Landkreis stellvertetend bei Ihnen.“ Das Hilfsprogramm sei „nicht selbstverständlich“, doch „durch diese Unterstützung steigen die Chancen, meinen Laden bis zum Tag X zu halten.“

Manz regt an, sein Schreiben an die IHK, die Landes- und Bundesregierung sowie an Bundespräsident Frank Walter Steinmeier weiterzuleiten. In seinen Dank bezieht er auch und ausdrücklich seine Anlauf-stellen im Rathaus, Citymanagement Fabienne Lübcke und ihre Mitarbeiterin Ute Sterz, einzubeziehen. Sie alle samt Landrat und Oberbürgermeister hätten „großartige Arbeit“ geleistet.

Das Soforthilfeprogramm des Landes zur Bewältigung der Coronakrise wird auch im Handwerk gut angenommen. Allein in den Landkreisen Tuttlingen, Rottweil, Konstanz, Waldshut und im Schwarzwald-Baar-Kreis wurden bis heute rund 3500 Antragsformulare von Handwerksunternehmen hochgeladen. Damit haben rund ein Drittel der Mitgliedsbetriebe der Handwerks-kammer Konstanz Soforthilfe beantragt

„Uns war es wichtig, dass unsere Mitgliedsbetriebe in Not etwas beruhigter in die Osterfeiertage gehen können. Viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben die beiden letzten Wochenenden durchgearbeitet, damit die Unternehmen innerhalb von wenigen Tagen an die Gelder kommen. Bis auf wenige hundert teilweise unvollständige oder fehlerhafte Anträge sind alle bereits zur endgültigen Bewilligung und Auszahlung an die L-Bank weitergeleitet worden“, berichtet Georg Hiltner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz. Er geht von einem Gesamtvolumen von rund 35 Millionen Euro aus, das nun als Soforthilfe an die Betriebe geht.

Seit Gründonnerstag wird die Soforthilfe des Landes mit dem Bundessoforthilfeprogramm verzahnt. Weiterhin sind Betriebe mit bis zu 50 Beschäftigten antragsberechtigt, auch die Konditionen bleiben erhalten.

„Für Betriebe ändert sich bei der Antragsstellung nichts und sie werden auch nicht schlechter gestellt, wenn sie erst jetzt einen Antrag stellen. Die Zuschüsse speisen sich lediglich aus unterschiedlichen Töpfen: Kleine Betriebe bis zehn Mitarbeiter erhalten nun Zuschüsse aus Bundesmitteln, Betrieben von elf bis 50 Mitarbeitern stehen nach wie vor Mittel aus dem Landestopf zu“, erläutert Hiltner.

Bedürftige Unternehmen können den maximalen Zuschuss nur einmal beantragen, egal ob im bisherigen Landesprogramm oder im jetzigen Bundes- oder Landesprogramm. Betriebe, die bislang den maximalen Zuschuss nicht beantragt haben und darüber hinaus einen weiteren Liquiditätsengpass glaubhaft machen, können diesen Zuschuss allerdings über die neuen Programme aufstocken. Nach wie vor gilt: Für Betriebe mit bis zu fünf Beschäftigten beträgt der maximale Zuschuss 9.000 Euro, für Betriebe von fünf bis zehn Beschäftigen bis zu 15.000 Euro, und für Betriebe mit mehr als zehn Beschäftigten 30.000 Euro.

Anträge können noch bis zum 31.05.2020 gestellt werden. „Wir bitten die Unternehmen, sich Zeit für den Antrag zu nehmen und diesen sorgfältig auszufüllen. Das erspart allen Seiten viel Arbeit und führt auch schneller zum Erfolg“, rät Hiltner.

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08.04.2020

Roland Martins Menschen: Als hätte er Corona vorhergesehen…

Irgendwann, wenn das alles vorbei ist, werden Filme über Corona gedreht werden, Virus-Opern komponiert, Romane und Sachbücher geschrieben werden. Und auch die Kunst wird sich des Themas wohl annehmen. in Tuttlingen gibt’s einen Künstler, der alles schon geahnt und sich vorab mit Corona auseinander gesetzt hat: Roland Martin.

Der Mann ist ein Corona-Visionär. Nehmen wir das „Streitende Paar“ an der Rathaus-Fassade: Vorbildlich die Entfernung von Mann und Frau – hier kann kein Virus überspringen, obwohl sich beide Figuren durchaus schon dem Risikogruppenalter nähern. Das ist „Social Distancing“, wie es im Buche steht. Oder, ganz in der Nähe des zoffenden Paars: der Instrumentenmacher. Er hat nur einen Begleiter, vielleicht sogar einen Familienangehörigen, neben sich stehen und hält damit die Zwei-Personen-Regel korrekt ein.

Oder auch Martins Beitrag zur Donaugalerie im vergangenen Jahr: Ganz offenkundig und geradezu prophetisch der Mensch, der sich hinter einer Stahlwand in die Selbst-Isolation begeben hat, in der er absolut sicher ist. Klare Kritik an Verstößen gegen das Versammlungsverbot und ein Fall für den KOD dagegen die Figurengruppe mit acht Leuten in Reih und Glied – da kann auch das schöne Wetter keine Ausrede sein! Und auch die Dreiergruppe – so geht’s nicht! Einer versucht zwar noch schnell, quasi erwischt, nach rechts abzurücken, aber zu spät: Hier wird ein Bußgeld fällig!

Wir sehen: Roland Martin hat alles vorhergesehen. Woher er seine tiefen Kenntnisse hat – wir wissen es nicht, die Weisheit des Alters spielt sicher eine große Rolle. Wahrscheinlich weiß er auch schon, wann Coroan vorbei ist. Und eine Skulptur draus machen.

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Einnahmen brechen weg

Corona-Krise wird für die Stadt auch zur Finanz-Krise

Die Corona-Krise trifft die Stadt Tuttlingen (und wohl alle Gemeinden) – auch in finanzieller Hinsicht. Ersten Schätzungen zufolge geht der Verlust in die Millionen.

TUTTLINGEN (sf) – Vor allem auf der Einnahmenseite spürt die Kreisstadt die Krise. So fehlen aktuell etwa bei den Kindergärten, Schulen und der Musikschule allein rund 300 000 Euro monatlich, erklärt Stadtpressesprecher Arno Specht. An vielen Fronten im Haushalt brechen derzeit eingeplante Einnahmen weg – ein großer Posten allein beim Eigenbetrieb Tuttlinger Hallen, der seine Veranstaltungen bis Mitte Juni abgesagt hat. Und auch bei kleineren Einnahmeposten wie der Vergnügungssteuer liegt der Eingang nicht so hoch wie kalkuliert – weil ja auch die Spielhallen geschlossen bleiben.

In einer ganz anderen Größenordnung liegt die Gewerbesteuer, die zu den wichtigsten Einnahmeposten einer Kommune gehört – die coronaschwache Konjunktur macht sich dort bemerkbar. Hier liegt das Drei-Monats-Minus momentan bei 800 000 bis einer Million Euro, wobei alle Summen nur grobe Schätzungen sein können, unterstreicht Arno Specht – alles ist noch im Fluss. Und vieles hängt auf lange Sicht davon ab, wie lange die Beschränkungen noch gelten werden. Gleichwohl überschlägt er, Stand jetzt, den Einbruch im Etat auf 1,5 bis 2 Millionen Euro.

Auf der Ausgabenseite hat sich die Stadt als Reaktion erst einmal Vorsicht verordnet; ausgeschriebene Stellen werden zum Beispiel nochmals genau angeschaut. Wichtige Job-Wiederbesetzungen sollen dennoch vollzogen werden. Eine formale Haushaltssperre haben sich Verwaltung und Gemeinderat aber – noch – nicht verordnet. Bei anderen Kommunen in der Region greifen die Kommunalpolitiker schon zu diesem Werkzeug und stoppen alle Ausgaben, die nicht zum Pflichtkatalog einer Gemeinde zählen. Auch hier spielt eine wesentliche Rolle, dass niemand verlässlich abschätzen kann, wie lange die Krise noch dauert.

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01.04.2020

Werdende Väter dürfen noch in den Kreißsaal

Klinikum: Neue Regeln für Geburten im Zeichen von Corona

Das Klinikum Landkreis Tuttlingen hat auch seine Geburtsstation auf die Corona-Krise eingestellt. Das ist nicht ganz einfach.

TUTTLINGEN – „Wir versuchen, die Einschränkungen möglichst gering zu halten“, erklärt Klinik-Geschäftsführer Sascha Sartor auf Südfinder-Anfrage, „allerdings veranlasst uns das Schutzinteresse von Wöchnerinnen und MitarbeiterInnen im Bereich der Geburtshilfe zu besonderen „Vorsichtsmaßnahmen.“ Der Krisenstab des Gesundheitszentrums hat folgende Maßnahmen festgelegt:

• Die MitarbeiterInnen im Kreißsaal tragen vorsorglich „unter der Geburt“ Mundschutz sowie im Bedarfsfall ergänzende Schutzausrüstung.

• Partner (Ehepartner oder Lebensgefährte) dürfen bei der Geburt anwesend sein, aber eben nur noch die Partner.

• Wir bieten auf der Wöchnerinnenstation (Station 31) weiterhin Familienzimmer an, d.h. Wöchnerin, Kind und Partner sind dann während dem gesamten stationären Aufenthalt in einem Zimmer untergebracht.

• Partner haben, wenn sie nicht ein Familienzimmer in Anspruch nehmen, bis auf weiteres keinen Zutritt mehr zur Station 31: „Wir wollen das Pendeln zwischen dem Zuhause und dem Besuch in der Klinik weitestgehend unterbinden. Wir ermöglichen aber unter bestimmten Voraussetzungen außerhalb der Station 31 und nach vorheriger Abstimmung ein ,persönliches Treffen’ von Wöchnerin, Kind und Partner. Voraussetzung ist u.a., dass der Partner bei jedem Zutritt zum Klinikum den Screening-Bogen im Eingangsbereich ausfüllt. Das sei aktuell die einzige Ausnahme zum ansonsten grundsätzlichen Besuchsverbot im gesamten Klinikum.

Sascha Sartor: „Wir prüfen in diesen Tagen sehr kritisch, wie lange eine Wöchnerin nach der Geburt stationärer Behandlung bedarf und haben uns darauf verständigt, dass wir wo immer es möglich ist, eine schnellstmögliche Entlassung von Mutter und Kind ermöglichen wollen. Für uns ist aber unerlässlich, dass die Kinder vor den Entlassung bei uns im Klinikum noch die U2-Untersuchung absolvieren.

Sartor fasst die Situation so zusammen: „In der aktuellen Zeit versuchen wir, in der Geburtshilfe einen möglichst „normalen“ Aufenthalt zu gewährleisten – eine große Herausforderung.“ Da der Schutz von Patienten und MitarbeiterInnen aber absolute Priorität hat, „müssen wir an der ein oder anderen Stelle im Sinne eines bestmöglichen Gesundheitsschutzes Kompromisswege beschreiten.“

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Corona macht Geburtstag einzigartig

Frieder Sellwig feiert ohne Freunde und Verwandte – und doch mit ihnen

Frieder Sellwig ist am 20. März sieben Jahre alt geworden. Eine Geburtstagsfeier durfte er wegen den Corona-Regeln nicht veranstalten – aber mithilfe sozialer Medien und kreativen Lösungen haben die Eltern ihrem Sohn dennoch einen Tag voller Freude beschert.

Von Svenja Schönthaler

TUTTLINGEN – Die Anweisung ist klar und deutlich: „Bleibt zu Hause!“ Für Erwachsene ist es durchaus machbar, soziale Kontakte zu vermeiden, auf Freizeitbeschäftigungen zu verzichten. Doch wie geht es den Kindern?

Was, wenn der Geburtstag des Kindes in die Zeit der freiwilligen Selbstquarantäne fällt? Das war nämlich bei Frieder Sellwig der Fall, der am 20. März sieben Jahre alt wurde. Auf eine Geburtstagsfeier mit Familie und Freunden musste er wegen des herrschenden Verbotes von Versammlungen mit mehr als zwei Personen verzichten.

Mit Kreativität und der Unterstützung durch soziale Medien gelang es den Eltern, Stefan und Silke Sellwig, trotzdem, ihrem Sohn einen ganz besonderen Tag zu bescheren. „Wir haben Frieders Geburtstag im kleinen Kreis mit Papa, Mama und Schwester Pauline gefeiert“, sagt Silke Sellwig. Es habe Geburtstagskuchen gegeben, Kerzen zum Auspusten, eine Girlande und bunte Dekoration. „Wir haben versucht, ihm das normale Geburtstags-Feeling zu ermöglichen.“

Als große Hilfe dabei erwiesen sich die sozialen Medien. Silke Sellwig hat den Geburtstag ihres Sohnes in ihren Whats-app-Status gepostet. „Ich teile Familienfeste sonst eigentlich nicht über soziale Medien“, sagt sie. Doch da Frieders Geburtstagsfeier in diesem Jahr ausfallen müsste, habe sie eine Ausnahme gemacht.

Den Status haben nicht nur Familienmitglieder und -freunde gesehen, sondern auch Eltern von Frieders Schulfreunden. „Wegen des Status’ haben viel mehr Leute an ihn gedacht“, sagt Silke Sellwig.

„Viele seiner Schulfreunde haben Videos oder Sprachnachrichten geschickt“, freut sie sich. Denn die habe Frieder an seinem Geburtstag dieses Mal auch nicht sehen können, weil sie ja alle nicht in die Schule gehen dürfen.

Die wichtigste Frage für ein siebenjähriges Geburtstagskind ist aber die nach den Geschenken. Das Geschenk-Problem haben Frieders Eltern auf mehreren Wegen gelöst. Silke Sellwig erzählt von einem Treffen auf einem Parkplatz, um die Geschenkübergabe mit möglichst wenig Menschenkontakt abzuwickeln.

Die Großeltern hätten an der Tür geklingelt, das Geschenk abgestellt und aus ein paar Metern Entfernung zugeschaut, wie der Enkel es auspackt. „Sokonnten sie seine Freude über das Geschenk erleben“, war Silke Sellwig wichtig. Aus diesem Grund habe sie in der Geburtstags-Familiengruppe auch darum gebeten, sich über Facetime oder Skype zu melden.

„So konnten Frieder alle persönlich gratulieren, ihn sehen und mit ihm sprechen“, sagt Silke Sellwig. Einige hätten Frieder Geschenke auf dem Postweg geschickt und dann in Facetime beim Auspacken zugeschaut. „Sie konnten dadurch Frieders Freude über die Geschenke teilen, das war wirklich schön.“

Das Fazit des Geburtstagskindes zeigt, dass sich die Mühe gelohnt hat. „Es war voll komisch, weil’s ganz ohne Leute war“, sagt der Erstklässler. Trotzdem sei es aber irgendwie ganz gut gewesen. „Es gab ganz viele Geschenke“, erzählt er. Am besten habe ihm der Lego-Zug gefallen, den er bekommen hat – an einem Geburtstag, den er nie vergessen wird.

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Die Donau hat Corona

Vorerst kein Aufstau – THW steht nicht zur Verfügung

Die Corona-Krise wirkt sich auch auf Tuttlingens Fluss auf: Die Donau wird in diesem Jahr später als sonst aufgestaut. Eigentlich sollten die Wehrklappen am 1. April hochgehen.

TUTTLINGEN – Im Frühjahr darf die Stadt die Donau wieder aufstauen – so besagt es der Kompromiss mit dem Land. Allerdings um weitere 25 Zentimeter weniger als im Vorjahr. Doch vorerst wird es dazu nicht kommen. Der Grund liegt letztlich in der Corona-Krise.

Stadt-Pressesprecher Arno Specht erläutert die Situation: „Die Wehrklappen waren über die Wintermonate in einem Spezialbetrieb in Brandenburg zur turnusmäßigen Überholung. Um sie wieder einzubauen, müssen temporär Teile des Flussbettes trocken gelegt werden, was mit einem größeren Personalaufwand verbunden ist.

Coronabedingt werden aber derzeit nur Arbeiten ausgeführt, die zwingend erforderlich sind. Auch das THW steht wegen der Corona-Krise derzeit aber für solche Aufgaben nicht zur Verfügung.“

Die blaue Truppe soll ähnlich wie die Feuerwehr in ihrer Präsenz nicht gefährdet werden – alle Arbeiten, die kontakt-intensiv sind, werden aufgeschoben. Die Klappen liegen derweil noch in Brandenburg und werden sozusagen auf Zuruf geholt, um sie dann einzubauen.

„Sobald genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, wird die Donau wieder aufgestaut“, erklärt Arno Specht, „wann das dann der Fall sein wird, lässt sich freilich nicht genau sagen. Nach Ostern wird es aber auf jeden Fall.

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25.03.2020

Aktion für Gasthöfe

Aufruf der Donaubergland GmbH

Die Gastronomie steckt aktuell in einer großen Krise. Die Donaubergland Tourismus GmbH ruft zu einer Solidaritätsaktion für die heimischen Betriebe auf.

KREIS TUTTLINGEN – Unter dem Motto „#EhrenGastHaus“ können Interessenten direkt bei den Betrieben Gutscheine bestellen und diese aktuell per Überweisung bezahlen und dann später einkehren und die Gutscheine einlösen. „Wir wollen ein Zeichen der Solidarität setzen,“ so Landrat Stefan Bär als Aufsichtsratsvorsitzender der Donaubergland GmbH. Die Gastronomen wollen die Unterstützerinnen und Unterstützer nach der Krise dann als besondere „Ehrengäste“ willkommen heißen und sie dann besonders verwöhnen. „Wir wünschen uns, dass möglichst Viele ihre Lieblingsgasthäuser dadurch gerade jetzt unterstützen, indem sie Gutscheine für sich bestellen“, hofft Donaubergland-Geschäftsführer Walter Knittel auf möglichst große Unterstützung. „Davon können alle profitieren, die Gastronomen von dem Geld, das sie jetzt einnehmen, die Gäste von einer besonders genussvollen Einkehr nach der Krise und der Tourismus davon, dass es die Gaststätten dann überhaupt noch gibt.“ Die Aktion startet jetzt am Wochenende und soll mindestens bis in den Sommer gehen. Alle Infos zur Aktion unter www.ehrengasthaus.de

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18.03.2020

„Sie haben das Corona-Virus gebracht!“

Veranstalter der Acig-Begegnungen bekommt Hass-Mails, weil er nicht absagt

Ich habe das Corona-Virus nicht nach Tuttlingen gebracht. von Bernd Müller Es war die letzte Veranstaltung, die in der Stadthalle noch stattfinden durfte, bevor diese wegen der Corona-Krise schließen musste. Unter den Tuttlingern scheint das für Unmut gesorgt zu haben.

TUTTLINGEN – Es müssen wohl mehrere Hass-Mails gewesen sein, die der Veranstalter Bernd Müller bekommen hat. Im Gedächtnis blieb ihm aber vor allem ein Vorwurf: „Sie bringen das Corona-Virus nach Tuttlingen!“ Diese Anschuldigung findet Bernd Müller nicht gerecht. „Ich habe das Virus nicht nach Tuttlingen gebracht“, sagt er, „wir betreiben bessere Hygienemaßnahmen als die meisten“. Diese Schutzmaßnahmen sind nicht zu übersehen. Schon am Eingang grüßt eine Desinfektionsstation: „Take a shot“, fordert ein kleines Schild daneben den Besucher auf. Übersetzt heißt das in etwa „Nimm einen Spritzer“. Außerdem wurde zusätzliches Reinigungspersonal eingestellt, Desinfektionsstationen und Hinweisschilder ausgehängt, die auf das korrekte Verhalten im sozialen Umgang verweisen. Aussteller und Besucher kämen zudem allesamt aus der Region, fügt Müller an. Gerade deshalb halte er seine Veranstaltung für wichtig: Sie ist gut für die lokale Wirtschaft. Die dürfe nämlich nicht zum Stillstand kommen. „Dafür müssen wir alle an einem Strang ziehen.“ Die Überlegung einer Absage habe ihn schon beschäftigt, sagt Bernd Müller. Doch gemeinsam mit den Ausstellern habe er sich klar dagegen entschieden. „Viele der Aussteller haben sich für das Stattfinden der Veranstaltung ausgesprochen“, sagt er und verweist auf nur fünf Absagen bei 51 Anmeldungen. Auch sein Fazit gegen Ende der Messe fällt positiv aus: „Es waren schon deutlich weniger Leute da als vor zwei Jahren. Aber diejenigen, die gekommen sind, waren allesamt Entscheider“, sagt er. So konnten wichtige Kontakte geknüpft werden – nicht zuletzt auch zwischen den anwesenden Ausstellern. „Die Erwartungen der Aussteller waren gering. Deshalbwaren alle sehr zufrieden“, sagt Bernd Müller. Er schätzt die familiäre Atmosphäre seiner Messe. Besonderen Dank gelte dem stets hilfsbereiten und sehr kompetenten Personal der Stadthalle, sagt er.

Ich habe das Corona-Virus nicht nach Tuttlingen gebracht. von Bernd Müller Es war die letzte Veranstaltung, die in der Stadthalle noch

stattfinden durfte, bevor diese wegen der Corona-Krise schließen musste. Unter den Tuttlingern scheint das für Unmut gesorgt zu haben. TUTTLINGEN – Es müssen wohl mehrere Hass-Mails gewesen sein, die der Veranstalter Bernd Müller bekommen hat. Im Gedächtnis blieb ihm aber vor allem ein Vorwurf: „Sie bringen das Corona-Virus nach Tuttlingen!“ Diese Anschuldigung findet Bernd Müller nicht gerecht. „Ich habe das Virus nicht nach Tuttlingen gebracht“, sagt er, „wir betreiben bessere Hygienemaßnahmen als die meisten“. Diese Schutzmaßnahmen sind nicht zu übersehen. Schon am Eingang grüßt eine Desinfektionsstation: „Take a shot“, fordert ein kleines Schild daneben den Besucher auf. Übersetzt heißt das in etwa „Nimm einen Spritzer“. Außerdem wurde zusätzliches Reinigungspersonal eingestellt, Desinfektionsstationen und Hinweisschilder ausgehängt, die auf das korrekte Verhalten im sozialen Umgang verweisen. Aussteller und Besucher kämen zudem allesamt aus der Region, fügt Müller an. Gerade deshalb halte er seine Veranstaltung für wichtig: Sie ist gut für die lokale Wirtschaft. Die dürfe nämlich nicht zum Stillstand kommen. „Dafür müssen wir alle an einem Strang ziehen.“ Die Überlegung einer Absage habe ihn schon beschäftigt, sagt Bernd Müller. Doch gemeinsam mit den Ausstellern habe er sich klar dagegen entschieden. „Viele der Aussteller haben sich für das Stattfinden der Veranstaltung ausgesprochen“, sagt er und verweist auf nur fünf Absagen bei 51 Anmeldungen. Auch sein Fazit gegen Ende der Messe fällt positiv aus: „Es waren schon deutlich weniger Leute da als vor zwei Jahren. Aber diejenigen, die gekommen sind, waren allesamt Entscheider“, sagt er. So konnten wichtige Kontakte geknüpft werden – nicht zuletzt auch zwischen den anwesenden Ausstellern. „Die Erwartungen der Aussteller waren gering. Deshalbwaren alle sehr zufrieden“, sagt Bernd Müller. Er schätzt die familiäre Atmosphäre seiner Messe. Besonderen Dank gelte dem stets hilfsbereiten und sehr kompetenten Personal der Stadthalle, sagt er.

Ich habe das Corona-Virus nicht nach Tuttlingen gebracht. von Bernd Müller Es war die letzte Veranstaltung, die in der Stadthalle noch stattfinden durfte, bevor diese wegen der Corona-Krise schließen musste. Unter den Tuttlingern scheint das für Unmut gesorgt zu haben. TUTTLINGEN – Es müssen wohl mehrere Hass-Mails gewesen sein, die der Veranstalter Bernd Müller bekommen hat. Im Gedächtnis blieb ihm aber vor allem ein Vorwurf: „Sie bringen das Corona-Virus nach Tuttlingen!“ Diese Anschuldigung findet Bernd Müller nicht gerecht. „Ich habe das Virus nicht nach Tuttlingen gebracht“, sagt er, „wir betreiben bessere Hygienemaßnahmen als die meisten“. Diese Schutzmaßnahmen sind nicht zu übersehen. Schon am Eingang grüßt eine Desinfektionsstation: „Take a shot“, fordert ein kleines Schild daneben den Besucher auf. Übersetzt heißt das in etwa „Nimm einen Spritzer“. Außerdem wurde zusätzliches Reinigungspersonal eingestellt, Desinfektionsstationen und Hinweisschilder ausgehängt, die auf das korrekte Verhalten im sozialen Umgang verweisen. Aussteller und Besucher kämen zudem allesamt aus der Region, fügt Müller an. Gerade deshalb halte er seine Veranstaltung für wichtig: Sie ist gut für die lokale Wirtschaft. Die dürfe nämlich nicht zum Stillstand kommen. „Dafür müssen wir alle an einem Strang ziehen.“ Die Überlegung einer Absage habe ihn schon beschäftigt, sagt Bernd Müller. Doch gemeinsam mit den Ausstellern habe er sich klar dagegen entschieden. „Viele der Aussteller haben sich für das Stattfinden der Veranstaltung ausgesprochen“, sagt er und verweist auf nur fünf Absagen bei 51 Anmeldungen. Auch sein Fazit gegen Ende der Messe fällt positiv aus: „Es waren schon deutlich weniger Leute da als vor zwei Jahren. Aber diejenigen, die gekommen sind, waren allesamt Entscheider“, sagt er. So konnten wichtige Kontakte geknüpft werden – nicht zuletzt auch zwischen den anwesenden Ausstellern. „Die Erwartungen der Aussteller waren gering. Deshalbwaren alle sehr zufrieden“, sagt Bernd Müller. Er schätzt die familiäre Atmosphäre seiner Messe. Besonderen Dank gelte dem stets hilfsbereiten und sehr kompetenten Personal der Stadthalle, sagt er.

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Krähe verschoben

Kleinkunstwettbewerb im Herbst

Nur noch eine Handvoll Karten für die vier Abende waren im Vorverkauf zu haben, als der ursprünglich geplante Termin für die „Tuttlinger Krähe“ (ab 31. März) wegen Corona vorläufig abgesagt werden musste. Jetzt gibt’s einen neuen Termin.

TUTTLINGEN – Ab Dienstag, 29. September soll die 20. Auflage des renommierten Wettbewerbs, eines der gefragtesten Kulturevents in der Donaustadt, in der Angerhalle Möhringen über die Bühne gehen und am 4. Oktober sollen die Preisträger geehrt werden. Schon zehn der zwölf Finalistinnen sowie die Moderatorinnen Annette Postel und Miss Allie haben dafür zugesagt, teilt Stadthallen-Chef Michael Baur mit. Die wenigen noch verfügbaren Tickets sind aktuell im Vorverkauf. Programmplaner Berthold Honeker und Michael Baur haben in den letzten Tagen fieberhaft daran gearbeitet den Wettbewerb 2020 zu retten. „Wir wollten nicht, dass ausgerechnet in dem Jahr, in dem unsere „Krähe“ ihren zweiten runden Geburtstag feiert, unser Tuttlinger Kleinkunstwettbewerb ausfallen muss.“ Zu viel Vorarbeit stecke in der Veranstaltung, für die seit dem vergangenen Sommer Bewerbungen gesichtet, bewertet und schließlich zwölf Finalisten für das viertägige Programm unter einen Hut gebracht werden mussten, so beide unisono. Daher wurde nach der Absage des ursprünglichen Termins umgehend nach einem Ausweichtermin nach den Sommerferien gesucht – nicht einfach angesichts der vielen Veranstaltungen, die in die zweite Jahreshälfte verschoben wurden. Wenige Restkarten für die Einzelabende der „Krähe“ sind noch zu haben – online unter www.tuttlinger-hallen.de oder telefonisch unter 07461 / 910996.

Ausnahmesituation

Reisebüros in Ungewissheit

Für das Team von Hutter Reiseservice sind die Folgen der Corona-Krise deutlich spürbar.

TUTTLINGEN – Mit einer „nie da gewesenen Ungewissheit“ konfrontiert, ist das Team von Hutter Reiseservice derzeit sieben Tage die Woche in vollem Einsatz. Um sich für die kommende Zeit gut aufzustellen und den Kunden in ihren Anliegen und Sorgen behilflich zu sein, wurden alle Reisen mit einem Abreisetermin vor dem 30. April herausgesucht und seitdem aufmerksam beobachtet.

Dabei ist man auf die Entscheidungen von Ländern, Fluggesellschaften, Reiseveranstaltern und dem Auswärtigen Amt angewiesen. Hutter Reiseservice empfiehlt seinen Kunden deshalb (Stand Montagmorgen), keine überstürzten Entscheidungen zu treffen. Sobald aktuelle Informationen vorliegen, werden die Gäste umgehend informiert und es wird nach einer entsprechenden Lösung gesucht.

Dabei liegt die Herausforderung darin, dass Einreisegesetze unverhofft über Nacht beschlossen werden, was Reisebüros vor vollendete Tatsachen stellt. Flüge müssen auf unbestimmte Zeit ins Blaue umgebucht werden, da Einreiseverbote oft ohne konkrete zeitliche Angaben verhängt werden.

Als vorbeugende Schutzmaßnahme bittet auch Hutter Reiseservice, möglichst nur telefonisch oder per Mail Kontakt aufzunehmen. Die Öffnungszeiten bleiben unverändert.

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Pandemiepläne und Koordination

Was bedeutet es, wenn der Katastrophenfall ausgerufen wird?

Wie wahrscheinlich ist der Katastrophenfall in Baden-Württemberg? Welche Folgen hätte seine Ausrufung für den Alltag der Tuttlinger? Der Südfinder versucht, Antworten zu geben. Trotzdem sind alle Angaben ohne Gewähr.

TUTTLINGEN – Katastrophenschutz: Das Wort klingt dramatisch, verursacht fast schon Weltuntergangsstimmung. Trotzdem scheint der Katastrophenfall hierzulande aber immer wahrscheinlicher zu werden. In Bayern ist er schon Realität. Aber was bedeutet Katastrophenschutz eigentlich? Der Südfinder hat die auf der Webseite des Landes Baden-Württemberg verfügbaren Informationen unter die Lupe genommen.

In Baden-Württemberg gibt es zwei Kriterien dafür, wann eine Katastrophe vorliegt. Das erste Kriterium ist erfüllt, wenn „ein eingetretenes oder unmittelbar drohendes Ereignis das Leben oder die Gesundheit von zahlreichen Menschen und Tieren, die Umwelt, erhebliche Sachwerte oder die lebensnotwendige Versorgung der Bevölkerung gefährdet oder in besonderer Weise beschädigt“. Das zweite Kriterium ist erfüllt, wenn „ein Ereignis so schwerwiegend ist, dass die Katastrophenschutzbehörden die einheitliche Leitung der zu treffenden Gefahrenabwehrmaßnahmen übernehmen müssen“.

Erfüllt die Corona-Krise diese Voraussetzungen? Das Leben oder die Gesundheit zahlreicher Menschen sind in erheblicher Weise gefährdet – check. Umwelt und Sachwerte sind nicht direkt gefährdet.

Aber die lebensnotwendige Versorgung der Bevölkerung könnte bei weiterer Eskalation durchaus gefährdet sein. Schon jetzt zeigen sich an vielen Stellen Lieferengpässe, besonders deutlich zum Beispiel bei Mehl und Klopapier. Damit erfüllt die Corona-Krise das erste Kriterium einer Katastrophe.

Angesichts eines drohenden Personalmangels im Bereich der sogenannten kritischen Infrastruktur wird eine einheitliche Leitung notwendig. Die kann zur Verstärkung der Personalressourcen in größerem Maße Umschichtungen vornehmen. Oder – wie es beispielsweise im Influenza-Pandemieplan für Baden-Württemberg heißt – Medizinstudenten im letzten Ausbildungsjahr einsetzen.

Für die Tuttlinger Bürgerinnen und Bürger wird sich allein durch die Ausrufung des Katastrophenfalls jedoch nicht viel ändern. Die Katastrophenschutzbehörde agiert eher im Hintergrund. Sie hilft, Maßnahmen und Ressourcen zu verwalten und zu steuern. Im Alltag bekommen die Menschen davon zunächst nichts mit. Falls es so weit kommen sollte, dass Kräfte der Bundeswehr zur Unterstützung herangezogen werden, mag das auffälliger sein – davon scheint die Stadt aktuell aber noch weit entfernt.

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